Onza hatte vor einiger Zeit den klassischen Porcupine neu aufgelegt. Dieser war als klassischer Allroundreifen ausgelegt. Nun gibt’s die Stachelschweinstachel in neuer Form für den Einsatz in rauen Bedingungen. Der Namenszusatz RC steht für „Rough Conditions“. Ich habe eine Saison auf dem Porcupine RC verbracht. Durch Trocken und Nass habe ich den Reifen im Enduro Einsatz durch die Berge gescheucht und ziehe nun ein Resumée.

Porcupine RC von Onza
Der Skinwall Reifen fürs Grobe – Selbstverständlich Tubeless Ready.

Die technischen Spezifikationen

Onza beschreibt den Porcupine RC als den aggressivsten Reifen, den die Schweizer je entwickelt haben. Laut Onza soll der Porcupine RC sich insbesondere auf loamy Trails und im Matsch wohlfühlen. Also überall da, wo es richtig zur Sache geht. Mit Blick auf das Konzept des RC könnte diese Prognose aufgehen.

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Der Onza Porcupine RC kommt lediglich in 29“ und 2,5“ Breite. Darüber hinaus wird der Porcupine RC nur in einer Gummimischung und mit einer Karkasse angeboten. Das grenzt die Auswahlmöglichkeiten deutlich ein. Meiner Meinung nach hat Onza beim Procupine RC die Auswahlmöglichkeiten aber auf ein sinnvolles Minimum reduziert. Die Größe, Breite und die extra verstärkte Karkasse passen gut zum Einsatzgebiet eines modernen Enduros, und das vor allem, wenn es draußen nass wird.

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Für Nässe und für den Weg bergab gedacht – Das Versprechen hält der Porcupine RC.

Die Gummimischung „Soft Compound 50“ lässt insbesondere durch die etwas weicheren Außenstollen (45a Härte) guten Grip in weichen Kurven erwarten, wobei Onza mit etwas härteren Stollen in der Reifenmitte (50a Härte) versucht den Rollwiderstand gering zu halten.

Die „GRC“ Karkasse sorgt mit doppellagiger Verstärkung („2-Ply Reinforcement“) der gesamten Rollfläche und einer zusätzlichen Verstärkung der Kevlarreifenwülste  („Beads“) für ordentliche Sicherheit gegen Durchschläge. Das hochwertige Nylongewege mit 120 TPI („Threats Per Inch“ – Randnotiz: je höher der TPI Wert desto feiner das Nylongelege) hält das Gewicht des Reifen auf einem vertretbaren Niveau. Laut Homepage soll der Reifen 1.200 Gramm wiegen. Meine Küchenwaage zeigt mit 1.165 Gramm ein bisschen weniger an.

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Entscheiden muss man sich als Kunde nur zwischen der Skinwall-Version mit hellen Flanken und der klassischen schwarzen Variante. Hier gehen die Geschmäcker stets auseinander. An meinem roten Bike hätte ich persönlich die schwarze Variante bevorzugt, um etwas mehr „Ruhe“ ins Gesamtbild des Bikes zu bekommen. Nichtsdestotrotz ist der Procupine RC wohl der aggresivste Skinwall Reifen auf dem Markt.

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Das Profil ist nicht mehr ganz so rund, aber nicht minder aggressiv.

Der Name des Reifen ist auf jeden Fall Programm. Die Stollen sind zwar nicht mehr ganz so Rund und Spitz zulaufend wie die Stollen des Ur-Porcupines‘, erinnern dank ihrer Länge aber immer noch an ein Stachelschwein. Des Weiteren lässt der groß dimensionierte Abstand zwischen den Stollen auf gute Freilaufeigenschaften hoffen.

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Das Stachelschwein ist seit den 90iger Jahren in den Mountainbike Szene bekannt.

Ich hatte den Reifen jetzt über das gesamte Jahr sowohl am Vorderrad als auch am Hinterrad montiert und bin den Reifen damit sowohl in den klassischen feuchten Jahreszeiten als auch in den wenigen trockenen Wochen dieses Sommers gefahren. Ohne das Fazit vorweg nehmen zu wollen, aber Onza hat bei der Beschreibung des Reifen nicht zu viel versprochen und den Einsatzberiech des Reifen sehr gut gegen den Rest der Produktpalette abgegrenzt.

