„Für ein Canyon gar nicht schlecht!“ oder „Das wäre das erste Canyon was ich auch kaufen würde!“ waren nach der Vorstellung des Canyon Torque DHX Flashzone die ersten Reaktionen im Internet. Canyon hat, wie jeder Bike-Versender, einen generell kritischen Stand. So werden die „Versenderbikes“ stets verpönt und von der breiten Masse als minderwertig angesehen.

Das sich Canyon mittlerweile zu einer Innovationsschmiede gemausert hat, beweist die jüngste Vorstellung des Strive CF und der per remote verstellbaren Geometrie mittels Shape Shifter. Wir teilen die weitverbreitete, kritische Meinung bzgl. Versenderbikes nicht und haben uns sehr auf das Torque DHX in der Flashzone Variante gefreut.

Das Canyon Torque DHX in der Ausstattungslinie Flashzone
Das Canyon Torque DHX in der Ausstattungslinie Flashzone

Bikevorstellung

In Canyons Modellpalette war das Torque immer schon das Bike für Freeride- und Downhill-Einsätze. Während in der Vergangenheit, egal ob für 160mm oder 200mm Federweg, für alle Torque Modelle die gleiche Rahmen-Geometrie verwendet wurde, entwickelte Canyon für 2014 eine komplett neue Rahmengeometrie für die Downhill Ausführung.

Der Rahmen des Torque DHX
Der Rahmen des Torque DHX

Quelle: www.canyon.de

 

Nicht zu Letzt die neue Namensgebung DHX (vormals FRX) soll das Downhill Modell von den restlichen Modellen abgrenzen. Neben einer modernen, abfahrtsorientierten Geometrie, begeistert der Rahmen mit Details wie u.a. einem integriertem Sag-Meter, verstellbarem Lenkwinkel und Federweg mittels Trackflips an der Dämpferaufnahme im Rockerarm.

Der Trackflip zum Verstellen von Lenkwinkel und Federweg
Der Trackflip zum Verstellen von Lenkwinkel und Federweg

Overzied Rohre und ein asymmetrisch geformter Hinterbau im Monobox-Design, verleihen dem Rahmen starke Reserven bei harten Landungen, ein Maximum an Steifigkeit und viel Reifenfreiheit. Erstmalig kommt das neue Canyon Through Axle System am Torque zum Einsatz. Die 12mm Steckachse erhöht die Steifigkeit und wird komplett in den Ausfallenden geführt, was den Radaus- und Einbau einfacher und schneller gestaltet. Die Postmount Bremsaufnahme fasst ohne Adapter eine 185mm Bremsscheibe.

Beim Hinterbausystem setzt Canyon auf Bewehrtes und verwendet weiterhin das Horst-Link System, sprich Viergelenker.

Nachfolgend die Herstellerdaten:

Geometriedaten Canyon Torque DHX
Geometriedaten Canyon Torque DHX

Quelle: www.canyon.de

Ausstattung

Wie üblich bei „Versenderbikes“ ist die Ausstattung erstklassig. In der 3.599,-€ teuren Top Variante Flashzone bleiben keine Wünsche offen: Fox 40 Float RC2, CC DBCoil, Mavic DeeMax Ultimate und Shimano Saint Komponenten lassen das Downhiller-Herz höher schlagen. Hier die komplette Teileliste vom Hersteller:

Die Austattung im Detail
Die Austattung im Detail

Quelle: www.canyon.de

Weitere Modelle und Preise (Angaben ohne Gewähr, Quelle www.canyon.de):

–       Torque DHX Rockzone 2.499,-€ (Double Crown)

–       Torque DHX Whipzone 1.999,-€ (Double Crown)

–       Torque DHX Dropzone 2.399,-€ (Single Crown)

–       Torque DHX Playzone 1.699,-€ (Single Crown)

