Rocky Mountain, als einer der Pioniere gehört die Kultschmiede aus Kanada zur MTB-Geschichte wie Messner zum Mt. Everest. Lange Erfahrung bringt Gelassenheit, welche die Kanadier in die Entwicklung ihrer Produktpalette fließen lassen. Gelassen heißt in diesem Fall gemeinsam mit dem Freeride-Urgestein Wade Simmons drei Jahre Entwicklungsarbeit. Das Ergebnis ist das Altitude, welches wir in der 2015er Top-Version für einige Wochen testen konnten.

Produktvorstellung:

Üblicherweise gibt es für jedes Modell verschiedene Versionen, die sich in Rahmenmaterial und Ausstattung unterscheiden. „Einsteiger-Versionen“ sind meist aus Aluminium gefertigt, während die „Top-Versionen“ aus Carbon bestehen. Rocky Mountain geht hier einen ähnlichen Weg und bietet Aluminium und/oder Carbon Versionen des Altitude an. Alle Carbon Versionen sind mit dem gleichen Rahmen aufgebaut und unterscheiden sich lediglich in ihrer Ausstattung, was sich natürlich im Preis für die Einsteiger-Version widerspiegelt.

Eckdaten des Altitude Rahmens
Eckdaten des Altitude Rahmens

Das 790 MSL kommt mit potentem Fox Fahrwerk (36 Float Kashima RC2 vorne, Float X Kashima CTD Custom hinten), bekannter SRAM 1×11 Gruppe (X01) und XT Bremsen von Shimano. Abgerollt wird auf Stans´s ZTR Flow mit DT Swiss Competition Naben und Maxxis Minion Bereifung.

Ride9 System:

Das Ride9 System bietet drei mögliche Geometrieeinstellungen: Trail, Bergauf und Bergab, welche per Track-Flip-Drehung in der oberen Dämpferaufnahme eingestellt werden. Verstellt werden durch den Track-Flip Tretlagerhöhe, Lenk- und Sitzwinkel, während Bergauf den steilsten und Bergab den flachsten Lenkwinkel zur Verfügung stellen.

In Zahlen gesprochen bedeutet das folgendes:  In der steilsten Einstellung verfügt das Bike über einen Lenkwinkel von 68,34° und einen Sitzwinkel von 75,34°. In der flachsten Einstellung beläuft sich der Lenkwinkel auf 66,62°, der Sitzwinkel auf 73,62°, das Tretlager wandert 10,27mm in Richtung Boden.

Übersicht der Ride9 Einstellungen
Übersicht der Ride9 Einstellungen

Der Flip-Chip ist so aufgebaut, dass die Geometrieeinstellung auf leichte, mittelschwere und schwere Fahrer angepasst werden können. Dadurch ergeben sich 3 x 3 Möglichkeiten, was auch die Namensgebung Ride9 erklärt.

Erreicht wird das durch Verschieben der vorderen Dämpferanlenkung nach oben. Damit verlängert man den Hebel mit dem der Hinterbau die Federung aktiviert, was dazu führt das leichtere Fahrer mit mehr (optimalerem) Dämpferdruck agieren. Umgekehrt verkürzt man den Hebel beim Verschieben nach unten und man kann den Dämpfer mit weniger Druck optimal einstellen.

Durch Verschieben auf eine flachere Geometrie (nach vorne) wird die Anfangs- und aktive Progressionszone flacher, die Endprogression steiler. Beim Verschieben (nach hinten) auf eine steilere Geometrie wird die Progression insgesamt linearer und steiler.

Auf dem Trail:

Entwickelt wurde das Bike direkt vor der Haustür von Rocky Mountain, sprich in Kanada. Ausgelegt für dieses für Mitteleuropäer unwirkliche Gelände, dürfte das Altitude selbst im alpinen Gebirge nicht überfordert sein. Für unser Testgebiet im Mittelgebirge haben die 150mm Federweg (vorne 160mm)  jedenfalls gereicht.

Mit 85kg Testfahrergewicht inkl. Ausrüstung wählten wir die Geometrieeinstellungen bergab für mittelschwere Fahrer, schließlich kam es uns auf die Bergabperformance des Bikes an.

Bereits auf den ersten Metern konnte das Altitude seine Herkunft nicht leugnen. Es bewegt sich sehr verspielt, aber nie unruhig, auf den lokalen Trails rund um den Feldberg und führt den Fahrer schnell in Versuchung die Grenzen auszuloten. Dabei vermittelt das Bike von Beginn an ein absolut sicheres Fahrgefühl.

