Propain Rage, Schmerz und Wut! Eine Namensgebung für ein Downhillbike, welche sicher alles andere als alltäglich ist. Schmerzen verursachte es durchaus, als es unseren Testfahrer abwarf und ihm so eine Auszeit von 2 Monaten beschert hat. Und wenn man mitten in der Saison nicht fahren kann, dann erzeugt das ganz sicher auch in gewissem Maße Wut. Steht das Propain Rage also deswegen unter einem schlechten Omen? Ganz sicher nicht, wie unser Abschlussfazit des Dauertestkandidaten beweist.

Flugstunden mit dem Rage wurden immer gerne gebucht
Flugstunden mit dem Rage wurden immer gerne gebucht

Das Rage ist ein Downhillbike, welches wie auch unser anderer Kandidat mit einer ausgewogenen Geometrie entwickelt wurde. Allerdings geht der Lenkwinkel mit 62,7° mehr in Richtung Race. Wem das nicht zusagt, der hat die Option den Lenkwinkel auf 63,2° zu ändern, denn die Geometrie des Rage lässt sich leicht anpassen. Propain ist also in der Lage mit dem Rage eine breite Gruppe an Fahrern anzusprechen und punktet zusätzlich mit einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis von 3.460 Euro für unseren Testkandidaten in der Free Variante. Beim Hinterbau kommt ein anderes Konzept zum Einsatz als bei Alutech. Der Pro 10 Hinterbau ist zwar ebenfalls ein Viergelenker, allerdings ist der Dämpfer hier schwimmend gelagert im Rahmen verbaut und bekommt Kompression von beiden Seiten. Das Ergebnis ist ein hochsensibles Ansprechen des Hinterbaus mit nahezu linearer Kennlinie und passender Progression zum Ende hin. Ein Nachteil dieses Konzeptes ist, dass der verbaute Cane Creek Double Barrel Coil fummelig einzustellen ist. Das bekannte Tool von Cane Creek kann man direkt in der Werkzeugkiste lassen, denn im eingebauten Zustand ist es nahezu unmöglich damit an den Dämpfer zu gelangen. Eine simple Lösung schafft hier die Verwendung einer Ratsche mit Gelenk vor der verwendeten Nuss. Zack, Problem gelöst, der Dämpfer lässt sich im Nu verstellen. Belohnt wird diese, nur auf den ersten Blick fummelige Einstellung, mit einem Hinterbau, der in unseren Augen aktuell mit zu den besten auf dem Markt zählt. Das Feedback, welches der Fahrer vom Rage erhält ist jederzeit spürbar und lässt den Fahrer zu keinem Moment darüber im unklaren was gerade unter ihm passiert.

Das Heck des Rage verleitet zum spielen
Das Heck des Rage verleitet zum spielen

Was allerdings die Rückmeldung und vor allem Spurtreue des Rage trübt, sind die serienmäßig aufgezogenen Onza Ibex DH. Wie auch bei unserem anderen Dauertester wichen die Reifen nach kürzester Zeit mangels Seitenhalt einer anderen Bereifung. Die für den Rest der Saison verwendeten Maxxis Minion DH verbesserten das Handling des Rage spürbar. An dieser Stelle zitieren wir gerne unseren Testfahrer Darwin:

„Du gehst mit dem Rage und ordentlich Druck in die Anlieger, musst dir zu keiner Zeit Gedanken um deine Linie machen, knallst aus dem Anlieger raus, nimmst den kommenden Double in Angriff, ziehst ab und freust dich über eine sehr stabile, berechenbare Fluglage des Rage.“

Das Rage liegt stabil und gut ausbalanciert in der Luft
Das Rage liegt stabil und gut ausbalanciert in der Luft

Mit zunehmender Geschwindigkeit hat man somit am meisten Spaß mit dem Bike. Zu langsame Kurvengeschwindigkeiten quittiert es auch mal mit einer etwas unruhigen Front. Hier kann allerdings mit einer Veränderung des Lenkwinkels Abhilfe geschaffen werden. Bei hohen Geschwindigkeiten bleibt es erfreulich ruhig und stabil, was auf die Racegene zurück zu führen ist. Umso erfreulicher war für uns, dass man das Rage trotzdem auch sehr verspielt durch den Park bewegen kann und gerne mal den ein oder anderen Trick mehr ausprobiert, weil es eben so schön einfach klappt. Die bereits angesprochene Geometrie macht hier den kleinen aber feinen Unterschied, denn Propain erfindet das Rad nicht neu, sondern setzt bekanntes gekonnt mit eigener Note um.

