Wer kennt es nicht: das ungeschriebene Gesetz über ein isotonisches Getränk an der Hütte, zum Abschluss einer Tour oder am Ende eines Tages im Bikepark. Nun haben wir in unserem Umfeld wie in anderen Teamsportarten nicht diese Bedingung eine kritische Masse zur Ausübung erreichen zu müssen. Dennoch genießen oder bevorzugen gar viele von uns den Sport in der Gruppe auszuüben, ihre Leidenschaft zu teilen, oder sich über die letzten technischen Innovationen rund um das Geländefahrrad auszutauschen. Solche Gruppen finden sich direkt auf dem Trail aber auch in Vereinen, wo sich dann alles um das Mountainbiken in einem ganz offiziellen Rahmen dreht.
Wir von Cycleholix möchten in unserer neuen Serie „Vereinsleben“ Einblicke in diese Vereine geben und haben uns dafür mit verschiedensten Vereinen unterhalten. Dabei möchten wir neben den unterschiedlichen Facetten von Vereinen auch allgemein die Bedeutung von Vereinen für uns Mountainbiker darstellen.

 

Der Verein Pfalzbiker e.V. im Pfälzerwald

Für unseren nächsten Bericht, über das Leben im Verein, verschlägt es uns in die Mitte Deutschlands. Dort im Westen befindet sich nicht nur das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, sondern auch ein dichtes Wegenetz, das wir selbst auch immer wieder gerne für unsere Testrides aufsuchen. Das dichte Netz von Wanderwegen mit insgesamt über 12.000 km Länge wurde nach und nach vom regionalen Wanderverein „Pfälzerwald-Verein“ angelegt und auch bis vor ein paar Jahren eigenständig in Stand gehalten. Geprägt durch den sandigen und trockenen Boden bieten diese abwechslungsreichen Wanderwege schon länger nicht nur den Wanderern viel Freude und Erholung, sondern ebenso uns Mountainbikern die perfekte Antwort auf die Frage nach dem Flow bei der Ausübung unseres Sports.

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Das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands ist die Heimat der Pfalzbiker.

Aber viele von uns wissen auch aus eigener Erfahrung, dass man hier nicht immer willkommen ist, und Interessenskonflikte in so einem vermeintlichen Biker-Paradies nahezu vorprogrammiert sind. Auch im Pfälzerwald wurden diese Konflikte auf die Spitze getrieben, als lokale Politiker im Jahre 2017, ein rigoroses Mountainbike-Verbot auf den Wanderwegen um Neustadt an der Weinstraße forderten. Seitdem kämpft die stetig wachsende Truppe der Pfalzbiker offiziell für den Erhalt des Wegenetzes zur gemeinschaftlichen Nutzung getreu ihrem Motto „Save the trails“. Mit der Vereinsgründung (wir berichteten) haben es die Pfalzbiker geschafft sich das Image eines angesehenen Sprachrohrs für Mountainbiker sowie eines ausreichend starken Gegenpols in der Politik zu verschaffen, um damit allen Mountainbike-Begeisterten einen Stimme zu geben. Inzwischen gehören dem jungen Verein über 250 Mitglieder an, die sich gemeinsam im Rahmen der Vereinsarbeit für die Pflege der Wanderwege (in unserem Jargon „flowigen Singletrails“) und die Sportkultur des Mountainbikens einsetzt.

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Voller Einsatz der Pfalzbiker unter dem Motto „Save the trails“.