Bergauf: Klare Sache, mit dem Altitude können auf jeden Fall Höhenmeter vernichtet werden. Die Sitzposition ist sehr gut, allerdings nicht so integriert wie bei vergleichbaren Bikes anderer Hersteller. Hier erkennt man, dass die Reise nicht nur runter, sondern auch rauf gehen soll. Ein Kompromiss, der aber bergab zu keinen Problemen geführt hat. Die wenigen, übergebliebenen Antriebseinflüsse im Hinterbau lassen sich komfortabel mit der Fox Remote vom Cockpit aus eliminieren. Sehr steile Anstiege verlangen allerdings vom Fahrer eine zusätzliche Gewichtsverlagerung nach vorne. Der verbaute 1×11 Antrieb von SRAM erschien uns zunächst als nicht ausreichend, verrichtete seine Arbeit allerdings so gut, dass wir keine weiteren Abstufungen vermissten. Die gewählte Übersetzung von 32 vorne und 42 hinten kann als tourentauglich bezeichnet werden, wer allerdings Rennen mit dem Altitude bestreiten möchte, sollte die Übersetzung an seine Vorlieben anpassen.

Bergab: Wer oben ist, will natürlich auch wieder runter. Feldberg und Altkönig bieten für so ziemlich jedes Können passende Trails und uns genug Waldboden, um ein Fahrrad auf seine Qualitäten zu testen. 160mm Federweg kombiniert mit 650b Laufrädern sorgten dafür, dass wir die Trails auf dem Feldberg mit Spaß und ordentlich Druck in Angriff nehmen konnten. Wurzelteppiche und kleine Drops wurden vom Fox Fahrwerk klaglos geschluckt und man hatte jederzeit das Gefühl, über genügend Reserven zu verfügen. Generell zeigte sich bergab die sehr gute Harmonie des gesamten Bikes, was auch sicher auf die Einflüsse der Teamfahrer zurück zu führen ist. In unseren Augen kann das Altitude auch ohne weiteres in Bikeparks bewegt werden, sollte aber nicht zwingend über die DH Strecken geführt werden. Derart steiles und ruppiges Gelände würde das Ride9 System dann sicher an seine Grenzen bringen. Flowtrail, Freeride und heimische Waldwege können aber ohne Bedenken und mit viel Elan geräubert werden.

Einzig die gewählte Bereifung (Maxxis Minion DHR 2) konnte uns, zumindest am Vorderrad, nicht überzeugen. Bei einigen Schlüsselstellen neigte das Vorderrad leicht zum Wegrutschen.

Unserem Testfahrer liegt der Continental Trailking besser, so zogen wir diesen für weitere Tests auf und waren deutlich zufriedener. Die Wahl des Reifens ist nicht nur eine Geschmacks-, sondern auch eine Glaubensfrage geworden. Hier muss jeder Fahrer seiner Vorliebe folgen.

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Fazit:

Mit Durchzug bergauf und richtig viel Spaß bergab. Das Altitude verwöhnt mit einem breiten Einsatzbereich, agilem Ansprechverhalten und ausgeklügelter Geometrieverstellung. Die Verarbeitung sowie das Design sind sehr gut, die Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Der Vollcarbonrahmen und ein Gewicht von 12,4 kg (ohne Pedale in Größe M) runden das Paket nahezu perfekt ab.

Für uns zeigte sich am Schluss nur ein wirklicher Kritikpunkt und das ist der Preis von 6.900 Euro.

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35 Jahre alt, Redaktionelle Leitung und Webdesign. Fährt seit Jahren begeistert Mountainbike und ist überwiegend im Bereich All-Mountain und Enduro/Gravity zu finden. Cycleholix ist sein Baby und wird mit viel Herzblut und Engagement nach vorne getrieben. /// Daten, Fahrstil und Vorlieben: 1,75m Groß, 85kg (fahrfertig). Fahrstil ausgewogen, ab und an verspielt aber dennoch sicher. Vorliebe für anspruchsvollere, teils verblockte Trails und Airtime. Downhill Vorzugsweise im Bikepark, sehr gerne auch in alpinem Gelände unterwegs.

3 Kommentare

  1. Thanks for sharing picture of your mountain bike. I am also lover of bikes but i like the electric one because they don’t need more energy to operate.

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