Ein Quell der Freude, der auf 650b optimierte Hinterbau des Rage
Ein Quell der Freude, der auf 650b optimierte Hinterbau des Rage

Die Wartung und Reinigung des Rage verläuft bis auf die oben schon angesprochene Position des Dämpfers ebenfalls völlig problemlos. Wer hier gründlich reinigen und eventuell etwas nachfetten möchte, muss den Dämpfer ausbauen. Zeiteinsatz dafür ca. 5 Minuten. Davon abgesehen gibt es keine versteckten Schlammfallen, ergo auch keine Probleme mit bösen Überraschungen, wenn man das Bike am Ende der Saison zerlegt und gründlich überholt. Die außen verlegten Züge mögen optisch nicht die beste Wahl sein, erleichtern aber einen Wechsel der Leitungen bzw. Züge im Fall eines Defektes. Die von Propain verwendeten Lager zeigten sich bis zum Ende der Saison ebenfalls unbeeindruckt von sämtlichen Eskapaden und wir konnten keinerlei Spiel am Hinterbau feststellen. Neu fetten, wieder zusammensetzen und auf die nächste Saison freuen. Ein schöner Bonus ist die Tatsache das sich das Rage ausgesprochen ruhig bewegen lässt, und zwar was das Verursachen von Geklapper am Bike angeht. Hier punktet das Rage mit flüsterleisem Betrieb, was zwar keinerlei Einfluss auf das Fahrverhalten hat, aber einfach angenehm und für uns kein unwichtiger Punkt ist.

Klingt ja alles nach Friede, Freude, Eierkuchen? Leider nicht ganz, denn auch beim Rage machte uns zu Beginn die verbaute Dorado Pro einen Strich durch die Rechnung und verlor aufgrund defekter Dichtungen Öl. Schnelle Abhilfe wurde hier seitens Manitou/Hayes Deutschland mit einem Service geschaffen. Anschließend verrichtete die Dorado ihre Arbeit tadellos bis zum Ende des Testverlaufs. Ebenfalls zum Service aufgrund eines Ölverlustes musste der Double Barrel Coil. Davon abgesehen zeigte sich der Rest der Komponenten bekannt standfest. Der Shimano Saint Antrieb ist sicher nicht der leichteste, aber dafür einer der zuverlässigsten im DH Bereich. Gleiches gilt natürlich auch für die Saint Bremse aus demselben Hause. Die Pulverung des Rahmens macht einen haltbaren Eindruck und zeigt nach einem dreiviertel Jahr der konsequenten Nutzung nur leichte Gebrauchsspuren. Ein weiterer Vorteil bei Propain war und ist, das die Decals gleichzeitig als Rahmenschutzfolie fungieren und auf stärkerem Material gedruckt wurden. Einzig die Propain Reeno Laufräder konnten uns nicht komplett überzeugen, da hier häufigeres Kontrollieren und Nachbessern der Speichenspannung nötig war. Davon abgesehen zeigte sich der Laufradsatz als schier unverwüstlich, bringt aber auch ordentlich Gewicht auf die Waage. Hier bietet Propain aber wie auch bei anderen Modellen Alternativen in der Konfiguration an.

Hier noch mit der Serienmässigen Bereifung zu sehen.
Hier noch mit der Serienmässigen Bereifung zu sehen.

Fazit:

Abgesehen von kleinen Abzügen bezüglich der Laufräder und der serienmäßigen Bereifung haben wir keine wirklichen Kritikpunkte gefunden. Da Reifen seit jeher eine Glaubensfrage sind, würden wir diesen Punkt sogar vernachlässigen, denn man trifft mit keinem Reifen den Geschmack aller Fahrer. Es wundert uns nun auch weniger, warum das Rage eines der Bikes ist, welches man wirklich oft in Parks antreffen kann. Das Rahmenkonzept ist absolut gelungen und die aufwendigere Einstellung des Hinterbaus wird mehr als gut belohnt. In Kombination mit einem sehr günstigen Preis von 3.460 Euro ergibt sich hier eine Mischung, die vielen Fahrern ein mehr als ausreichendes Gesamtpaket liefert. Das Ganze dann bitte zur nächsten Eurobike auch in Carbon.

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