Die Saison ist in vollem Gange und auch wenn der Sommer sich nicht von seiner besten Seite zeigt, haben wir etliche Bikeparks besucht und bereits reichlich Höhenmeter mit dem Rocky Mountain Maiden Worldcup vernichtet. Die von uns getestete Worldcup Version schien auf den ersten Blick kaum einen Wunsch offen zu lassen und konnte uns bereits auf dem Presseevent in Leogang 2015 begeistern. Aber manchmal hält so ein Dauertest eben auch Überraschungen für uns bereit, was sich in diesem Fall am Dämpfer des Maiden zeigte.

Optisch ist der Retro Look auf jeden Fall ein Hingucker
Optisch ist der Retro Look auf jeden Fall ein Hingucker

Das Maiden zeigte sich von der ersten Minute als sehr schnelles und vor allem verspieltes Bike. Es liebt Bikeparks, schnelle Kurvenwechsel und lädt fortwährend dazu ein, mit dem Heck zu spielen. Dabei kommt die Geometrie dem Fahrer sehr entgegen, da man hier den Mittelweg zwischen Race- und Parkbike gegangen ist. Man sitzt gut integriert im Rad, bekommt jederzeit ausreichend Druck auf das Vorderrad und schöpft schnell Vertrauen in das Maiden. Wem dieser Mittelweg zu lasch oder einfach ist, der kann mit Hilfe des Ride 4 Systems in die Geometrie des Maiden eingreifen und so Lenkwinkel und Tretlagerhöhe beeinflussen. Beides sind Faktoren, die sich direkt auf die Fahreigenschaften des Bikes auswirken und von uns überprüft wurden. Wie auch die umfangreichere Ride 9 Variante, die zum Beispiel beim Altitude eingesetzt wird, funktioniert die „abgespeckte“ Variante tadellos und lässt absolut keinen Grund zur Beanstandung. Die Möglichkeiten der Verstellung beim Lenkwinkel umfassen 63 – 63.8 ° und 11mm bei der Tretlagerhöhe. Das Maiden bietet hier also eine gute Option zwischen Park- und Raceeinsatz zu wechseln. Schade ist, das die Zugänglichkeit unter der Platzierung der Kettenführung leidet. Wer öfter mit dem Ride 4 experimentiert, der muss sich auf Fummelarbeit einstellen oder die Kettenführung demontieren.

Der Fox RC4 stellte im Verlaufdes Tests die bessere Wahl dar
Der Fox RC4 stellte im Verlauf des Tests die bessere Wahl dar.
Verschiedene Laufradgrößen erfordern zweifache Aufnahmen für den Bremssattel
Verschiedene Laufradgrößen erfordern zweifache Aufnahmen für den Bremssattel

Das Fahrwerk des Maiden erscheint uns mittlerweile mit der Wahl zu BOS ein wenig speziell. Zwar lässt sich die verbaute Idylle Rare Air gut auf den Fahrer abstimmen, mit dem Stoy Rare Dämpfer wurden wir aber auf verschiedenen Strecken nicht richtig warm. Grund war und ist hier eine Zugstufe, die bei uns zwischenzeitlich sogar den Gedanken an einen Defekt aufkommen ließ. Ein Service brachte die Gewissheit das dem nicht so ist. Wir standen also vor der Problematik, dass der verbaute Stoy Dämpfer selbst mit komplett geschlossener Zugstufe (unterdämpft) noch so viel Popp in den Hinterbau brachte, dass wir bei vielen Sprüngen schlichtweg einen Tritt des Hecks kassieren mussten. Ein Verhalten welches man zwar einkalkulieren kann, aber dennoch eher unerwünscht bei uns war. Nach Rücksprache mit dem deutschen Importeur Bike Action, welcher für Rocky Mountain verantwortlich ist, entschieden wir uns auf einen Fox RC4 am Heck zu wechseln. Vor allem bei Kickern verlor der Hinterbau so teilweise seinen Schrecken. Fairerweise sollte erwähnt werden, dass der Stoy Dämpfer für den Raceeinsatz entwickelt wurde und dort ein feinfühligeres Ansprechen bietet als der RC4. Unser Testschwerpunkt lag auf dem Einsatz im Park und alpinem Gelände. Im zurückliegenden Testzeitraum wurde das Maiden von 3 Fahrern aus unterschiedlichen Gewichtsklassen und mit unterschiedlichen Fahrstilen bewegt.

