Wer kennt es nicht: das ungeschriebene Gesetz über ein isotonisches Getränk an der Hütte, zum Abschluss einer Tour oder am Ende eines Tages im Bikepark. Nun haben wir in unserem Umfeld wie in anderen Teamsportarten nicht diese Bedingung eine kritische Masse zur Ausübung erreichen zu müssen. Dennoch genießen oder bevorzugen gar viele von uns den Sport in der Gruppe auszuüben, ihre Leidenschaft zu teilen, oder sich über die letzten technischen Innovationen rund um das Geländefahrrad auszutauschen. Solche Gruppen finden sich direkt auf dem Trail aber auch in Vereinen, wo sich dann alles um das Mountainbiken in einem ganz offiziellen Rahmen dreht.
Wir von Cycleholix möchten in unserer neuen Serie „Vereinsleben“ Einblicke in diese Vereine geben und haben uns dafür mit verschiedensten Vereinen unterhalten. Dabei möchten wir neben den unterschiedlichen Facetten von Vereinen auch allgemein die Bedeutung von Vereinen für uns Mountainbiker darstellen.

Der Verein Freeridefactory Bike e.V. aus Markt Schwaben bei München

In unserer ersten Vorstellung geht es in den Süden Deutschlands in die Region Münchens vor deren Toren sich ein wahres Eldorado an Outdoor-Aktivitäten wie Mountainbiken befindet. Eben dieses vielfältige Freizeitangebot ist auch Motto des Vereins „Freeridefactory Bike e.V.“: Outdoor-Sportaktivitäten gemeinsam ausüben und in der Gruppe auf Tour gehen.

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Gefahren wird worauf die Vereinsmitglieder Lust haben. Oft geht es dabei ganz weit hinauf und steil bergab.

Organisation des Freeridefactory Bike e.V.

Zu allererst hat uns natürlich interessiert, wie denn so ein Mountainbike-Verein ganz allgemein und die Freeridefactory im Speziellen organisiert ist. Prinzipiell muss dabei auch ein Mountainbike-Verein wie jeder andere eingetragene Verein einen Vereinsvorstand in der jährlichen Mitgliederversammlung wählen. Der Vereinsvorstand besteht bei der Freeridefactory aus zwei Mitgliedern, sowie je einem Mitglied für das Amt des Kassiers und Schriftführers. Die zwei Vorstandsmitglieder haben bei der Freeridefactory nicht nur die Aufgabe den Verein ganz offiziell juristisch zu vertreten, sondern ebenso den Verein zusammenzuhalten und auch weiterzuentwickeln. Ganz konkret meint es bei der Freeridefactory die Koordination und Verteilung der verschiedenen Ehrenämter wie Trainer, Tourenveranstalter mit den zahlreichen Vereins-Veranstaltungen auf die aktuell 86 Mitglieder zu verteilen.

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Nicht nur im alpinen Gelände ist eine gute Organisation und Koordination Grundvoraussetzung für das Vereinsleben in der Freeridefactory.

Auch wenn man verglichen zum Deutschen Alpenverein meinen könnte, dass diese Größe überschaubar wäre, so ist auch in der Freeridefactory die Kommunikation zu und mit allen Vereinsmitgliedern dem Vorstand ein besonderes Anliegen. Dafür hat sich neben der eigenen Website, dem E-Mail-Verteiler und der WhatsApp-Gruppe mittlerweile auch der monatliche Vereins-Stammtisch bewährt, der abwechselnd in Bars, Biergärten oder dem befreundeten Billard-Club stattfindet. Hier treffen sich dann alle Mitglieder, die Zeit und Lust auf die aktuellen Vereins-Neuigkeiten, Fachsimpeln, Tourenplanung und gemütliches Beisammensein haben. Vor allem im Sommer bildet sich dann auch meist ein Kern aus motivierten Bikern, die mindestens einmal pro Woche sich in und um München auch unter der Woche zum regelmäßigen Mountainbiken nach Feierabend verabreden. Für größere Touren über mehrere Tage steht den Vereinsmitgliedern für die langfristige Planung ein Online-Vereinskalender zur Verfügung. Auf der eigenen Homepage können sich die interessierten Mitglieder mittlerweile sogar dann direkt online anmelden und ihren Platz für eine der Vereinsausfahrten sichern, die meist – mit einer entsprechenden Teilnehmerbeschränkung – dort im Kalender ausgeschrieben werden. Die mit den Ausfahrten verbundenen Kosten werden vor Ort oder auch bei notwendigen Reservierungen vorab mit einer Anzahlung auf alle angemeldeten Teilnehmer gleichermaßen aufgeteilt.

