Während Fahrrad-Rucksäcke mit integriertem Rückenprotektor früher als Exoten galten, so führt mittlerweile, u.a. dank den immer populärer werdenden Enduro-Rennen, jeder große Hersteller ein solches Modell in seinem Sortiment. Evoc hat für das Modelljahr 2015 den EVOC Enduro FR Blackline 16L auf den Markt gebracht.

EVOC Enduro FR Blackline
EVOC Enduro FR Blackline

Produktvorstellung / erster Eindruck

Evoc, kein unbedeutender Name in der Branche, daher war die Erwartungshaltung an den Enduro FR sehr hoch. Entgegen den Evoc-typisch bunten Rucksäcken, kommt der Blackline (!!) als ein schwarzer, edel anmutender und für Evoc Verhältnisse dezenter Rucksack daher. In Neon Gelb abgesetzte Highlights sorgen für einen leichten Farbklecks.

Farbklecks, Neon gelbe Highlights
Farbklecks, Neon gelbe Highlights

Uns hat das Design im positiven Sinn umgehauen. Die Materialien fühlen sich sehr hochwertig an und die Mission des Enduro FR fällt dank dem großen Helmfach auf der Rückseite sofort ins Auge. Mit 16L bietet er genügend Stauraum, welcher für Tagestouren und Rennen ausreichen sollten. Wem der Stauraum dennoch zu wenig ist, der kann auf eine 20L Version zurückgreifen.

In dem Helmfach können Halbschalen-, als auch Fullface-Helme befestigt werden.

Das Material ist zwar stark wasserabweisend, wenn es dennoch etwas feuchter wird, bietet Evoc einen Regenschutz im Zubehör an. Schade, gerade für Enduro-Rennen, die bei jedem Wetter stattfinden, hätten wir diesen im Lieferumfang erhofft.

Wasserabweisendes Außenmaterial
Wasserabweisendes Außenmaterial

Die Aufteilung der Fächer ist übersichtlich und sehr gut durchdacht. Während auf der Rückseite oben ein mit Fleece gepolstertes Brillen- und unter dem großen Helmfach ein Werkzeugfach angebracht sind, ist das große Hauptfach mit einer Tasche für die Trinkblase unterteilt. Diese dient als Schutz, sollte die Trinkblase einmal undicht sein. Ein prominent angebrachter Klett fixiert die Trinkblase gegen Verrutschen.

Wer schon einmal an einem Rennen teilgenommen hat, der kennt diese ganz besondere Stimmung. Die Sinne sind geschärft, das Adrenalin fließt durch den Körper und alles ist auf Angriff gepolt. Selbst eine Panne auf nicht gezeiteten Bergaufpassagen eines Enduro-Rennens muss in kürzester Zeit behoben werden.

Genau hier macht sich die durchdachte Anordnung der Fächer bezahlt. Das Werkzeugfach lässt sich dank einmal herumgehenden Reißverschluss komplett öffnen, was nicht nur das Beladen vereinfacht, sondern auch im Pannenfall einen schnellen Zugriff auf das Werkzeug und die Ersatzteile zulässt.

Weit zu öffnendes und geräumiges Werkzeugfach
Weit zu öffnendes und geräumiges Werkzeugfach

Den Transport von Protektoren hat Evoc selbstverständlich bedacht und hat an der Unterseite Halteriemen zur Befestigung solcher angebracht. Weitere Features des Enduro FR sind die Signal-Pfeife am Brustgurt, Hüftgurt mit Tasche und abgesetzte Seitentaschen.

Das Hauptmerkmal des Rucksacks ist der integrierte Rückenprotektor. Die von Evoc neu entwickelte Lightshield Technologie soll den Fahrer im Sturzfall vor ernsthaften Rückenverletzungen schützen. Der Panzer formt sich beim Tragen der Wirbelsäule an, wodurch diese bis hinunter zum Steißbein geschützt wird. Um unterschiedliche Fahrergrößen optimal zu schützen, bietet Evoc als einer der wenigen Hersteller den Rucksack in drei Größen an: S, M/L und XL. Dank TÜV/GS Zertifizierung, gilt der Rückenschutz als vollwertiger Protektor.

Eine Tabelle zur Größenbestimmung ist auf der EVOC Homepage zu finden: >>Link

Hochwertigkeit kann oft an kleinen Details festgemacht werden. Beim Enduro FR sind das u.a. Gummibänder an jedem verstellbaren Gurt. Damit lassen sich die Gurtenden fixieren und flattern nicht wild umher. Die Trinkschlauchöffnung ist ebenfalls solch ein Detail. Ausreichend groß um das dicke Helix Mundstück der Source Trinkblase hindurch zu bekommen, ist es mit zwei Gummilippen gegen eintretende Nässe abgedichtet.

Gedichtete Trinkschlauchöffnung
Gedichtete Trinkschlauchöffnung

Unser Testmuster in der Größe M/L hat ein Leergewicht von 1,12kg und mit unserer Testbeladung ein Gewicht von 5,44kg. Zum Vergleich; Bliss Arg Vertical 5,5kg und Deuter Hydro EXP 5,24kg, allerdings beide in der 12L Ausführung und der Deuter OHNE Rückenprotektor.

