Indoor Training mit dem Wahoo Kickr V5. Spätestens mit dem zweiten Lockdown dürfte das Thema Indoor Training für viele, die regelmäßig Sport treiben, einen neuen Stellenwert erreicht haben. Für Radfahrer ergab sich da früher nur das leidige Fahren auf der Rolle. Dann kamen die Smart Trainer, welche das triste Training deutlich abwechslungsreicher gestalten wollten. Einer dieser Trainer, den es mittlerweile in der 5. Version gibt, ist der Wahoo Kickr V5. Was er kann, was neu ist und wie sich das Ganze anfühlt, klärt unser Test. Dazu ist unser Test aber auch eine Art Selbsterfahrung, denn Indoor Training war bisher nicht die Stärke des Autors

wahoo kickr v5
Crank it up!

Wahoo Kickr V5 – Übersicht

Was bedeutet eigentlich Smart Trainer ? Einfach ausgedrückt ein Gerät, welches mittels gewisser Protokolle mit eurem Laptop, Tablet oder Handy kommuniziert. Auch mit mehreren gleichzeitig bei Bedarf. Diese Kommunikation funktioniert in beide Richtungen, also kann euer Smart Trainer auch von einer bestimmten Software gesteuert werden. Schöne neue Welt des interaktiven Sports. Was vor ein paar Jahren noch teuren Fitnessstudios vorbehalten war, hält jetzt immer mehr Einzug in das heimische Wohnzimmer, den Keller, oder wo auch immer gerade Platz ist. Platz ist bereits das erste Stichwort für den Wahoo Kickr V5, denn dieser ist durchaus als klein und handlich zu bezeichnen. Zumindest wenn man das Gewicht von zarten 21 kg mal außen vor lässt. Er hat also schnell Platz in jeder kleinen Ecke gefunden, wenn man ihn nicht benötigt. Das ist besonders dann praktisch, wenn man sich das Wohnzimmer mit anderen Menschen teilt.

Die angesprochene Kommunikation läuft wie gesagt über gewisse Protokolle. Im Fall des Wahoo Kickr V5 sind das Bluetooth und ANT+. Bluetooth dürfte so ziemlich jedem Menschen bekannt sein, der die letzten 10 Jahre nicht in einer Höhle verbracht hat. ANT+ ist primär bei Sportgeräten vorzufinden. 

wahoo kickr v5
Optische Bereitschaftsanzeige

Optional kann der Wahoo Kickr V5 über ein zusätzliches Modul mit dem heimischen Netzwerk per TCP/IP verbunden werden. Das kann vor allem dann Sinn machen, wenn man den Kickr in einem Gebäude mit vielen Wohneinheiten nutzt und sich Bluetooth und/oder ANT+ Signale überlagern bzw. stören.

Im Vergleich zur 4. Version haben sich vor allem die Standfüße geändert und der Geräuschpegel im Betrieb wurde weiter gesenkt. Wer klassische Rollentrainer kennt, wird den Geräuschpegel des Kickr lieben, denn er ist schon fast als lautlos zu bezeichnen. Realisiert wird das über einen elektromagnetischen Widerstand am Schwungrad. Die eigentliche Geräuschquelle kommt von der Kassette und der Kette. Der maximale Widerstand durch diese Art der Bremse beträgt 2.200 Watt. Ein Wert, den wohl die allerwenigsten Menschen jemals erreichen werden.

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Die AXIS getauften Standfüße sind neu an der V5.

Die neuen Standfüße, welche auf den Namen AXIS hören, sind Elastomere die eine bessere Dämpfung des Kickr gewährleisten sollen. Zusätzlich können sie je nach Wahl der Härte das Fahren im Freien imitieren, da sie seitliche Flexibilität ermöglichen. 

Womit wir beim nächsten Unterschied zur klassischen Rolle sind. Wie bei vielen anderen Smart Trainern, wird beim Wahoo Kickr V5 das Fahrrad direkt in den Trainer gespannt. Das Hinterrad wird also komplett ausgebaut und dann mit dem Kickr verbunden. Das passiert wahlweise über den klassischen Schnellspanner oder eine Steckachse. Je nachdem welches System das eigene Rad verwendet. Im Lieferumfang befindet sich beides und so ist der Kickr mit vielen Fahrrädern kompatibel.

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Verschieden Adapter, welche im Lieferumfang enthalten sind, sorgen für Kompatibilität.

Regulär ist eine 11-fach Kassette vormontiert. Bei Bedarf lässt sich aber auch eine 12-fach MTB Kassette verbauen. Der Umbau ist schnell möglich und sollte auch Menschen mit weniger ausgeprägten Schrauberfähigkeiten noch gut von der Hand gehen.