Vorteile eines Vereins wie der Freeridefactory Bike e.V.

Nun fragt man sich als Nicht-Mitglied eines Vereins, wo denn der Sinn und Zweck eines Mountainbike-Vereins liegen könnte, da es den Anschein macht den wöchentlichen Ride unter Freunden nur in ein offizielles Format namens „Verein“ gesteckt zu haben. Auf diese Frage belehrt uns der Vorstand der Freeridefactory aber sofort eines Besseren: Durch die Mitgliedschaft des Vereins im Bayrischen Landes Sport Verband (BLSV) und im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) profitiert jedes Mitglied über einen umfangreichen Versicherungsschutz wie z.B. einer Sport-Unfallversicherung, die nicht nur bei Vereinsveranstaltungen sondern auch bei freien Trainingseinheiten allen Mitgliedern einen perfekten Rundumschutz beim Mountainbiken bietet. Auch an die Racer wird gedacht. So bietet der Verein ebenfalls die Möglichkeit eine UCI Lizenz für die Teilnahme an Rennen zu beziehen.

Ein weiterer Vorteil ist auch, dass Fortbildungskosten für die Ausbildung zum Touren-Guide oder Fahrtechniktrainer bei der Deutschen Initiative für Mountainbike e.V. (DIMB) anteilig von der Freeridefactory für seine Mitglieder übernommen wird. Neben vielen weiteren Vorteilen ist der Vorstand auch auf sein Netzwerk zu Bike-Shops und Herstellern stolz, sodass der gesamte Verein mit attraktiven Rabatten Bike-Material einkaufen kann. Und nicht zuletzt bleibt der unumstrittene Fakt zu erwähnen, dass jedes Vereinsmitglied offiziell Teil dieser Gemeinschaft ist und daran nach eigenen Vorlieben teilhaben kann.

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Ausbildung zum Tourenguide oder gemeinsames Entdecken von neuen Trails – die Freeridefactory hat ein facettenreiches Programm.

Die dafür nötige Organisation und auch die anfallenden Büro-Tätigkeiten werden dabei größtenteils von den zwei Vereinsvorständen, sowie dem Kassier und dem Schriftführer abgewickelt. Gerne holen sie sich aber regelmäßig Unterstützung von anderen Vereinsmitgliedern, die mit Kompetenzen für juristische oder steuerrechtliche Fragen geschickterweise dem Verein zur Verfügung stehen.

Vereinsaktivitäten

Aber nun mal mehr zu den Aktivitäten der Freeridefactory-Mitglieder der Freeridefactory, die übrigens größtenteils aus der unmittelbaren Umgebung der bayrischen Landeshauptstadt kommen. Je nach Jahreszeit, muss es sich auch nicht immer nur um Zweiräder drehen. So treffen sich die Vereinsmitglieder im Winter zum Skifahren im Skigebiet oder mit Tourenski, Splitboard und Schneeschuhen zu einer gemütlichen Gipfeltour. Sobald der Winter dem Frühling in den Voralpen Platz macht, verabreden sich die Mitglieder der Freeridefactory regelmäßig zum gemeinsamen Mountainbiken. Gefahren wird worauf die Mitglieder Lust haben: von gemütlichen Touren durch die Wälder der Münchner Umgebung über gesellige Trail-Touren mit Hütteneinkehr bis hin zu anspruchsvollen Bike-Bergsteiger-Touren in den Hochalpen. Letzteres ist laut Vorstand die Parade-Disziplin der Freeridefactory und bezeichnet das wahrliche Erkämpfen der Höhenmeter im hochalpinen Gelände zu Fuß, Huckepack mit dem Mountainbike auf dem Rücken beziehungsweise auf dem Rucksack.