 

Vereinsengagement & Organisation

Der Verein Pfalzbiker e.V. wird wie jeder Verein durch einen Vorstand juristisch vertreten. Ordentlich strukturiert stemmen 18 Mitglieder um die Vereinsgründer und Vereinsvorstände Michael Maul und Christopher Krusche die zahlreichen organisatorischen Aufgaben des Vereins. Zu diesen besonders engagierten Mitgliedern gehört auch Traildog Archie, der für’s richtige Tempo und regelmäßige Bratwurst-Stops sorgt. Neben den Kassenwarten, die die Finanzen des Vereins überblicken, sind Andere für inhaltliche Themen verantwortlich: Der „Wegewart“, der sich um die Wegepflege kümmert, der Naturschutzverantwortliche, der sich als Geograph professionell mit dem Spannungsfeld Natur-Mensch auseinandersetzt, die „Tourenleiter“, die sich um alles rund um Touren kümmern, die „Streckenwarte“, die sich um die Planung und Umsetzung legaler Strecken kümmern und viele mehr, die sich um die vielseitigen Interessen der Vereinsmitglieder inhaltlich und organisatorisch kümmern.

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Die bunte Mischung sorgt nicht nur an der Weihnachtsausfahrt für die Vertretung aller Biker-Interessen im Verein.

Als erster großer Mountainbike-Verein des Pfälzerwalds sieht sich der Verein als Heimat aller Mountainbike-Begeisterten im Pfälzerwald, als enger Partner des Wandervereins „Pfälzerwald Verein“ aber auch als politischer Vertreter, um die gemeinsame Nutzung des Waldparadieses für alle zu ermöglichen.

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Die vielen Wege unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades im Pfälzerwald bieten für jeden Biker etwas.

In Absprache und enger Zusammenarbeit mit dem Pfälzerwald-Verein organisieren die Pfalzbiker zwei bis drei Mal im Jahr die „Trailpflegetage“. Auf dem Programm steht dann Wege von umgestürzten Bäumen zu befreien, die Pflege von engen und abschüssigen Wegepassagen, die Reparatur und Beseitigung von „Shortcuts“ und natürlich viel Spaß und beste Stimmung in der Gruppe. Dabei hat es sich mittlerweile etabliert, dass sich aufgrund der Weitläufigkeit des Wegenetzes die Jungs & Mädels der Pfalzbiker aufgeteilt in kleinere Ortsgruppen vor Ort organisieren. Um die Verpflegung der fleißigen „Trailpfleger“ kümmert sich dann der Verein der Pfalzbiker sowie die Ortsgruppen des Wandervereins. Besonders letztere sind aufgrund des steigenden Altersdurchschnitts froh, dass sie mit den Pfalzbikern einen engagierten und tatkräftigen Mitstreiter für den Erhalt der Wanderwege im Pfälzerwald gefunden haben. Werkzeug zur Trailpflege gibt es inzwischen reichlich aus dem Vereins-Inventar, aber auch immer mehr Vereinsmitglieder haben sich mit portablen Werkzeugen wie Klappspaten und -säge ausgestattet, die dann auch „für alle Fälle“ im Tourenrucksack der Feierabendrunde ihren festen Platz haben.

Seit der Vereinsgründung vor drei Jahren hat der Verein es geschafft, über die Grenzen des Pfälzerwalds hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad und auch ein hohes Ansehen bei anderen Wegenutzern zu erlangen. Hier wird der Verein regelmäßig durch gute und ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit des Pfälzerwald-Vereins unterstützt, sodass auch dessen über 25.000 Mitglieder das Engagement des Mountainbike-Vereins für die Wanderwege des Pfälzerwalds schätzen. Der Verein des Pfalzbiker e.V. selbst versteht es ebenfalls sich entsprechend öffentlichkeitswirksam zu engagieren und an gemeinsamen Projekten mit anderen Vereinen zu beteiligten. Ein aktuelles Beispiel hier zeigt die Übernahme einer „Brücken-Patenschaft“ durch die Pfalzbiker für die Erneuerung von sechs Wanderwege-Brücken unterhalb der Kalmit. Dabei wird jede der sechs aktuell teilweise stark maroden Brücken jeweils von einem der lokalen Vereine finanziert und damit gemeinsam die beliebten Wanderwege zur Kalmit hinauf – oder eben auch bergab – wieder auf Hochglanz poliert.