Wahoo Kickr V5 – in der Praxis

Ich bin ehrlich, ich konnte dem Training auf der Rolle nie etwas abgewinnen. Maximal 30 Minuten habe ich es ausgehalten und dann meist vor Langeweile abgebrochen. Auch das gleichzeitige Streamen einer Serie oder eines Films führte nicht zum Erfolg. Ich bin dann also im Winter weiterhin auch beim letzten Wetter irgendwie noch auf dem Rad gewesen. Was unter anderem dazu führt, dass Vor- und Nachbereitung durchaus zusätzlich Zeit in Anspruch nehmen. Also nichts für die schnelle Runde.

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Das Setup steht schnell und Wasser ist essentiell ;)

Auf der anderen Seite bin ich aber auch ein kleiner Nerd, der auf technische Spielsachen steht. Also hatte der Wahoo Kickr V5 schnell meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 

Aufgebaut ist der Kickr in ca. 5 Minuten. Man klappt die beiden Standbeine aus, spannt das Fahrrad ein und versorgt den Kickr mit Strom. Das war es auch schon und man kann sich an die Verbindung seiner bevorzugten Geräte und die Auswahl der Software machen. 

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Spin to Win!

Vor allem auf Seiten der Software gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten. Das mittlerweile zu Wahoo gehörende Sufferfest ist eine sehr professionelle, stark auf das Training fokussierte App. Rouvy punktet mit echten Landschaftsaufnahmen und Zwift befindet sich in der Mitte. Das wären zumindest die drei wichtigsten bzw. bekanntesten Lösungen.

Da vor allem durch Corona aktuell viel Bewegung im Segment Indoor Sport ist, kann es durchaus sein, dass in naher Zukunft weitere Vertreter dazustoßen. Denn abgesehen von der Tatsache, dass man im Wohnzimmer in der Regel nicht mit Schneegestöber zu kämpfen hat, ist man auch gesundheitlich auf einer sehr sicheren Seite unterwegs. Zumindest was den Kontakt mit Viren angeht. 

Den Großteil meiner Erfahrungen ziehe ich aus der Nutzung mit Zwift. Diese Nutzung gestaltet sich auch sehr intuitiv und einfach. Sofern man noch keinen Zwift Account besitzt, muss man sich vor der ersten Nutzung einen erstellen. Die ersten 7 Tage ist Zwift vollständig kostenlos nutzbar, danach werden 14,99 Euro im Monat fällig. Nutzen kann man die App am Laptop, auf einem Tablett und/oder Smartphone. So kann das Training auch tatsächlich im Wohnzimmer auf dem TV statt finden.

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Die Übersicht einer Zwift Runde inklusive verbrauchter Pizza-Stücke.

Die Kopplung mit Zwift funktioniert ebenfalls schnell und unkompliziert. Man wählt zwischen einem der beiden Protokolle (Bluetooth oder ANT+) und Zwift findet die zur Verfügung stehenden Geräte in der Regel zeitnah. Da Trittfrequenzsensoren im Kickr integriert sind, deckt man mit einem Gerät alle Funktionen bis auf die Herzfrequenz ab. Für eben jene würde ich einen beliebigen Brustgurt empfehlen. Bei Uhren habe ich je nach Modell Probleme bei der Übertragung gehabt. 

Eine Apple Watch möchte die Daten grundsätzlich nicht Live mit Zwift teilen. Es gibt zwar eine Beta Lösung, aber auch diese ist noch wirklich sehr Beta. Die Wahoo eigene Rival funktioniert wunderbar im Wahoo Kosmos, möchten die Daten aber irgendwie auch nicht direkt mit Zwift teilen. Ein Brustgurt sendete völlig problemlos und wurde auch direkt erkannt.

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Die Wahoo Rival kann wunderbar zur Aufzeichnung genutzt werden, mag aber die Herzfrequenz nicht direkt mit Zwift teilen.

Wer also direkt alle Daten in Zwift angezeigt haben möchte, dem sei ein Gurt wärmstens empfohlen. Hat man diese Ersteinrichtung hinter sich, kann es direkt losgehen. Grundsätzlich hat man bei Zwift die Wahl aus mehreren Städten an drei verschiedenen Orten. Watopia, was vielen sicher bekannt ist, stellt die meisten Strecken. Man kann sich nun entweder eine Strecke mit passendem Profil aus Distanz und Höhenmetern suchen, oder freies Fahren wählen.