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Was für Andere Qual bedeutet, ist für viele Mitglieder der Freeridefactory die erste Wahl: Oft wird das Bike zum Gipfel getragen.

Um für solche fahrtechnischen Herausforderungen allen Mitgliedern viele nützliche Skills mitzugeben, hat sich die Freeridefactory das Angebot und die Durchführung von speziell darauf abgestimmten Fahrtechnikkursen auf die Fahne geschrieben. Mit diesem Angebot will die Freeridefactory ihre Begeisterung für technisches Mountainbiken mit Neueinsteigern teilen und für die „alten Hasen“ Gelegenheit bieten, ihr Können zu erweitern oder aufzufrischen. Da fährt man dann auch gerne einmal zu Saisonbeginn mit dem eigenen Vereinsbus ins nahe gelegene Norditalien, um gezielt sehr steile und technische Abfahrten im Schritttempo bei frühlingshafter Dolce Vita zu üben. Gegenseitige Motivation und Hilfestellung ist dabei ebenso selbstverständlich, wie der rege Austausch über Tipps & Tricks zu Fahrtechnik und dem Arbeitsgerät.

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Steile Abfahrten wollen sicher geübt werden und das geht am besten in der Gruppe wie es die Freeridefactory regelmäßig macht.

Neben dem Angebot an Fahrtechnikkursen und Touren unterschiedlichster Art, ist für viele der Mitglieder der eigene Vereinsbus eines der Highlights, auf das die Freeridefactory zurecht stolz sein kann. Mit dem Bus fahren die Mitglieder gerne zu weiter entfernten Tourenstartpunkten oder sparen sich damit auch einmal den einen oder anderen kräftezehrenden Höhenmeter.

Das Tourenprogramm hat sich in den letzten Jahren auch stetig weiterentwickelt, sodass die Freeridefactory inzwischen stolz auf all ihre Tourenziele aus den letzten Jahren zurückblicken kann: Neben einigen Gipfeltouren über 3000 Meter Höhe in den Westalpen, unzähligen Aufenthalten im nördlichen Teil Italiens bis hin zu diversen Inselhopping-Touren in der Kanarischen Inselgruppe haben die Reifenstollen einiger Mitglieder schon allerhand in Europa gesehen. Apropos Reifenstollen: laut Vorstand hat es kein Reifen aller bekannten Hersteller geschafft nach zehn Tagen Bike-Bergsteigen etwas Anderes als den Recycle-Container zu sehen.

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Das Vereins-Revier beschränkt sich nicht nur auf den Alpenraum.

Motto

2014 entstanden aus einer Gruppe von Mountainbike-versierten Mitgliedern der Sektion München des Deutschen Alpenvereins, stehen Berge und Natur stets im Mittelpunkt der Vereinsaktivitäten. Dazu beschreibt der Vereinsvorstand uns eindrücklich, welch hohen Stellenwert Berge und Natur für jeden Einzelnen im Verein besitzen. Ein nachhaltiges Verhalten am Berg und auf den dortigen Wegen scheint selbstverständlich höchstes Gebot zu sein. Kurz um: es wird angehalten, es wird ordentlich „Servus“ gesagt. Und nicht zuletzt wird jedes blockierende Hinterrad sofort vom Tourenführer notiert (was in Steilabfahrten durch tiefen losen Schotter laut Vorstand durchaus vorkommen kann) und bei Tourenende oder beim nächsten Vereinsstammtisch quittiert. Das Vereinsmotto „Nature Ride“ bringt dies auf den Punkt.

Vereinsmitglied der Freeridefactory gegenüber eines Gletschers.
Standardprogramm bei der Freeridefactory: Touren in der Natur – am besten ganz weit oben wo es felsig ist.