Onza Porcupine RC – Die Fahreindrücke

Auf dem Weg über Asphalt oder Forststraße merkt man den Rollwiderstand der weichen Gummimischung. Obwohl Onza mit den härteren Mittelstollen versucht für bessere Laufeigenschaften zu sorgen, wird mir sehr schnell klar, dass ich die nächste Zeit mit etwas mehr Belastung auf den Beinen rechnen kann. Das gleiche Bild zeigt sich mir dann auch bei dem ersten Beschleunigungstest. Etwas träge kommt der 1.165 Gramm schwere Reifen daher, passt aber genau in das Konzept meines Bikes. Mein Raaw Madonna ist mit der aktuell montierten Fox 38 und dem Fox DHX2 Coil eher für den durch Erdanziehungskraft beschleunigten Weg nach unten ausgelegt, als für den leichtfüßigen Traileinsatz. Also bin ich nicht über die Kraftverluste auf den ersten Meter enttäuscht, sondern freue mich über das Plus an Sicherheit und Grip.

Porcupine RC in seinem Element.
Bei schlechtem Wetter fühlt sich das Stachschwein wohl.

Solange der Porcupine RC einen genügend weichen Boden vorfindet, um seine Stollen einzugraben, bin ich mit dem Kurvenverhalten des Reifen super zufrieden. Mir machen Off-Camber Kurven in frischem Waldboden ohnehin am meisten Spaß. Mit dem äußeren Knie am Oberrohr, ordentlich Druck auf den Außenstollen geben und bei offener Bremse noch Geschwindigkeit aufbauen ist einfach ein geiles Gefühl. Hier ist der Onza Procupine RC genau der richtige Begleiter. Bei gleichen Bedingungen sorgt der Reifen auch für ordentliche Übertragung der Bremskraft und somit für eine rundes Sicherheitsgefühl, das zum Schnellfahren auch bei schlechten Witterungsverhältnissen einlädt.

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Obwohl es kein Flughörnchen sondern ein Stachelschwein ist, kann man mit dem Porcupine RC auch Flugstunden sammeln.

Wird der Boden härter und die langen Stollen des Reifen finden nichts in das sie sich verbeißen können, dann wird es mit dem Grip mager und der Reifen verliert schnell und ohne Vorankündigung den Halt. Auch das Verhalten überrascht kein Stück, da der Reifen nicht für Hardpack ausgeschrieben ist. Hier gehen die guten Freilaufeigenschaften durch die großen Zwischenräume auf Kosten von zusätzlichen Stollen, die auf Hardpack für Halt sorgen würden. In der Konsequenz musste ich bei feuchten Steinplatten und Wurzeln ein wenig mehr aufpassen.

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Die Reifen haben mehrere Monate herhalten müssen und das hat der weichen Gummimischung selbstverständlich gut zugesetzt. Insbesondere am Hinterrad hat der Reifen ordentlich Profil gelassen. Das Vorderrad hat auch nicht über die Maßen an Stollentiefe verloren. Alle Stollen sind zwar ein wenig ausgefressen sind aber an Ihrem angestammten Platz geblieben. Ich kann von keinen ausgerissenen Stollen berichten. Mit diesem Problem haben bekanntlich andere Reifenhersteller zu kämpfen, bei Onza wurde ich davon aber verschont.

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Matschige Off-Camber Kurven machen mit dem Porcupine RC am meisten Spaß.

Der Durchschlagschutz durch die zweilagige Verstärkung der Lauffläche und die Verstärkung der Reifenwülste überzeugt. Ich bin über die gesamte Saison zwei Sätze Onza Porcupine RC gefahren und hatte nur im wirklich steilen und steinigen Caroux-Gebirge im Süden Frankreichs einen Durchschlag am Hinterrad, welcher sich mit einer MaXalami leicht hat flicken lassen. Normalerweise habe ich mehr Probleme mit kaputten Reifen.

Fazit

Mit dem Porcupine RC hat Onza einen wirklich guten Schlechtwetterreifen ins Programm aufgenommen, der die weißen Flecken im Produktportfolio adäquat auffüllt. Den versprochenen Grip bei schlechten Bedingungen und die widerstandsfähige Karkasse kann ich nach einem langen regnerischen Jahr im Sattel absolut bestätigen. Dabei verspricht Onza nicht mehr und nicht weniger als das, was ich im Testzeitraum „erfahren“ konnte. Wer also einen neuen Reifen für harte Einsätze in der regnerischen Jahreszeit sucht und insbesondere auf Skinwall Design steht, kann sich den Porcupine RC ohne Bedenken für 69,90 € (UVP) in den Warenkorb legen. Wer einen Reifen sucht, der weniger auf schlechtes Wetter spezialisiert ist, könnte jedoch auf den Namenszusatz „RC“ verzichten und auf den regulären Porcupine zurückgreifen.


Text: Moritz Wester
Fotos: Moritz Wester & Philipp Kargel

mehr Infos: www.onza-tires.com

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