Viele suchen ihn – manche finden ihn – den heiligen Gral. Egal ob Rahmengeometrie, Bremse oder Fahrwerk – einige von uns versuchen Ewigkeiten genau IHR Produkt zu finden. Versierte Bastler und Individualisten kaufen beispielsweise Federungskomponenten, tunen diese und werden dann manchmal doch nicht glücklich. Fast Suspension aus Frankreich haben einen Stahlfederdämpfer namens Holy Grail entwickelt – ob dieser seinem Namen gerecht wird erfahrt ihr in diesem Test. Der Holy Grail wurde in unserem Testaufbau, dem Propain Rage CF getestet.

Fast Holy Grail
Der Fast Suspension Holy Grail wurde in unserem Propain Rage CF getestet

Im Jahr 2007 wurde Fast Suspension aus dem Wunsch heraus gegründet, den bestmöglichen Service zu bieten und die Charakteristiken unterschiedlicher, auf dem Markt erhältlicher Federelemente, durch individuelles Tuning zu verbessern. Die Entwickler überließen dabei nichts dem Zufall und setzen – damals wie heute – Datenerfassungssysteme ein, um das letzte Quentchen Performance aus ihnen herauszuholen. Im Jahr 2009 wurde in zwei CNC Maschinen investiert um ihre eigenen Produkte herstellen zu können. Fast Suspension wurden vom Erfolg überrollt, sodass nach fünf Jahren eine weitere Maschine angeschafft werden musste. Kurz darauf folgte, neben Tunigprodukten wie Dämpfungskartuschen, der erste eigene Dämpfer – der von uns getestete Holy Grail. Die Wenigsten wissen – im Jahr 2019 holte Tracey Hannah den Gesamtsieg im Downhillworldcup – auf einem Holy Grail von Fast Suspension.

Fast Holy Grail
Der Fast Holy Grail

Technik – der Fast Holy Grail

Fast Suspension haben bei der Entwicklung des Dämpfers auf ein Einkolbenprinzip gesetzt, was deren Meinung nach die beste Wahl für den Offroad Einsatz ist. Der Clou ist ein zweistufiger Hauptkolben, welchen Fast sich haben patentieren lassen. Laut Aussage der Entwickler ist dieses Kolbenprinzip maßgeblich für die Sensibilität und bestes Ansprechverhalten verantwortlich. Im Gegensatz zum Doppelkolbenprinzip, beispielsweise eines FOX DHX2, soll darüber hinaus beim zweistufigen Einkolbenprinzip von Fast eine Unabhängigkeit zwischen Druck- und Zugstufendämpfung vorhanden sein. Dies soll die Einstellbarkeit vereinfachen. Anstatt auf einen standard O-Ring, setzt man bei Fast auf eine aufwändige Dichtung des Kolbens zur Aussenwelt.

Das Ziel war es, die Reibung zu verringern, was ein besseres Ansprechverhalten bedeutet. Die Bauteiloberfläche ist für Fast ein wichtiger Faktor: Anstatt mit einem Harteloxal wird die Oberfläche mit einem PTFE haltigem Eloxal versehen. Einen Fast Holy Grail kauft man nicht „von der Stange“ – jeder Dämpfer wird auf den Fahrer und das Bike in welchem es verwendet wird angepasst.

Mit nachgewogenen 555 Gramm ist der Fast Holy Grail ein Wenig schwerer als beispielsweise ein FOX DHX2.

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Der Holy Grail kann nutzerseitig in der Zugstufe, sowie High- und Lowspeed Druckstufe eingestellt werden. Die Farben der Einstellräder sind im Gegensatz derer von anderen Anbietern nicht in typischem Blau für die Druckstufe und Rot für die Zugstufe gehalten, sondern schlicht und schwarz. Damit setzt sich das dezente Erscheinungsbild fort – es sei denn, man wählt beim Kauf den violetten Federteller.

Die Montage

Generell ist die Montage des Fast Holy Grail so einfach wie die von anderen Federelementen. Sind die Buchsen zur Montage verpresst, wird der Dämpfer einfach in den Rahmen geschraubt. Es sei denn, der Versteller für die Lowspeed Druckstufe ist im Weg. So verhielt es sich in unserem Fall in Kombination mit dem Propain Rage CF Rahmen. Wir sehen das nicht als Kritikpunkt, sondern als „doof gelaufen“. Der Rahmen wird ab Werk nicht mit diesem Dämpfer ausgeliefert, sodass hier einfach nur zwei nicht ganz passende Produkte aufeinander prallen. Man hätte sich auch einfach informieren können…
Wir lösten das Malheur mit der Demontage des Druckstufenknopfes, was die Justage der Druckstufe auf dem Trail nicht einfacher machte.