Oder man geht das Thema direkt ernsthafter an und wählt aus einem der diversen Trainingspläne den für sich passenden. Die Pläne sind alle im Abo integriert und müssen nicht extra bezahlt werden. Die Intensität der Pläne reicht dabei von „ich möchte keine Couchpotato mehr sein“ bis „Olympia ist auch eher was für Anfänger“.

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Zu sehen gibt es eigentlich immer etwas in der Zwift Welt.

Um sich nicht völlig selbst zu überschätzen sollte man als ambitionierter Anfänger durchaus den Ramp Test in Anspruch nehmen. Dieser ermittelt die maximal mögliche Belastung in Watt und kalkuliert daraus resultierend die 5 Belastungszonen für ein effektives Training. Dieser Test ist nicht ohne, denn nach einer Aufwärmphase von 5 Minuten wird beginnend bei 120 Watt jede Minute die Wattzahl nach oben gefahren. Und zwar so lange, bis man sprichwörtlich vom Fahrrad fällt. Ich persönlich habe bei 380 Watt meinen Endgegner gefunden. Gezählt wird die letzte Intensität, die man über eine Minute halten kann. Der Ramp Test sollte zwingend im Sitzen absolviert werden, um die Werte nicht zu verfälschen.

Hat man diesen Test absolviert, kann Zwift das Training besser auf den Fahrer anpassen. Die Leistungszonen können übrigens auch in jede andere Software übernommen werden, falls diese keinen Test anbietet. 

Welchen Weg man auch wählt, ist das eigentliche Fahren durchaus als abwechslungsreich zu bezeichnen. Der Wahoo Kickr V5 simuliert Anstiege bis 20 Prozent und Gefälle bis 10 Prozent. Das funktioniert stufenlos und ist sehr realitätsnah. Je nach Streckenprofil kann sich so eine vermeintlich lockere Runde schnell in ein kleines Intervalltraining verwandeln. Das Zauberwort für diese Steuerung nennt sich ERG-Modus, wodurch einfach gesagt die Software die Steuerung der elektromagnetischen Bremse übernimmt und so Steigungen simuliert. 

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Trinken, ein wichtiger Faktor bei strammen Strecken.

Vor allem kann man damit aber effektiv an seiner Performance bergauf arbeiten. Wer nämlich mal mehrere Kilometer bei 8 % Steigung absolviert hat, der lernt Dinge wie den runden Tritt, gleichbleibende Trittfrequenz und Schaltvorgänge völlig neu zu schätzen. Denn für all diese Dinge habe ich persönlich ein völlig neues Gefühl entwickelt. Auch aus dem Grund heraus, dass es beim Kickr bzw. bei Smart Trainer im allgemeinen keinen wirklichen Leerlauf gibt. Wenn du dir also eine Strecke mit 50 km aussuchst, dann kurbelst du diese 50 km auch durch. Was banal klingt, kann durchaus eine Herausforderung werden, denn wenn du aufhörst zu pedalieren, fragt Zwift dich sehr schnell ob du dein Training beenden willst.

Womit wir beim nächsten Punkt sind. Einschätzen der eigenen Leistung und das Haushalten damit. Ich habe nicht nur einmal den Fehler gemacht eine Strecke als locker im Kopf abzuhacken, weil das ja nur mal eben 30 km am Abend sind. Denn diese Welt bei Zwift ist nicht leer. Ganz im Gegenteil sorgt der aktuelle Boom dafür das in Watopia mehr los ist als auf der IAA am Publikumstag. Und Zwift motiviert dich ständig doch im Windschatten eines Vordermannes zu bleiben, was sich übrigens auch auf den Widerstand auswirkt. 

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Und ein Handtuch wird auch schnell zu eurem besten Freund, es sei denn ihr wollt euer Bike befeuchten.

Und wenn der oder die Fahrer/in vor dir dann am Berg ordentlich Kette gibt, dann möchte ich persönlich da auch dran bleiben. So können 30 km ungewohnt schmerzhaft sein wenn man statt seiner sonst üblichen Frequenz auf einmal konstant 200 Watt tritt. Aber es macht verdammt viel Spaß, womit ich zu dem für mich persönlich wichtigsten Punkt komme.

Das Training macht enorm viel Spaß und ist abwechslungsreich. Ich kann abends sehr spontan auf den Kickr steigen und eine Route aussuchen. Dabei kann ich es total locker angehen, oder ich prügel mir 3500 hm auf 89 km in die Beine. Dabei ist die Zwift Welt immer abwechslungsreich, bietet Steppen, Wälder, Täler und verschneite Berge. In der Regel kann man alles befahren, was man auch sieht. Vor allem in Kombination mit einem großen TV und einem Surround System entsteht durchaus ein „mittendrin statt nur dabei“ Gefühl. Abgerundet wird das ganze bei Bedarf durch eine weitere soziale Komponente. Andere Fahrer können dich motivieren und anspornen. Und man kann sich über einen rudimentären Chat auch miteinander unterhalten. Zumindest wenn man nicht grade mit einer Steigung jenseits der 15 % kämpft und mehr Flüssigkeit über die Haut verliert als man über den Mund zu sich nimmt.