Aber auch auf politischer Ebene befindet sich der Verein mit Städten und Kommunen sowie Jägern und Förstern auf Augenhöhe. Besonders das Verhältnis zwischen den Pfalzbikern und den lokalen Förster ist sehr ehrlich und locker, denn man hat bisher immer konstruktiv gemeinsam an Lösungen bei bestehenden Nutzungskonflikten gearbeitet, sodass am Ende alle zufrieden waren.

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Ein gutes Miteinander und das aktive Gespräch mit anderen Interessensgruppen suchen ist den Pfalzbikern sehr wichtig.

Ein derzeit immer noch laufendes Projekt ist die Legalisierung einer Vereinsstrecke, die bereits vorhanden ist und auch von allen Beteiligten als solche geduldet ist. Einzig die langsamen Mühlen der Bürokratie machen die Legalisierung schwieriger als man erwarten würde, wo Förster, Jäger und Biker sich doch einig sind. Die beteiligten Behörden sorgen aber durch das Einfordern und in Auftrag geben zahlreicher Verfahren und Gutachten für diese starke Verzögerung.

Mit solch einer geduldeten und fast legalisierten Vereinsstrecke, aber auch mit den vorhanden und vom Verein gepflegten Wegen, bietet der Verein Pfalzbiker e.V. mittlerweile eine beliebte und stark frequentierte Plattform den Pfälzerwald gemeinsam mit dem Bike zu nutzen und auch dabei neue Kontakte zu knüpfen.

 

Das Vereinsleben der Pfalzbiker

Der Verein versteht sich als Interessensvertreter und nicht als Sportverein im engeren Sinne, sodass es weder Rennveranstaltungen, Jugendtraining noch andere Aktivitäten mit Fokus auf die sportliche Leistung im Verein gibt. Trotzdem gibt es neben einer Jugendwartin auch einen Fachwart für Rennlizenzen, die auch diese Interessensgruppen organisatorisch zusammenführen. Ganz allgemein leben die Pfalzbiker bewusst nach den Grundsätzen wie „Save the trails“, „Zusammen biken“, „Kontakte knüpfen“ und einige mehr.

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Jeden Mittwochabend auf dem Programm: Gemeinsam die Schönheit des Pfälzerwaldes mit dem Bike erleben.

Entsprechend bilden gemeinsame Aktionen wie der beschriebene „Trailpflegetag“, Jahresabschluss-Events (wir berichteten), oder das inzwischen große Aushängeschild des „Mittwochs-Enduro“ zentrale Elemente des Vereinslebens. Dieses Event, das inzwischen, seit Vereinsgründung ganzjährig jeden Mittwoch um 18 Uhr an wechselnden Orten stattfindet, erfreut sich an starker Beliebtheit bei allen Vereinsmitgliedern. Die Vereinsmitglieder organisieren sich dafür einfach über ihren Newsletter und über WhatsApp. Oft kommen dann Mittwochs nach Feierabend bis zu 30 Biker zusammen, um aufgeteilt in kleineren Gruppen gemeinsam Spaß auf den flowigen und meist trockenen Wegen des Pfälzerwalds zu haben und die Schönheit der Pfalz aus einer anderen Perspektive zu sehen. Und wenn dann auch mal von dem Sturm der Tage zuvor der eine oder andere Baum quer über dem Trail liegt, greifen die Mitglieder, ohne zu zögern zu ihrer Klappsäge im Rucksack und befreien den Weg spontan von seinem Hindernis für Wanderer und Biker.

