Darfs ein bischen mehr sein ? Diese Frage stellt uns das RAGE für 2015 sicher mehr als einmal. Die Firma PROPAIN aus Ravensburg bietet für die Saison 2015 die Variante „Free“ für mehrere Modelle an. Beim RAGE bedeutet das im Detail, dass dem geneigten Käufer nahezu alles für die Konfiguration möglich gemacht wird, was seine Vorstellung hergibt und sein Geldbeutel mit macht.

Natürlich gibt es auch weiterhin den Rahmen einzeln, sowie auch die Varianten Rage 1, 2 und 3 zu kaufen. Alle 3 bieten wie gewohnt eine recht ausgewogene Ausstattung mit nahezu unschlagbarem Preis/Leistungsverhältnis.

Optisch hat sich im Detail etwas verändert...
Optisch hat sich im Detail etwas verändert…

Bikevorstellung:

Das RAGE wurde 2009 eingeführt und ist das Bike der erste Stunde von PROPAIN Bikes. Seit Anbeginn lag der Fokus des Bikes auf purem Downhill-Racing. So wurde das RAGE in verschiedenen Evolutionsstufen stetig weiterentwickelt um jeweils den Anforderungen von Downhill-Racern auf höchstem Niveau zu entsprechen. Das Modell 2015 ist nun die 5. Generation des Bikes und wurde in engem Austausch mit den Team-Fahrern des PROPAIN Factory Racing Teams erneut in vielen Details überarbeitet und optimiert.

Der Fokus bei der Weiterentwicklung des RAGE 2015 lag auf der Gewichtsreduktion sowie der Steigerung der Laufruhe bzw. Stabilität ohne jedoch die für das RAGE charakteristische Agilität und Wendigkeit negativ zu beeinflussen. So wurden grundlegende Eigenschaften wie das bewährte PRO10 Suspension System, der Federweg, Tretlagerhöhe und Kettenstrebenlänge unverändert beibehalten.

Um das Gewicht des Rahmens zu reduzieren wurde für das RAGE 2015 ein neuer Rohrsatz mit gewichtsoptimierten und geschmiedeten Elementen verwendet, hier insbesondere die obere Lagerung am Hauptrahmen. So konnte das Nettogewicht des Rahmens um 150 Gramm reduziert werden.

Auf den Wunsch der Team-Fahrer und vieler Interessenten nach einem längeren Oberrohr bzw. Radstand hat PROPAIN Bikes ebenfalls reagiert. Bei dem RAGE 2015 wurde beides, je nach Rahmengröße, um bis zu 1,5 cm verlängert. Zudem wurde der Lenkwinkel um 0,1° abgeflacht. Somit konnte in der Konsequenz die Laufruhe des Bikes insgesamt nochmals gesteigert werden.

Die grundlegenden technischen Parameter wurden für das RAGE 2015 beibehalten:

  • Federweg: 220mm
  • Tretlagerbreite: 83mm
  • Hinterbaubreite: 150x12mm und 157x12mm
  • Steuerohr: Tapered
  • Scheibenbremsaufnahme: Postmount
  • Kettenführungsaufnahme: ISCG05
  • Sattelstützendurchmesser: 31,6mm

 

Konfiguration Testbike:

Unser RAGE in der Größe M ist besagte „Free“ Variante und mit einer ansprechenden Auswahl an Komponenten bestückt.

Rockshox Boxxer Team (Federstärke Firm/blau)
Avid Trail X0
SRAM X0 komplett
Rockshox Kage Coil (Härte 500lb)
Sixpack Vorbau, Lenker, Steuersatz, Laufräder (Kamikaze 26 “)

Wie an der Konfiguration des Fahrwerks schon zu erkennen ist, bringt unser Tester Patrick mit Ausrüstung gute 85  Kilo bei 1,75m Körpergröße auf die Waage. Diese gilt es natürlich so optimal wie möglich auf die Strecke zu bringen. Die Boxxer Team wurde auf 4 Klicks von geschlossen (Compression) eingestellt, der Kage auf 3. Diese Einstellung erschien uns im Trockenen als recht passend und sollte sich auch im Park als genau richtig rausstellen. Der Unterschied zur „alten“ Boxxer sollte uns später noch die Augen öffnen. Warum genau das so war/ist, wird noch genauer erläutert. Die von uns gefahrene Konfiguration schlägt mit knapp 3.100 Euro zu Buche.

Auf der Strecke:

Wie es sich für ein Bike im Kaliber des RAGE gehört, haben wir uns auschließlich auf das testen im Bikepark beschränkt. Der Feldberg, welcher direkt vor unserer Tür liegt, bietet zwar auch einige Optionen, aber der Vorteil eines Bikeparks liegt einfach auf der Hand. Durch vorhandene Liftanlagen sind einfach deutlich mehr Abfahrten (und damit Testläufe) möglich, wie zum Beispiel auf einem Flowtrail, an dessen Ende man in der Regel mit reiner Muskelkraft wieder nach oben muss. Das Rage will bewegt werden, und zwar richtig ! Diesen Eindruck vermittelt es schon im Stand.

Als Testareal wählten wir den Bikepark Beerfelden aus, der mit seiner gut gemischten Auswahl an Strecken und der Nähe zur Redaktion die beste Wahl für uns war. Zum testen der Fahrwerkseinstellung wählten wir die Bluewave, eine Art „Harter“ Flowtrail, der durch schnelle Richtungswechsel und leichte Sprünge gut geeignet ist. Auf den ersten Metern zeigte sich wie agil und gleichzeitig spurstabil sich das RAGE bewegen lässt. Die minimalen Änderungen an der Geometrie im Vergleich zum Vorjahr und die neuen Magic Mary von Schwalbe scheinen hier den größten Anteil dran zu haben.