Geht gerne in die Luft
Geht gerne in die Luft

Hier entpuppte sich das neue Setup als optimale Wahl und auch bei Rocky Mountain scheint man ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben, denn die 17er Maiden Modelle kommen nicht mehr mit BOS Fahrwerken zu den Kunden, sondern werden mit Fox bzw. Rockshox Fahrwerken angeboten.

Die Kombination aus Idylle an der Front und RC4 am Heck sorgen für ein sattes Fahrwerk, welches sensibel auf schnelle, kleine Stöße reagiert, aber viel Reserven bietet, wenn es an große Sprünge geht oder man es generell in grobem Gelände laufen lässt. Sehr selten hat man das Gefühl im Federweg zu versacken, dennoch ist das Fahrwerk nie als zu straff empfunden worden. Die Druckstufen beider Fahrwerkskomponenten verrichten ihren Dienst sehr gut. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sich die BOS Gabel nicht ohne Werkzeug verstellen lässt. Eine schnelle Verstellung während einer Runde im Park ist also nur möglich, wenn man ein Minitool mit sich führt. Ist das nicht der Fall, muss vor jeder Verstellung der Parkplatz angesteuert werden. Vor allem wenn es in die Luft geht, überzeugt das Maiden dann mit einer sehr stabilen Lage in der Luft und schafft das nötige Vertrauen beim Fahrer, um mit dem ein oder anderen Trick über die Table zu fliegen. Hier liegen unserer Meinung nach auch die absoluten Stärken des Maiden. Ein Raceeinsatz ist sicher problemlos möglich, doch das volle Potential spürt man auf sprunglastigen Strecken. Hier fühlen sich Fahrer und Bike pudelwohl, hier generiert man mit jeder Runde nicht nur mehr Geschwindigkeit, sondern vor allem auch Spaß.

Abziehen, tricksen, läuft !
Abziehen, tricksen, läuft !

Absolut keine bösen Überraschungen gibt es bis jetzt beim Rest der verbauten Komponenten. Die ZTR Laufräder verzeihen auch mal gröbere Schnitzer und bringen ausreichend Steifigkeit mit. Die Saint liefert eine gewohnt hohe Bremsleistung ab, die höchst selten den Wunsch nach mehr Bremskraft aufkommen lässt. Die im First Ride noch von uns angesprochene XT Bremse findet sich an keinem der Maiden Modelle mehr. Alternativ ist das Maiden auch mit MT Bremsen von Magura zu bekommen.

Selbst kleinste Anlieger sorgen für Druck am Kurvenausgang.
Selbst kleinste Anlieger sorgen für Druck am Kurvenausgang.

Wer nochmals eine Schippe Agilität drauf legen möchte, dem würden wir empfehlen das Maiden einmal mit 26“ Bereifung auf die Strecke zu bringen. Ist es mit 650b schon sehr verspielt, entwickelt es sich mit 26er Laufrädern zum BMX der DH Bikes. Man muss dann zwar minimale Abstriche in der Geschwindigkeit hinnehmen, der Gewinn an Spaß vor allem in Anliegern steht dem aber absolut in nichts nach.

Ob nun 650b oder „klassisch26 Zoll, das Maiden lässt einem die Wahl, denn es kann problemlos mit beiden Laufradgrößen gefahren werden. Welches Setup es auch ist, es lässt den Fahrer gierig nach Kurven werden für die man dann den ein oder anderen Sprung wegdrückt, um noch etwas mehr Geschwindigkeit in den nächsten Anlieger mitzunehmen. Gibt man dem Maiden die Sporen bedankt es sich bei seinem Fahrer mit einem sehr kontrollierbarem und vor allem stabilem Fahrverhalten.

maiden_worldcup_2016-16

Fazit:

Nach den ersten 6 Monaten im Dauertest sehen wir das Maiden als sehr agiles Downhill-Bike mit Schwerpunkt im Park und/oder Big Mountain Einsatz. Punktabzug gibt es leider bei der Wahl des Fahrwerks. Dieses Manko hat sich mit den 17er Modellen erledigt, ist aber auch immer eine Geschmacksfrage. Es gibt nicht DAS eine Fahrwerk für jeden Einsatz, wohl aber eines, welches ein sehr breites Einsatzgebiet abdeckt.

Wer sich den Rahmen als Kit kauft, erhält eine sehr gute Basis für den Custom Aufbau. Mit dem passenden Dämpfer hat das Heck des Maiden ein bombastisches Ansprechverhalten. Der bocksteife Hauptrahmen verlangt nach einem stabilen Laufradsatz. Das Maiden spielt im Park in einer Liga mit Session und Demo.

Im Oktober erfolgt der Abschluss unseres Dauertest mit umfangreichem Fazit.

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