 

 

Herausforderungen & Aussichten der Pfalzbiker

Wie bereits im Bericht über die Deisterfreunde erwähnt, stellen die Auswirkungen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten auch die Pfalzbiker vor die Herausforderung, dem extremen Zulauf auf die Trails des Pfälzerwalds Herr zu werden und sinnvolle Lösungen durch den erhöhten Nutzungsdruck bei allen Wegenutzern zu finden. Die Pfalzbiker sehen hier vordergründig aber die Chance, etwas bewegen zu können. Die Stadt Neustadt hat durch diesen Umstand selbst Versäumnisse erkannt und will nun mit dem Pfalzbiker e.V. an diversen Lösungen arbeiten. So gibt es aktuell Pläne für ein Konzept, das die „Trail-Toleranz“ bei allen Wegenutzern schaffen soll. Dieses Konzept sieht es vor, an Wegen, die typischerweise von Mountainbikern und Wanderern genutzt werden, Schilder aufzustellen, die explizit die gemeinsame Nutzung erlauben und auch die Akzeptanz aller Nutzungsgruppen füreinander fördern soll. Der hohe Nutzungsdruck hat auch gezeigt, dass es an einigen Stellen des Pfälzerwalds zu „Hot-Spots“ kommt, die dann vereinzelt zu, von Wanderer und Mountainbiker gleichermaßen, überfüllten Wegen führt. Dies wurde zunehmend vor allem an den Wochenenden beobachtet. Der Verein sieht an diesen „Hot-Spots“ die Chance durch die Wiederbelebung alter verfallener Wege, die oft parallel zu den „Hot-Spot-Wegen“ verlaufen eine deutliche Entschärfung der Situation herbeiführen zu können und auch explizite „Bike-Trails“ zu schaffen. Dazu sind nun die ersten Gespräche mit allen Interessensvertretern angelaufen.

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Der Pfalzbiker e.V. wird auch im übertragenen Sinne gemeinsam mit den Behörden bestehende und neue Wege ebenen.

Als uns 2017 die Nachricht erreicht hatte, dass die Pfalzbiker einen eigenen Verein gründen, waren wir uns sicher, dass dies ein sehr wichtiger Schritt für die Zukunft der schönen Trails durch die trockenen und offenen Wälder des Pfälzerwalds sein wird. Dass man so deutlich die Ergebnisse bereits wenige Jahre später sehen und auch bei unseren Redaktions-Rides dort förmlich bei den Begegnungen mit Wanderern erleben kann, konnten wir uns damals so nicht vorstellen. Unserer Ansicht nach haben die Pfalzbiker es beispielhaft geschafft, ein gutes und nachhaltiges Miteinander in der Natur in die Köpfe vieler zu bringen. Nicht umsonst lieben neben uns auch viele andere aus den Regionen Frankfurt, Stuttgart und weiteren Regionen die Trails des Pfälzerwalds. Umso wichtiger ist es, das Engagement des Vereins hervorzuheben und auch zu unterstützen. Jeder kann dazu beitragen, durch ein freundliches und wertschätzendes Miteinander wie es die Pfalzbiker vorleben und bald auch mit der schnellen und bequemen Online-Anmeldung als Pfalzbiker im Verein. Bis dahin kann jeder Biker im und um den Pfälzerwald sich auch über die Kontaktseite beim Verein anmelden.

Wir sind gespannt, wie sich der Pfälzerwald mit Hilfe des Vereinsengagements und der guten Zusammenarbeit des Pfälzerwald-Vereins weiter als Naturparadies für Flow- und Natur-suchende Biker und Wanderer entwickelt. Wir freuen uns jedes Mal auf die gute Stimmung, die schöne Natur, die schönen Trails und vor allem auf das gute Miteinander im Pfälzerwald und sagen an dieser Stelle auch vielen Dank, dass es euch gibt und ihr euch für uns alle einsetzt.

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Die Schönheit des Pfälzerwalds. Foto: pascaldietrichphotography

 

Steckbrief des Vereins Pfalzbiker e.V.

Vereinssitz: 76829 Landau
Gründungsjahr: 2017
Im Verein ausgeübte Sportdisziplinen: Mountainbiken im Pfälzerwald
Anzahl der Vereinsmitglieder (Stand 2020): ca. 250
Vereins-Vorstand: Michael Maul
Kontakt: www.pfalz-biker.com, info@pfalz-biker.com

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Weitere Information: Website des Pfalzbiker e.V.
Text: Martin Riedle
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Pfalzbiker e.V., pascaldietrichphotography

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