Nachdem wir nach 3 Abfahrten den Kage auf 4 Klick eingestellt hatten und mit der Boxxer soweit sehr zufrieden waren, ging es an die vielseitigste Strecke in Beerfelden. Die Blackwall bietet mit einer Vielzahl an Drops, Anliegern, Wurzelpassagen, Tables etc. das beste Terrain, um alle Möglichkeiten eines Gravity Bikes auszuloten. Natürlich alles unter Berücksichtigung der Fähigkeiten des Fahrers, denn das Material ist hier erst weitaus später der limitierende Faktor.
Das Fahrwerk spricht „butterweich“ an, das berühmte Losbrechmoment ist eigentlich nicht spürbar. Vor allem die 2015er Boxxer lässt uns ein Grinsen im Gesicht stehen. Der Charger Dämpfer aus der Pike war so ziemlich das beste, was man dieser Gabel spendieren konnte, denn das Ansprechverhalten ist als absolut sahnig zu beschreiben. Die neue Boxxer ist nicht nur abgesehen von leichten optischen Änderungen (schwarze Beschichtung) eine völlig neue Gabel. Überhaupt macht das ganze Fahrwerk seine Arbeit so überzeugend, dass beim Überqueren von Wurzelteppichen schon fast Langeweile im Sattel aufkommt, weil kaum noch aktiv gefahren werden muss.

Ein Zugeständnis zu diesem „butterweichen“ Fahrwerk ist allerdings die Tatsache, dass grade bei Anliegern mit schnellen Wechseln und leichten Sprüngen die Gabel gefühlt etwas einsackt. Auch finden wir, dass die aktuelle Boxxer etwas an Steifigkeit zum Vorgänger eingebüßt hat. Hat man sich aber an dieses Verhalten gewöhnt, so schaffen Bike und Fahrwerk sehr schnell ein absolutes Vertrauen beim Fahrer, welches aber nicht zum Übermut verleitet.
Die verbauten X0 Stopper von Avid verzögern wie bekannt tadellos und die Schaltung macht das, was sie machen soll. In den seltenen Fällen in denen man sie bemüht, führt sie ihre Arbeit ohne Probleme durch. Überhaupt gehen wir hier nicht weiter auf die einzelnen Komponenten ein, da diese sich mehrfach in anderen Bereichen bewährt haben.

Am Dämpfer kann es eng werden
Am Dämpfer kann es eng werden, aber nie problematisch.

Das RAGE hat im Gegensatz zum TYEE aus dem gleichen Haus den Vorteil, dass mehrere Dämpfer für das Heck verbaut werden können. Der Platz ist weiterhin begrenzt, allerdings sind auch ohne Probleme VIVID Air und Double Barrel verbaubar. Grade bei letzterem sollte man das Setup allerdings in ausgebautem Zustand vornehmen, da es sonst etwas fummelig werden kann. Außerdem stellt Canecreek für das RAGE wohl noch kein abgestimmtes Setting zur Verfügung, also muss man sich hier (vorerst) selber helfen. Für die bekannten Rockshox Dämpfer werden angepasste Settings zur Verfügung gestellt und nach unseren Informationen schwören die PROPAIN Teamfahrer auch ausnahmslos auf die Dämpfer aus dem Hause Rockshox. Aber wie alles ist das bekanntlich Geschmackssache. Selbst mit dem verbauten Kage, welcher ja den Einstieg in das Segment darstellt, waren wir nie „unterdämpft“ unterwegs. Ein Service und der damit verbundene Ausbau des Dämpfer war von uns in knapp über 5 Minuten zu bewerkstelligen. Das geht bei anderen Gravity Bikes schneller, aber bei manchen eben auch deutlich schwerer. Man hat hier also in unseren Augen einen sehr guten Kompromiss gefunden.

Fazit:

Ein stimmiges Gesamtpaket haben die Jungs aus Ravensburg hier wieder auf die Beine gestellt. Das RAGE ist verspielt und laufruhig zu gleich, was auf den bewährten Hinterbau zurück zu führen ist. Das Free Konzept stellt den Kunden vor die Qual der Wahl und es wird sich zeigen müssen, ob sich der zusätzliche Produktionsaufwand rechnet. Wenn wir das Free Konzept aber außen vor lassen und auf die „normalen“ 3 Varianten zurück kommen, so ist das RAGE für 2015 eine gelungene Verbesserung zum Vorgänger und in Sachen Preis/Leistung eine absolute Kampfansage. Abgerundet wird das Konzept, wie auch bei anderen Modellen, durch die Custom Color Option. Der Markt unter den Versendern ist allerdings hart umkämpft, und alle machen Ihre Hausaufgaben gut. Mit einem Preis von knapp 3.100 Euro kann man hier aber sehr wenig verkehrt machen.

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3 Kommentare

  1. Danke für diesen aufschlussreichen Testbericht!
    Eine Frage hätte ich aber: Wie groß ist denn der Testfahrer und welche Rahmengröße wurde gefahren?

    • Hallo Micha,danke für dein Feedback. Meine Wenigkeit (der Testfahrer) ist knappe 1,75m groß und der Rahmen ist Größe M. Ich habe die Informationen auch gleich noch in den Test übernommen.

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