Helme sind wahrscheinlich das wichtigste und weitverbreitetste Sicherheitsequipment in unserem Sport. Die Strecken, die wir vor 10 Jahren noch ausschließlich mit Downhillbike und kompletter Panzerung gefahren sind, gehören mittlerweile zur normalen Feierabendrunde. Der Entwicklung immer schneller werdender Mountainbikes hat sich das Angebot an immer besserer und effizienterer Schutzbekleidung angepasst. Nicht nur die Protektorenwesten sehen nicht mehr aus wie Ritterrüstungen, sondern auch die Helme werden immer sicherer und immer leichter. 100% begleitet die Entwicklung mit seiner 40 jährigen Erfahrung im Motocross Segment und bringt dieses Jahr den Trajecta Fullface-Helm in der 2. Generation für den Endurosport.

100% Trajecta

Mit steigender Popularität des Endurosports haben sich leichte und gut belüftete Fullface-Helme fest in der Produktpalette der bekannten Hersteller etabliert. 100% spendiert dem 100% Trajecta der neuen Generation lediglich den Fidlock SNAP Verschluss an Stelle des Doppel-D-Verschlusses als Upgrade und scheint sich somit mit dem Grundkonzept (z.B. Multi-Density EPS Foam) sehr sicher zu sein.

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Die großen Ventilationsöffnungen am Kinnbügel verleihen Halbschalen-Feeling

Was mir besonders gefällt:

Bewährt hat sich das Smartshock Rotational Protective System, welches sich auch in den anderen Helmen der Marke wiederfindet und sich gut durch die 13 blauen Gummistöpsel erkennen lässt. Die Gummistöpsel nehmen nicht nur, wie auch bei anderen Konkurrenzsystemen, Rotationskräfte auf, sondern dienen ebenfalls als zusätzliche Dämpfung, um eine noch höhere Schutzwirkung zu generieren. Im 100% Trajecta trägt sich das System absolut unauffällig. Der Helm verrutscht nicht und es bilden sich auch keine Druckstellen.

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Die blauen Gummistöpsel im inneren sorgen für mehr Sicherheit.

Zusätzlich bewährt hat sich offensichtlich das Belüftungskonzept mit 24 Ventilationsöffnungen. Beim ersten Aufsetzen machen sich insbesondere die groß dimensionierten Öffnungen am Kinnbügel bemerkbar. Mit Helm und Goggle auf dem Kopf vergisst man fast, dass man einen Fullface-Helm trägt. Dem zuträglich ist unverkennbar das niedrige Gesamtgewicht: laut Produktbeschreibung 860 g bei Größe M und 930 g bei Größe L  laut meiner Küchenwaage. Die weiteren Belüftungsöffnungen ermöglichen einen guten Luftstrom, sodass ich auch bei sommerlichen Temperaturen (>30°) den Helm lieber als Sonnenschutz auf dem Kopf gelassen habe, als ihn auf Grund von Hitzestau abzusetzen.

Der 100% Trajecta ist in vier Größen erhältlich, wobei sich die Größen S und M, sowie L und XL lediglich durch die Liner bzw. Polsterung unterscheiden. Mitgeliefert werden sowohl ein zusätzlicher Liner als auch ein weiterer Satz Wangenpolster sowie eine „Neck Roll“, um den Helm auf die Kopfform anzupassen. Ich habe Größe L zum Test erhalten und passe mit meinen ca. 59 cm Kopfumfang genau in den angegebenen Bereich von 58 cm – 61 cm. Hier kommt mir der große Einstellbereich des Helms zugute, da ich sonst bei Helmen öfter genau zwischen die Größen falle. Ich fahre den Helm, bedingt durch meine schmale Kopfform, mit den etwas dickeren 25 mm Wangenpolstern und dem 20 mm (L/XL) Nackenpolster, welche sich mit etwas Fingerspitzengefühl wechseln lassen. Leider scheinen die Fixierungspunkte bereits nach wenigem hin und her tauschen etwas ausgeleiert und somit lösen sich bei meinem Testhelm die Wangenpolster immer mal wieder. Einmal auf dem Kopf sitzt der Helm aber sehr gut und vermittelt mir ein (natürlich subjektiv) hohes Schutzgefühl. Insbesondere in Kombination mit z.B. der 100% Armega Goggle, die bei dem 100% Trajecta wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt, erhöht sich nochmals der Tragekomfort. Hier wackelt dann nichts mehr und die Belüftung bleibt nach wie vor hervorragend.

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Die 100% Armega Google passt hervorragend in den Helm und hat ein super Sichtfeld.

Was besser geht:

Trotz der guten Passform und der hervorragenden Belüftung haben mich ein paar Dinge an dem Helm gestört, die natürlich zum Teil an meiner Kopfform und meinen persönlichen Vorlieben liegen. Ich möchte Sie dennoch nicht unerwähnt lassen.

Ich bin ein großer Fan von Fidlock Verschlusssystemen, da man nur die zwei Enden mit einer Hand seitlich am Kinn annähern muss und schon schnappt der Verschluss zu. Dies ist beim 100% Trajecta ein wenig hakeliger als gewohnt. Der Verschluss ist nur knapp unter der linken Unterseite des Helms positioniert und ich muss daher immer etwas Fingerspitzengefühl an den Tag legen, um das Fidlock Verschlusssystem zum Einrasten zu bringen.

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Der Fidlock-Verschluss ist super praktisch, aber eine wenig hakelig.

Des Weiteren macht es mir den Anschein, als ob der Kinnriemen durch die klein dimensionierten Wangenpolster keine richtige Führung hat. So hatte ich das Gefühl keinen richtigen Platz für den Kinnriemen beim Anziehen des Helms zu finden. Ich habe den Kinnriemen immer mit Bedacht in die ohnehin etwas locker sitzenden Wangenpolstern pressen müssen, um den Helm anzuziehen. Dies ist mit dem neuen Fidlock-Verschluss zweifelsohne einfacher als mit einem halbgeschlossenen Doppel-D-Verschluss und wahrscheinlich dem Kompromiss zu Gunsten gut belüfteter Ohren geschuldet, dennoch könnte 100% hier ein wenig nachbessern.

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Mehr Sicherheit bei niedrigem Gewicht und guter Belüftung.

Schließlich fehlt ein wichtiges Sicherheitsfeature bei dem Helm, welches sich zumindest bei den meisten Downhill-orientierten Fullface-Helmen bereits etabliert hat. Bei den Wangenpolstern ist es technisch nicht vorgesehen, sie in einer Notsituation einfach zu entfernen, um den Helm leichter vom Kopf einer verletzten Person zu bekommen.

Fazit:

Ich bin ein großer Fan von den neuen leichten und gut belüfteten Fullface-Helmen. Insbesondere bei langen Tagen im Bikepark mit mehr Trail als heftigen Downhillanteilen war ich bisher geneigt die gute Belüftung meines Halbschalenhelms dem Fullface Helm vorzuziehen. Mit dem 100% Trajecta stellt sich mir diese Frage nicht mehr und ich entscheide mich immer automatisch für die höhere Schutzwirkung bei gleichbleibend kühlem Kopf. Dabei kann ich auch über die kleinen Schwächen des 100% Trajecta und könnte über den im Konkurrenzvergleich etwas höheren UVP von 269€ hinwegsehen.


Text und Fotos: Moritz Wester

mehr Infos: 100percent.com

 

 

 

 

 

 

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