Nachdem unser „Trailbike fürs Grobe“ mit den Laufrädern schon aussieht wie ein Fahrrad, werden wir es heute mit den Komponenten für Vortrieb und Entschleunigung ausstatten. Für beides sorgt in diesem Fall Shimano mit der kompletten SLX Gruppe.
Den Einstieg in die Welt von 1 x 12 Antrieben hat Shimano wie immer mit der XTR Gruppe zelebriert, was für unseren Aufbau aber auf Grund des Preises nicht in Frage kam. Mit dem Erscheinen der XT und SLX Gruppen nahm das Projekt dann aber doch Gestalt an. Diese zwei Gruppen sind seit jeher als die unermüdlichen Arbeitstiere im Portfolio der Japaner bekannt und damit die perfekte Addition für unser Bike.

Bevor ich das erste Mal in die Pedale treten kann, gilt es aber noch einiges zu montieren. Angefangen wird hier natürlich mit dem Innenlager. Damit es gut läuft und nicht wegen äußeren Einflüssen im Gewinde festsitzt, bekommt es ein wenig Fett vor der Montage.
Für ein gemütliches bergauf Radeln habe ich ein Kettenblatt mit 30 Zähnen gewählt, welches direkt auf der Kurbel montiert wird. Für die Montage des Kettenblattes wird ein spezielles Werkzeug benötigt, welches Shimano aber glücklicherweise beigelegt hat. Mit einem Innenlagerwerkzeug festziehen und schon ist das Kettenblatt montiert.

Die Kassette sorgt mit dem kleinsten Ritzel von 10 Zähnen und dem größten Ritzel von 51 Zähnen für eine massive Bandbreite. Damit Shimano das kleinste Ritzel mit gerade einmal 10 Zähnen realisieren konnte wurde aber ein neuer Freilauf fällig, der auf den Namen Micro Spline hört.

MicroSpline Kassette
Die Shimano SLX Kassette benötigt den neuen Micro Spline Freilauf.

Um etwas Gewicht an der Kassette zu sparen sind der Spider und das größte Ritzel aus Aluminium gefertigt. Die restlichen Ritzel sind aus Stahl. Dabei sitzen die ersten 7 Blätter festgenietet auf einem Aluminiumspider. Die restlichen Ritzel werden wie von Shimano gewohnt nacheinander auf den Freilauf gesteckt. Für einen geschmeidigen Schaltvorgang, auch unter Last, soll das Hyperglide+ genannte System sorgen. Unter Last zu Schalten habe ich mir zwar vor Jahren abgewöhnt, aber so eine Aussage will natürlich überprüft werden.

Mit I-Spec EV hat Shimano auch direkt einen neuen Standard für die Aufnahme von Bremse und Schaltung eingeführt. Im Verlauf der letzten Jahre wurden wir durchaus ein wenig skeptisch wenn es um neue Standards ging. So war I-Spec ll z.B. nicht von langer Dauer. Nach näherer Betrachtung des I-Spec EV weint man I-Spec ll aber nicht mehr hinterher. So ist es nun nämlich möglich die Schaltung oder Sattelstütze direkt am Bremsgriff zu montieren. Aufgeräumtes Cockpit hier komme ich!

Shimano I-Spec EV
Dank I-Spec EV ist nur noch eine Schelle für Bremse und Schaltung nötig.

Wie beschrieben wird der neue SLX Schaltgriff ganz simpel per I-Spec EV an dem Bremsgriff montiert und danach auf die gewünschte Position am Lenker eingestellt. Weiterhin ist die gewohnte, verzögerungsfreie Funktion mit Hilfe des „2-Way Release“ an Bord. Für die ganz eiligen Schaltvorgänge ist es möglich mit einem Druck auf dem Schalthebel bis zu drei Gänge auf einmal in einen leichteren Gang zu schalten. Damit das auch problemlos funktioniert sind beide Schaltgriffe, für Hoch- und Runterschalten, für einen besseren Halt mit einer geriffelten Oberfläche versehen.