Edle Komponenten wohin das Auge blickt
Edle Komponenten wohin das Auge blickt

Entgegen der Serienausstattung haben wir eine 450×3.0 Nukeproof Titanfeder verbaut, sowie die Maxxis Reifen und DeeMax Ultimate mit Mavic tubeless Ventilen und notubes Dichtmilch auf tubeless umgerüstet. Es handelt sich bei den Reifen zwar um keine UST Versionen (und somit keine tubeless Freigabe des Herstellers), allerdings wirbt Stan von notubes damit, jeden Reifen mit seiner Dichtmilch dicht zu bekommen, weshalb wir dieses Experiment wagten. Mit diesen Maßnahmen bleibt die Waage bei 16,2kg stehen (Rahmen Gr. M).

Cane Creek am Hinterbau, die momentane Benchmark
Cane Creek am Hinterbau, die momentane Benchmark

Was positiv auffiel: das Aus- und Einbauen des Dämpfers verläuft wie es sich für ein renntaugliches DH Bike gehört reibungslos. Bei den alten FRX Modellen erschwerten zehntel Distanzscheiben zwischen Rahmen und Dämpferaugen vor allem den Einbau des Dämpfers.

Setup

Das DHX wird im Renntrimm ausgeliefert, also mit 63° Lenkwinkel, 200mm Federweg und der Dämpfer nach Cane Creek Basetune Empfehlung eingestellt. Wie man der nachfolgenden Base Tune Karte entnehmen kann, handelt es sich um eine straffe Abstimmung:

Bastune

Quelle: www.canecreek.com

Ein Downhill-Bike muss natürlich artgerecht auf der Strecke eingestellt werden. Nach dem Zusammenbau sind wir allerdings für die ersten Einstellungen wie immer auf die Straße gegangen. Das Canyon wird zwar vormontiert geliefert, allerdings müssen Lenker, Laufräder und Sattel selbstständig montiert werden

Das schwere Canyon FRX 9.0 LTD (knapp 18kg) gewohnt, konnte unser Tester Michael kaum glauben, wie explosionsartig sich das DHX beschleunigen lässt. Die Gewichtsreduktion sollte sich auch positiv im Handling bemerkbar machen aber dazu später mehr. Der Hinterbau fühlte sich anfangs sehr straff an aber hier wollten wir zunächst den Einsatz auf der Strecke abwarten.

Weiter ging es zum Einbremsen der Bremsanlage. Hier hat sich in der Vergangenheit ein steiler asphaltierter Berg in der Nachbarschaft bewährt. Viele Bremsen wurden hier bereits von uns eingebremst, von Avid über Formula bis Shimano Bremsen. Die Meisten „zogen“ bereits nach weniger als vier Abfahrten, die Saint brauchte Einige mehr.

Von unserem Banshee Rune V2 Test bekannt, benötigten wir auch mit dem Canyon gute 10 Abfahrten, bis dass die Bremse anfing zu ziehen. Ist die Saint einmal eingebremst, ist sie nach wie vor unsere Referenz in Sachen Bremspower und Dosierbarkeit,  auch wenn andere Hersteller hier einfacher zu handeln sind.

Shimanos Saint sorgt für souveräne Verzögerung
Shimanos Saint sorgt für souveräne Verzögerung

Im Auslieferungszustand sind die Standrohre der Federgabel komplett herausgezogen und unter dem Vorbau sind zwei Spacer verbaut. An diesem Setup haben wir nichts verändert, lediglich die Gabel haben wir mit einer erhöhten Low Speed Compression Dämpfung auf uns abgestimmt.

Renthal Cockpit !
Renthal Cockpit !

Auf der Strecke

Den ersten artgerechten Einsatz erhielt das DHX im neu gestalteten Bikepark Winterberg. Traditionell wird der Freecross zum warm fahren genutzt. Bereits in den ersten Anliegerkurven begeisterte uns das Rad erneut. Wie beschrieben wirkt sich das reduzierte Gewicht positiv auf das Handling aus. So verläuft das Umsetzen von einer Kurve in die Nächste fast schon spielerisch und ohne großen Kraftaufwand, was die Reaktionszeit verkürzt und man somit schneller fahren kann.

