Mit Reverse Components aus dem beschaulichen Freudenstadt haben wir einen deutschen Hersteller vor der Haustür, der bis auf Schaltungen, Fahrwerk und Rahmen so ziemlich alles im Programm hat, was man an seinem Mountainbike verbauen kann. In unserem Fall war es soweit, das Bike für das Frühjahr fertig zu machen und dazu gehörten ein Satz neuer Bremsscheiben und passende Beläge.
Wie eingangs erwähnt, hat Reverse Components nahezu alles im Sortiment, was sich der anspruchsvolle Mountainbiker wünscht. Dazu gehört es natürlich auch, dass es nicht nur ein Bremsscheibenmodell, sondern gleich drei gibt. Vom Standard Stahlring, über eine zweiteilige Scheibe mit Aluspider hin zur AirCon Version mit zusätzlichem Kühlblech. In dieser Reihenfolge gestaltet sich auch direkt der Preisrahmen. Wer sein Rad mit weiteren farblichen Akzenten aufpeppen will, greift zu den Scheiben mit Aluspider und hat die Auswahl aus fünf Farben.
Reverse Components Bremsscheibe Durchmesser 203 mm Preise:
Stahl: 15,90 €
Aluspider: 59,90 €
AirCon: 69,90 €
Reverse Components AirCon Bremsscheiben
Die mit dem Namen AirCon versehenen Bremsscheiben sind das Flagschiff der Freudenstädter. Wenn es um maximale Performance, die steilste, oder die längste Abfahrt geht, sollen sie dank ihrer – zwischen Spider und Reibring montierten – Kühlbleche für noch mehr Wärmeabfuhr als eine zweiteilige Bremsscheibe sorgen. Weniger Hitze im Bremssystem bedeutet mehr Kontrolle an den Rädern. Ein entscheidender Faktor für jeden Mountainbiker, vor allem in Passagen, in denen man zum Schleifen der Bremsen förmlich gezwungen wird.
Mit einer martialischen Optik wirken die AirCon Bremsscheiben auf jeden Fall bereits sehr vertrauenserweckend. Für schweren Einsatz gedacht verwundert es wenig, dass die Scheiben auf der Waage ein ähnliches Bild zeigen. Mit 217 Gramm für die Version mit 203 mm Durchmesser und 150 Gramm für die 180 mm Variante haben sie ordentlich was auf den Rippen. Der Reibring aus Stahl ist für ein leichteres Einbauen der Räder abgerundet.
Reverse Components AirCon Bremsbeläge
Passend zu den AirCon Bremsscheiben haben wir die gleichnamigen Bremsbeläge erhalten. Auch hier dreht sich wieder alles um die zusätzliche Wärmeabfuhr. So sind die Bremsbeläge traditionell auf einer Stahlplatte aufgebracht. Der Clou ist aber, dass die Beläge auf einer Aluplatte mit zusätzlichen Kühlrippen aufgelegt werden. Die zusätzliche Oberfläche der Kühlrippen soll hier wieder den gewünschten zusätzlichen Wärmeaustausch generieren.
Die Verwendung von Kühlrippen auf Bremsbelägen kennen wir bereits von anderen Herstellern, doch sind diese direkt mit dem Reibmaterial verbunden. Mit wiederverwendbaren Aluträgern kann man also die Umwelt schonen und zusätzlich sind die Ersatzbeläge dadurch etwas günstiger. Das Set inkl. Aluplatte schlägt einmalig mit 22,90 € zu Buche, während beim Austausch der Beläge lediglich noch 12,90 € fällig werden.
Ein kleiner Nachteil dieses Systems zeigt sich in der Belagdicke. Bedingt durch die Sandwichbauweise bleibt eine Belagdicke von 1,9 mm zur Verfügung, wohingegen Originalbeläge 2,5 mm Belagdicke besitzen.
Beim Einbau ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. So sitzen die Beläge zwar durchaus gut in der Aluplatte, doch ist mir die Spreizfeder während des Einschiebens einmal hängengeblieben und ich musste den Vorgang wiederholen. Die Feder erscheint auch ein wenig zu großzügig ausgelegt, so hat sie sehr viel Spiel um den Belag und rutscht, wenn man nicht aufpasst, von der Trägerplatte runter. Das hatte im Betrieb keine Auswirkung, hat sich aber komisch angefühlt.
Auf dem Trail
Bevor es in den ersten Trail geht, müssen sich Scheibe und Beläge aneinander gewöhnen, was man im Volksmund auch „Einbremsen“ nennt. Ein Standardprozess, den man mit jeder neuen Paarung machen sollte. In der Regel reichen ein paar beherzte Vollbremsungen, um die volle Bremskraft zu erzielen.
Hier habe ich mir etwas mehr Zeit als üblich genommen. Einmal aneinander gewöhnt, generieren die Reverse Komponenten eine ordentliche Verzögerung, die nie den Wunsch nach mehr hervorgebracht haben.
Auf den Mittelgebirgesabfahrten mit gut 300 Tiefenmetern am Stück wurden die Scheiben ordentlich warm, haben aber stets für konstante Bremsleistung gesorgt. Ein Zeichen für eine heiße Scheibe war neben der ordentlichen Abstrahlwärme, dass man beim Abkühlen im Stand immer wieder „pling“ Geräusche wahrnimmt, die der Sandwichbauweise und der Wärmeausdehnung der Einzelkomponenten zuzuschreiben sind.
Die Bremskraft hängt natürlich nicht nur von den Reibpaaren, sondern auch von der Bremse ab. In den getesteten Shimano SLX M7100 (4-Kolben), Magura MT5 und MT4 zeigte sich aber ein ähnliches Bild, nämlich eine gutmütige Bremszunahme beim Zug am Bremshebel. Ein dosierter Stoppie, sofern der Fahrer dazu in der Lage ist, stellt also kein Problem dar. Im Gegensatz zu den originalen Shimano-Belägen neigen die Beläge von Reverse Components auch nicht zum klappern in der Bremse.
Ein weiterer erfreulicher Punkt ist, dass die AirCon Bremsscheiben von Reverse Components „Topf-eben“ sind. Bei einigen Bremsenherstellern ist der Abstand von Belag zu Scheibe sehr gering und mit minimalem Schlag an der Scheibe kann es durchaus nervtötend auf den Trail werden.
Fazit
Die Bremsscheiben von Reverse Components haben in unseren Test vollkommen überzeugt. Fahrer, die viel Zeit in Bikeparks oder steilem Gelände verbringen, also Orte wo die Bremse durchaus mal zum Kochen gebracht werden kann, sollten vielleicht mal einen Blick auf die AirCon Scheiben werfen. In unserem Test haben sie sich keine Blöße gegeben und wer seinem Rad einen farblichen „Touch“ geben möchte, kommt hier voll auf seine Kosten mit den verschiedenen Eloxalfarben.
Die Bremsbeläge hinterlassen ein leicht gemischtes Gefühl. Die Leistung steht völlig außer Frage und war immer reichlich vorhanden. Eine geringere Belagdicke im Vergleich zum Original und der teils fummelige Einbau schmälern ein wenig das positive Bild.
Dank Verwendung der wiederverwendbaren Aluminiumträgerplatten ist die Anschaffung von Ersatzbremsbelägen mit 12,90 € sehr erschwinglich.
Text u. Bilder: Thomas Kappel
Mehr Infos: reverse-components.com