Shimano SLX Trigger
Gerippte Flächen für besten Grip.

Das Schaltwerk glänzt farblich mit Understatement, was aber sehr schön anzuschauen ist. Dank größeren Schaltröllchen soll ein geräuscharmer Betrieb ermöglicht werden. Seit der Einführung von Einfachantrieben wollte ich nie wieder auf einen Umwerfer wechseln, da mich die einfache Schaltlogik und große Übersetzungsbandbreite völlig überzeugt haben. Im Falle der großen Kassette (10-51) wird bei Shimano das lange Schaltwerk M7100 SGS benötigt.
Wer noch mehr Bandbreite möchte und absolut nicht auf einen Umwerfer verzichten kann, muss zum M7120 SGS Schaltwerk greifen, welches für einen 2×12 Antrieb genutzt wird. In dieser Version muss aber darauf geachtet werden das man lediglich die 10-45 Kassette montieren kann.

Shimano SLX Schaltwerk 2020

Gleichzeitig gibt’s ein Update für den Reibungsdämpfer in Form des Shadow RD+ Systems, welches Kettenschlagen und ultimativ den Kettenabwurf während einem rauen Ritt verhindern soll.

Mit der Neuauflage der Shimano SLX Bremsen hat sich einiges getan. So steht der Kunde vor dem Erwerb zunächst vor der Frage ob er mit zwei Kolben pro Bremssattel oder doch lieber mit vier Kolben Bremsen möchte. Dabei zielt die zwei Kolben Version eher auf den Cross Country und Trailbike Bereich ab und die vier Kolben Version auf die gravitylastigen Spielarten unseres Sports.

Shimano SLX Bremse 2020
Für unseren Aufbau war sofort klar, dass wir die 4-Kolben Version der SLX testen wollen!

Für mich war von Anfang an klar, dass für das Stumpjumper EVO nur eine vier Kolben Bremse in Frage kommt, weil Bremskraft nur durch noch mehr Bremskraft zu ersetzen ist. Um dieser Aussage Nachdruck zu verleihen, wird an der Gabel eine Bremsscheibe mit 203 mm Durchmesser verbaut und am Hinterrad eine Scheibe mit 180 mm.
Als leichter Fahrer mit ca. 70 kg (fahrfertig) benötige ich zwar nicht zwangsweise so viel Bremskraft, ich bevorzuge aber Bremskraft über Modulation. Mit mehr Bremskraft kann ich zusätzlich entspannter in lange Abfahrten starten, weil meine Hände später ermüden.

Für eine leichte und schnelle Anpassung an die Griffgewohnheiten des Fahrers sind die Hebel der SLX Bremse mit einer werkzeuglosen Verstellung versehen. Ein alter bekannter ist die Servo Wave Technologie, die für einen kurzen Leerweg und raschen Kontakt der Beläge an der Bremsscheibe sorgen. Durch diese Technologie können die Bremsbeläge der SLX Bremse ein wenig weiter von der Bremsscheibe stehen, was lästigem Schleifen während der Fahrt entgegenwirkt. Die Bremsbeläge der Shimano SLX Bremse haben für ein besseres Hitzemanagement zusätzliche Kühlrippen erhalten, wie es schon die großen Brüder XTR und XT vorgemacht haben.

Shimano SLX 4 Kolben Bremse
Werkzeuglose Griffweitenverstellung.

Passend zu den Kühlrippen an den Bremsbelägen wurden die Shimano RT 86 Bremsscheiben mit Ice-Tec Technologie besorgt, die zusätzlich für ein besseres Hitzemanagement sorgen sollen.

Shimano Bremsscheibe RT86
Bei der Bremsscheibenaufnahme haben wir uns auf Grund der Naben für 6-Loch entschieden.

Um die Wärme schneller abzuleiten nutzt Shimano hier eine Sandwichbauweise aus zwei Reibringen aus Stahl und einem Kern aus sehr gut wärmeleitendem Aluminium.