Dank der enormen Steifigkeit lässt sich das Rad sehr präzise steuern und hält die gewählte Linie spur treu. Unser Tester Michael konnte mit seinen 93kg zu keinem Zeitpunkt eine störende Verwindung des Rahmens feststellen, egal ob in Kurven oder bei Sprüngen.

Michael in freier Wildbahn
Michael in freier Wildbahn

Auf der Freeride und Downhill Strecke in Winterberg geht es etwas mehr zur Sache, will heißen hier warten neben einigen Sprüngen, Stein- und Wurzelfelder das ein oder andere Loch oder Bremswellen in der Ideallinie. Erst hier deutet sich das volle Potential des Bikes an. Die Fox 40 Float bügelt alles weg was im Weg liegt, egal ob grob oder fein, ohne dabei schwammig zu wirken. Das Heck, gedämpft vom DBCoil, steht ihr in nichts nach. Im Gesamten fühlt sich das Fahrwerk sehr harmonisch an, weder sackt die Gabel in Step Downs zu weit durch, noch sackt der Hinterbau in Anliegern weg oder rauscht bei harten Einschlägen durch.

Das Torque in angestammter Umgebung
Das Torque in angestammter Umgebung

Harte Einschläge… die gehören vor allem dann zum Downhill, wenn man mal einen Sprung bzw. eine Landung nicht sauer trifft. Egal ob bei einer schiefen Landung nach einem Table oder einer falsch gewählten Linie im Steinfeld, das DHX ermöglicht dem Fahrer diesen Fehler sicher zu korrigieren.

Verleitet zum Spielen
Verleitet zum Spielen

Während wir am Heck mit der straffen Einstellung sehr zufrieden waren, mussten wir die Einstellung an der Gabel leicht korrigieren. Dank der erhöhten LSC Dämpfung wurden wir zwar recht schnell, allerdings ermüdeten auch unsere Hände bzw. Unterarme entsprechend schnell. Während Racer die LSC vermutlich noch weiter geschlossen fahren, öffneten wir LSC und Zugstufe, um etwas mehr Komfort zu erhalten. Diese Änderung kam uns sehr entgegen, ohne dabei Kontrolle in Anliegern oder an Absprungkanten zu verlieren.

Stabilität in allen Lagen
Stabilität in allen Lagen

Nach mehreren Parkbesuchen vermissten wir den bekannten Biss an der Vorderradbremse. Da der Druckpunkt des Hebels nach wie vor unverändert war, konnten wir Luft in der Leitung ausschließen. Bei der Kontrolle der vier Bremskolben mussten wir feststellen, dass beide Kolben auf der linken Seite nicht nach gerutscht sind. Beim Zug am Hebel bewegten diese sich zwar, die Bewegung fand allerdings nur durch die Gummi-Quadringe statt.

Dank Muc Off zur Reinigung und dem Blockieren der anderen Kolben wurden die zwei steckenden Kolben wieder gängig gemacht und die Bremse war wie gewohnt bissig. Gleichen Service sollten wir einige Tage später noch an der Hinterradbremse durchführen.

Fazit:

Canyon kämpft nach wie vor mit den Vorurteilen eines Versenders, allerdings muss sich Canyon mit dem Torque DHX Flashzone auf keinen Fall vor „namenhaften“ Herstellern verstecken. Das Bike ist „out of the box“ für den Renneinsatz geeignet und äußerst edel ausgestattet. Handling, Qualität und vor allem das Preis Leistungsverhältnis stimmen.

Der Rahmen überzeugt mit vielen Detaillösungen und schönen Schweißnähten. Kleiner Wermutstropfen ist in unseren Augen die Farbwahl. So hätten wir uns eine etwas buntere Variante wie seiner Zeit das autoscooter metallic farbige FRX gewünscht. Auch wenn das raw club edel anmutet, so fehlt das farbliche Alleinstellungsmerkmal.