Was mich zum letzten Punkt führt, dem Trainingseffekt. Völlig unabhängig davon ob ich nun auf dem Gravel- oder Mountainbike unterwegs bin, lasse ich es in der Realität zwischendurch auch immer mal locker angehen. Da lässt man mal rollen in der Ebene und bergab meist sowieso. 

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Cockpit und alle anderen Einstellungen können in der Regel unangetastet bleiben auf dem Kickr.

In Watopia bzw. auf dem Kickr findet das nicht statt. Man fährt konstant durch und hat dadurch auch eine konstante Belastung. Diese führt aber auch zu einem verbesserten Training. Zumindest dann, wenn man auch mal auf seinen Körper hört und nicht immer 120 % Knallgas gibt. Denn Übertraining ist kein Spaß und ich würde behaupten, dass man so etwas auf einem Smart Trainer schneller erreicht hat als in der Realität. Denn es ist ja so einfach abends nochmal schnell eine Runde zu drehen ohne vor die Tür zu müssen. Vor allem dann, wenn draußen Minusgrade und Schmodderwetter herrschen. 

Ja, mimimi, aber ich möchte mal die von euch erleben, die so ein Wetter für ernsthaftes Training feiern.

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Ganz wichtig, lächeln nicht vergessen!

Wahoo Kickr V5 – Sonstiges

Wer gerne völlig in der Wahoo Welt versinken möchte, für den gibt es noch weitere Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel eine Route aus der Realität auf einen Wahoo Elemnt Roam laden und diese auf dem Kickr simulieren.  Mit dem Kickr Climb bekommen Anstiege eine neue Dimension, da hier das komplette Rad über die Gabel angehoben oder abgesenkt wird. Und zwar im selben Bereich (+20 % / -10 %) wie es auch die Simulation am Kickr selbst ermöglicht. Der Headwind ist ein Ventilator, welcher über die Herzfrequenz- und Geschwindigkeitssensoren synchronisiert wird. So bietet er passend zur Anstrengung mehr oder weniger Luft bzw. Gegenwind. Man kann sich also durchaus ein sehr interaktives Ambiente schaffen.

Die optionale Matte unter dem Trainer selbst ist fast schon als Pflicht zu bezeichnen. Vor allem dann, wenn man im Wohnzimmer trainiert, da das Training deutlich schweißtreibender ist als an der frischen Luft.

wahoo kickr v5

Die AXIS-Füsse stellen für mich persönlich einen sinnvollen Mehrwert dar. Zum einen verfügt der Kickr so auch ohne Matte über eine gute Dämpfung auf harten Böden, zum anderen kommt vor allem im Wiegetritt eine gewisse Dynamik in die Bewegung, die bei den alten Versionen so nicht abgebildet werden konnte. Sie standen dafür schlichtweg zu stabil auf dem Boden. Der V5 gewinnt durch die AXIS-Füsse Komfort und Dynamik, ohne spürbar Stabilität einzubüßen.

Fazit

Mit dem Wahoo Kickr V5 erlebt man Indoor Training der anderen Art. Im Vergleich zum monotonen Training auf der Rolle trennen sich hier Welten voneinander. Die Simulation der Anstiege ist nahezu perfekt und sehr realitätsnah, der Geräuschpegel ist absolut Wohnzimmertauglich, die Verarbeitung ist sehr hochwertig und das komplette Paket wirkt sehr durchdacht.

Der Kickr in der 5. Version ist sehr ausgereift, Kritikpunkte sind bisher keine aufgefallen. Klammert man die aktuelle Corona Situation und den Lockdown mal aus, ist der Kickr eine Bereicherung für jeden ambitionierten Radfahrer, der regelmässig trainieren möchte, aber eben nicht immer ausreichend Zeit hat. Der Preis von knapp 1.200 Euro mag auf den ersten Blick hoch erscheinen. Vergleichbare Hometrainer mit diesem Funktionsumfang schlagen aber schnell mit höheren Preisen zu buche. Wer aktuell auf der Suche nach einem Smart Trainer ist, dem kann der Wahoo Kickr V5 ganz klar empfohlen werden.


Text & Fotos: Patrick Frech
weitere Infos: wahoofitness.com

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