Shimano RT86 Ice-tec
Die Sandwichbauweise soll für ein besseres Hitzemanagement sorgen.

Zum Verlegen der Hinterradbremse lässt es sich leider nicht vermeiden die Bremsleitung zu öffnen, da das Specialized Stumpjumper EVO über eine interne Zugführung verfügt. Für genau solche Fälle hat Shimano ein recht simples Entlüftungsverfahren entwickelt, nämlich die „ein Weg Entlüftung“. Will man das gesamte System entlüften setzt man dazu eine Spritze gefüllt mit Mineralöl an den Bremssattel an und einen Trichter auf den Bremsgriff. Danach wird die Entlüftungsschraube am Sattel gelöst und das Öl durch den Sattel zum Bremsgriff gedrückt. Ist der Trichter gefüllt, kann man die Entlüftungsschraube wieder schließen, die Spritze entfernen und den Griff entlüften. Dazu betätigt man mehrere Male den Hebel und bewegt dabei den Bremsgriff mehrfach hoch und runter, um Luftblasen so lange aus dem Ausgleichbehälter zu lockern, bis keine Luftblasen mehr dabei aufsteigen.

Specialized Stumpjumper EVO
Das Specialized Stumpjumper EVO in seiner vollen Pracht.

Damit ist unser Trailbike fürs Grobe endlich komplett aufgebaut und bereit für die ersten Ausfahrten. Damit möchten wir uns noch einmal bei allen Herstellern bedanken, die dieses Projekt möglich gemacht haben.
Zum Abschluss gibt es natürlich noch die Gewichtstabelle. Der Fahrbericht des Specialized Stumpjumper EVO und der Einzelkomponenten folgt dann in der warmen Jahreszeit.

Bauteil Gewicht in Gramm
Rahmen Specialized Stumpjumper EVO, Größe „S2“, inkl. Achse 3.100
Steuersatz FSA 62
Bashguard inklusive Befestigungsschrauben 41
Dämpfer Marzocchi Bomber CR, 210 x 50 753
Gabel Marzocchi Z1 (150 mm) 29″, 44 mm Offset, inkl. Achse 2.214
Lenker Joystick 8-Bit 272
Vorbau Joystick Binary 127
Vorbauschraube 7
Aheadkappe 3
Spacer 11
Griffe Sensus Lite 89
Sattel Specialized Phenom Comp, 143 mm 265
Sattelstütze X-Fusion Manic, 150 mm, 34,9 mm 690
Laufräder e*thirteen LG1+ Enduro Vorderrad 893
e*thirteen LG1+ Enduro Hinterrad 1.001
Reifen e*thirteen LG1 MoPo All-Terrain 29×2,4 1.230
e*thirteen LG1 Race  SemiSlick 29×2,35 988
e*thirteen Tire Plasma Tubeless Milch 300
Innenlager Shimano XT 79
Trigger Shimano SLX M7100 129
Schaltwerk Shimano SLX M7100 SGS (12-fach) 309
Kassette Shimano SLX M7100 (10-51) 525
Kette Shimano 258
Kurbel Shimano SLX M7100 (170 mm) 512
Kettenblatt Shimano, 30 Zähne 124
Bremse Shimano SLX M7100 (4 Kolben), Vorderrad 292
Shimano SLX M7100 (4 Kolben), Hinterrad 305
Bremsscheiben Shimano SLX (SM-RT86, 203 mm), 6 Loch 143
Shimano SLX (SM-RT86, 180 mm), 6 Loch 180
Gesamt 14.902

 

Das Gesamtgewicht (gewogen) beläuft sich im zusammengebauten Zustand auf 15,35 kg. Zughüllen, Montagefett usw. sind nicht in die Berechnung eingeflossen.


Text & Bilder: Thomas Kappel
Redaktion: Robin Krings
weitere Informationen: Specialized, Shimano, e*thirteen, Joystick, Marzocchi, X-Fusion

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