Auf dem Rücken

Bei der ersten Anprobe fällt sofort die untypische Länge des Enduro FR Rucksacks auf, was mit dem Steißbeinschutz zu erklären ist. Diese irritiert zwar im ersten Moment, ist der Rucksack dank verstellbaren Schultergurten mit Kompressionsriemen, Brust- und Hüftgurt auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt, verschmilzt er förmlich mit dem Körper. Dank den breiten und gepolsterten Schultergurten, wird das aufgrund des Rückenprotektors deutlich erhöhte Gewicht, gut verteilt und fällt nicht störend auf.

Voll bepackt und trotzdem guter Sitz
Voll bepackt und trotzdem guter Sitz

Ungewohnt ist der breite Kletthüftgurt unter dem Hüftgurt. Dieser soll den Tragekomfort des herkömmlichen Hüftgurt mit Klickverschluss erhöhen.

Auf dem Trail

Was zeichnet einen Rucksack auf dem Trail aus? In unseren Augen vor allem Eines, er darf nicht stören. Weder im Uphill, noch auf „Waldautobahnen“ und schon gar nicht im Downhill.

U.a. aufgrund der breiten und gut gepolsterten Tragegurte lässt sich das Tragegefühl des Enduro FR mit einem Wort beschreiben: bequem. Durch den eng am Rücken liegenden Schwerpunkt entsteht in Uphills kein hecklastiges Gefühl. Bei korrekt eingestellten Gurten liegt der Rucksack fest an und bleibt selbst in ruppigen und schnellen Downhill-Abfahrten an Ort und Stelle.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rucksäcken, lässt sich die Hüftgurttasche während dem Tragen sehr gut erreichen und bedienen. Je nach Vorliebe könnte hier z.B. das Smartphone oder Verpflegung seinen Platz finden. Wer sein Smartphone z.B. als MP3-Player oder zur Trainingsmessung verwendet, wird sich über diese Tasche sehr freuen. Der direkte Zugriff minimiert das Aus- und Anziehen des Rucksacks enorm.

Nützlicher Stauraum für Elektronik oder Verpflegung
Nützlicher Stauraum für Elektronik oder Verpflegung

Der einzige Kritikpunkt am Tragekomfort geht an den breiten Kletthüftgurt. Dieser ist Fluch und Segen zugleich. Mit einer Breite von ca. vier Fingern, verteilt er auf der einen Seite die Zuglast des Hüftgurts angenehm großflächig, auf der anderen Seite kann er je nach Position auf dem Bike (meist in Uphills) leicht kneifen. Dieser Umstand hängt stark von der körperlichen Umständen des Fahrers ab, so dass dünne Fahrer diesen Nachteil kaum bis gar nicht zu spüren bekommen dürften.

Kommen wir zur Belüftung. Vorweg muss man sich allerdings über eines im Klaren sein, wer auf dem MTB einen Rucksack trägt und sich bewegt, der wird darunter schwitzen. Uns ist kein Belüftungssystem bekannt, welches einen nassen Rücken unterbindet. Wichtig ist allerdings, dass die entstehende Wärme gut abtransportiert wird, damit kein Hitzestau entsteht.

Evoc setzt zu diesem Zweck zwei Technologien ein: LITESHIELD CARRYING SYSTEM AIR am Rücken und AIRO FLEX am Hüftgurt. Beide Systeme schaffen es zuverlässig, die Wärme abzutransportieren, so dass auf der einen Seite kein Hitzestau entsteht, allerdings auch kein Kältegefühl.

Das Entlüftungssystem sorgt dafür, dass kein Hitzestau entsteht
Das Entlüftungssystem sorgt dafür, dass kein Hitzestau entsteht

Trocken hingegen blieb das Innere des Rucksacks nach einem leichten Regenschauer. Die stark wasserabweisenden Materialien haben hier bestens funktioniert. Gleiches gilt für die Trinkschlauchöffnung.

Wie bei all unseren Protektor-Rucksack-Tests blieben wir von Stürzen verschont, weshalb es schwer ist, die Funktion des Protektors zu bewerten. Rein von der Haptik und dem Eindruck des Protektors wirkt dieser vertrauensvoll und wir fühlen uns mit ihm bestens geschützt.

Fazit

Durchdachte Fächeraufteilung, viele clevere Details und bequemer Tragekomfort machen den EVOC Enduro FR Blackline zu einem der hochwertigsten Protektoren-Rucksäcke am Markt. Das edel anmutende, schwarze Design mit Neon Gelben Highlights rundet das Gesamtpaket ab.

Wenn gleich auch der breite Kletthüftgurt bei korpulenten Fahrern kneifen kann, gehört der Enduro FR zu den bequemsten Rucksäcken, die wir bis jetzt getestet haben. Unsere Highlights sind die gut positionierte Hüftgurttasche und das komplett zu öffnende Werkzeugfach.

Die 159,95€ UVP liegen nicht nur im Rahmen, sondern sind auch ein top Preis-/Leistungsverhältnis.

2 Kommentare

  1. […] bequem, verdammt bequem. Und das hohe Gewicht? Fällt gar nicht auf. Bis dato galt für uns der Evoc Enduro Blackline als bequemster Rucksack im Test. Diesen Rang hat ihm der Attack abgelaufen. Wie von Deuter […]

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