Einen etwas negativen Beigeschmack brachte die Bremse. Zwar sind wir nach wie vor von der Saint überzeugt, jedoch bedarf sie etwas mehr Aufmerksamkeit als Vierkolbenbremsen anderer Hersteller.

Persönliche Anmerkung: Dass sich die Meinung zu Versenderbikes zu ändern scheint, zeigt das mehrfache Antreffen weiterer DHX Piloten in verschiedenen Bikeparks. Wir können nur empfehlen Versender auszuprobieren, neben tollen Bikes bieten sie meist einen bessern Aftersales-Support als große Hersteller.

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9 Kommentare

  1. Habt Ihr ein paar anspruchsvolle und zugleich geile Orte zum fahren? was cool wäre: viele jumps, technical parts und ein paar restaurants in der nähe + ne gondel? Schreibt mir doch einfach ne Email.

    PS: Wenn es mögflich ist. auf den tracks sollte man nicht zu viel tretenmüssen!

    • Hi Nico,

      da empfehlen sich natürlich Winterberg, Willingen und Co, da kannst Du mit der Gondel hoch und ein paar Touren abfahren. Ansonsten ist das Bergische Land und vor allem Glüder in Solingen ein toller Spot.

      Viele Grüße,
      Michael

  2. Ist es nicht egal wie viele mit einem Torque rumfahren? Geht es um den Sport oder darum Individualist zusein ?

    • Hi Sebastian, natürlich geht es in erster Linie um den Sport. Es gibt aber eben auch Fahrer, die es angenehmer finden wenn man ihr gewähltes Gefährt eben nicht an jeder Ecke im Park geht. Man möchte eben etwas individuelles haben, was absolut menschlich ist. An der Performance eines Canyon ändert das natürlich rein gar nichts.

  3. Auf der Website von Canyon wird nur das ‚Torque DHX Rockzone‘ aber das ‚Flashzone‘ nicht. Mich würde interessieren ob die Größenangaben S,M,L von den beiden Modellen identisch sind?

    • Canyon hat für 2016 noch nicht alle Modelle des Torque vorgestellt. Da aber alle auf dem gleichen Rahmen basieren, werden auch die Größenangaben identisch sein.

  4. So schlimm verpönt sind die Versenderbikes gar nicht, ich geb nicht viel auf exzentrische Kids die vielleicht ihren Reifen selber wechseln können oder einen Ansatz eines Whips beherrschen, aber nur das gut finden was die Pro’s fahren und wenns sie diesselben Bikes haben, der Skill auf sie übergeht und sie die Checker sind. Das Problem liegt viel eher darin, dass die Versenderbikes stimmigere Pakete zu besseren Preisen liefern, die dem Otto-normal-Verbraucher nicht erklärbar sind. Solche Versender schädigen den Industriezweig, das streitet keiner ab! Doch nicht der Preis sollte entscheiden, welches Bike man kauft sondern wie gut es einem liegt! Nicht ohne Grund greifen viele, die sich mal ein Versenderbike gekauft haben danach wieder zu einem teureren Gerät. Mir persönlich gefällt das DHX, zumindest optisch, fahre aber ein Torque von 2011, das ich mir selbst zusammengebaut habe und so steht und funktioniert wie ich es wollte.
    Was Versenderbikes nachgesagt wird ist halt auch einfach, weil es jeder so von der Stange weiterfährt. Warum was ändern was vom Fließband weg stimmig passt?
    Klar, fängt es zu nerven an wenn 5 gleiche DHX im Park unterwegs sind! Deswegen, selber aufbauen! 😉

    • Reine Vorliebe. Mit dem 63er Lenkwinkel liegt das Rad wie auf Schienen. Da wir aber nicht auf Zeit sondern aus Spaß DH fahren, haben wir uns für den etwas wendigeren 64er Winkel entschieden.

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