Herausforderungen

Ebenso wie es für alle Mountainbiker hin und wieder herausfordernd ist bergauf zu kommen, um danach die ersehnte Abfahrt zu genießen, steht auch die Freeridefactory als Verein wie viele andere Vereine zunehmend vor Herausforderungen.

Mitglieder der Freeridefactory Bike e.V. beim gemeinsamen Techtalk über scaled-size Bikes
Gemeinsames Fachsimpeln ist ebenso wichtig in der Freeridefactory, wie auch das Engagement der einzelnen Mitglieder.

Seit Vereinsgründung besteht ein Ziel darin, die steigende Zahl an Vereinsmitgliedern mit einem abwechslungsreichen Angebot zu versorgen. Wie bei vielen anderen Vereinen arbeiten jedoch immer nur wenige Engagierte daran, die damit verbundenen Verpflichtungen zu erfüllen. Gerne würde man auch in der Freeridefactory die „Aufgabe“ Touren zu planen und zu organisieren auf alle Vereinsmitglieder übertragen und auch dieses Ehrenamt – Andere an der Begeisterung für das gemeinsame Mountainbiken Teil haben zu lassen – auf mehrere Schultern verteilen. Dies würde dann damit einhergehen, dass das bestehende Angebot für Vereinsmitglieder mit zusätzlichen Touren und Veranstaltungen bereichert werden könnte, um möglichst viele Begeisterte damit anzusprechen.

Aussichten für den Verein

Wie in den vergangenen Jahren, die durch ein stetiges Vereinswachstums geprägt waren, stehen auch für die kommenden Jahre einige Projekte im Ausblick der Freeridefactory: man möchte sich stärker und professioneller mit DIMB-zertifizierten Mountainbike-Trainern für Fahrtechnik-Kurse aufstellen. Des Weiteren soll das Tourenprogramm für die Vereinsmitglieder kontinuierlich erweitert werden. Auch gibt es Pläne, Touren außerhalb Europas den Vereinsmitgliedern anzubieten. Eine Sache dabei ist sicher: Die Jungs und Mädels der Freeridefactory werden weiterhin eine „Moads-Gaudi“ bei ihren regelmäßigen Rides, Stammtischen und allen weiteren Vereinsveranstaltungen haben. Und nicht zu vergessen, freut sich die Freeridefactory natürlich über jede interessierte Bikerin und jeden interessierten Biker, die beim Vereinsvorstand (siehe Kontaktdaten unten) weitere Informationen sowie einen Mitgliedschaftsantrag anfordern können.

Freeridefactory auf den kanarischen Inseln
Auch in Zukunft möchte der Verein seinen Mitgliedern ein buntes und exotisches Programm anbieten.

Die Vereinsmitglieder und alle Interessenten der Freeridefactory aus der Münchner Umgebung dürfen also voller Vorfreude auf die kommenden Jahre blicken und auch selbst ordentlich mit anpacken.

Nach unserem ausgiebigen und unterhaltsamen Gespräch mit dem Vereinsvorstand sind wir gespannt, wie sich dieser kleine, aber sehr ehrliche und nachhaltige Verein weiterentwickeln wird. Wir stimmen da eindeutig dem Vorstand zu, dass jedes Mitglied der Freeridefactory stolz darauf sein kann, was hier geschaffen wurde und Teil dieses Vereinslebens sein zu können.

Steckbrief des Vereins Freeridefactory Bike e.V.

Vereinssitz: 85570 Markt Schwaben
Gründungsjahr: 2014
Im Verein ausgeübte Sportdisziplinen: Ski (Alpin & Tour), Biken mit Fokus auf „Bike-Bergsteigen“
Anzahl der Vereinsmitglieder (Stand 2020): 86
Vereins-Vorstand: Peter Gratzl & Jochen Weschta
Kontakt: www.freeridefactory.com, vorstand@freeridefactory.com

 

 


Weitere Information: Freeridefactory Website
Text: Martin Riedle
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Michael Dobler, Freeridefactory Bike e.V.

 

 

 

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