Auf dem Trail

Bevor der Spaß richtig losgehen konnte, musste der Dämpfer eingestellt werden. Wie bereits beschrieben musste der Versteller für die Lowspeed Druckstufe demontiert werden, was dafür sorgte, den Fast Holy Grail vor jeder Einstellung aus dem Rahmen lösen zu müssen. Abgesehen davon lässt sich die Highspeed Druckstufe nur mit einem 14 mm Maulschlüssel justieren. Da man beim Downhillfahren diese Einstellung eh nicht unbedingt auf der Strecke vornimmt, war dies kein Hinderniss.

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Die Lowspeed Druckstufe umfasst ganze 24 Klicks, was eine sehr feine Einstellung möglich machte. Je nach Strecke konnte stets eine gute Einstellung gefunden werden, wobei +/- zwei Klicks teils einen Unterschied zwischen harschem Ansprechen und feinfühliger Dämpfung ausmachten. Mittels der wirksamen und effektiven Lowspeed Druckstufe konnte ein Wegsacken in Anliegern und Senken unterbunden werden. Dennoch blieb das typische sensible Ansprechen des Stahlfederdämpfers erhalten. Eine genaue Einstellungsempfehlung möchten wir nicht geben, da die Lowspeed Druckstufe von vielen Faktoren wie Rahmen, Fahrergewicht, Strecke und Position auf dem Rad abhängt. Wir befanden uns bei den Einstellungen stets um den mitteren Bereich des Verstellers, was zeigt wie gut MRC den Fast Holy Grail auf das Propain Rage angepasst haben. So macht das Spaß!

Ohne Klicks kommt die Highspeed Druckstufe aus, was ein Justieren nicht immer einfach macht. Der Verstellumfang beträgt 3,5 Umdrehungen, wobei wir unseren Dämpfer mit ca. -2 Umdrehungen von ganz geschlossen (nahe der Werkseinstellung) für passend befanden.

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Auf dem Trail zeigte sich der Holy Grail als sehr feinfühliger Stahlfederdämpfer mit guten Dämpfungseigenschaften. Bei jeglichen Streckenbeschaffenheit konnte stets eine sehr gute Einstellung gefunden werden, sodass das Rage am Hinterbau perfekten Grip generieren konnte. Ein Verspringen des Hinterrades ließ sich mit minimalen Veränderungen, insbesondere an der Lowspeed Druckstufe, stets gut in der Griff kriegen. Teilweise waren wir selbst überrascht, wie viel Traktion minimale Einstellungsänderungen ausmachten.

Größere Drops oder Sprünge sorgten gelegentlich für ein Durchschlagen des Dämpfers, was auch laut Bedienungsanleitung kein Problem darstellt. Man hätte mit mehr Highspeed Druckstufendämpfung entgegenwirken können, was wir jedoch zugunsten der Sensibilität nur minimal vornahmen. Unserer Meinung nach kann der Federweg des Holy Grails wirkungsvoll und komplett genutzt werden. Freunde von langen Abfahrten wird sicherlich erfreuen, dass auch Überhitzung nach langem Wurzelfeldgeballer kein Problem darstellte.

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Fazit

Ob nun heiliger Gral oder nicht – der Fast Holy Grail konnte uns als hervorragender Stahlfederdämpfer überzeugen. Die Versteller sind wirkungsvoll und lassen schnell Unterschiede in den Dämpfungseigenschaften erreichen. Insgesamt ist der Fast Holy Grail ein extrem wertiges Produkt, welches genau das tut, was es soll. Für 799 € bekommt man den Dämpfer inklusive Abstimmung auf das eigene Fahrrad. Manchmal ist es schwer ein Produkt zu bewerten, welches einmal eingestellt, unauffällig und souverän seinen Dienst verrichtet. Der französische Hersteller hat bereits mit seinem Erstlingswerk einen hervorragenden Dämpfer entwickelt, welcher sich hinter den Produkten anderer Federungsgrößen nicht verstecken braucht. Wer keine Lust auf Mainstream hat ist hier goldrichtig.


Text: Thorsten Illhardt
Fotos: Thomas Kappel, Thorsten Illhardt

Weitere Informationen: https://www.fast-suspension.com

 

 

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