Rennberichte gibt es wie Sand am Meer. Aber wie bereitet man sich eigentlich auf ein Rennen vor? Dies wollen wir anhand eines Selbstversuches mit einer kleinen Serie beleuchten. Jakub, unser Grafikdesigner und Methusalem in Sachen Enduro Rennen und unser Redakteur Philipp, absoluter Novize was Mountainbike Rennen anbelangt, haben im letzten Sommer gemeinsam das ein oder andere Rennen bestritten und berichten euch, wie sie dies angegangen sind. Sie werden euch berichten, wie sie sich auf die Saison vorbereitet haben, wie sie sich ein ideales Racebike vorstellen und werden alles wichtige um das eigentliche Rennen herum betrachten.

Aber was soll der Kram mit den Rennen eigentlich? Warum erfreuen sich die kleinen und großen Rennserien so großer Beliebtheit? Zu allererst ist der Nervenkitzel des Wettbewerbs zu nennen. Der Kampf gegen die Zeit und der Vergleich mit Gleichgesinnten reizen viele Piloten. Nichts Neues und wir kennen es auch aus anderen Sportarten. Zudem ist die Teilnahme an einem Rennen eine Chance, einmal aus der Komfortzone zu treten und die persönlichen Grenzen auszutesten. Vielleicht lassen sich die eigenen Fähigkeiten ausbauen, um am Ende des Tages sogar besser biken zu können. Auch das Gefühl von Abenteuer, bei dem immer etwas Unerwartetes passieren kann, spielt in unserem Sport eine sehr große Rolle. Weiter sind solche Rennen eine super Möglichkeit, neue und oft unzugängliche Trails in bisher unbekannten Orten zu fahren. Selten aber doch hin und wieder werden sogar extra neue Trails angelegt. Für viele nicht unwichtig ist der Aspekt, dass man diese Trails alleine fahren kann und das ohne Bedenken, durch Gegenverkehr oder Wanderer gestört zu werden.

Last but not least das „Miteinander“, die entspannte Atmosphäre unter Gleichgesinnten, die eventuell sogar zu Freunden werden können. Gerade bei den Rennveranstaltungen haben wir festgestellt, dass wir Biker als Gemeinschaft auftreten und das gleiche Ziel verfolgen, was in der Freizeit nicht immer der Fall ist.

Und letzten Endes ist ein Enduro Rennen mehr als nur ein Rennen. Es ist ganz viel Mountainbiken!

Mountainbiken pur

Ist man von der Idee überzeugt, an einem Enduro-Rennen teilzunehmen, geht es an die Planung. An welchem Rennen möchte ich teilnehmen? An allen Ecken und Enden sprießen kleine bis große Rennserien aus dem Boden und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Eine kleine Auswahl möchten wir euch hier kurz vorstellen:

Enduro One:
Die Enduro One Rennserie setzt sich, wie der Name schon sagt, aus mehreren Rennveranstaltungen an den verschiedensten Austragungsorten zusammen. Es ist aber auch möglich, nur an einzelnen Orten zu starten. Samstags können i. d. R. ausgewählte Stages trainiert werden. Außerdem findet am gleichen Tag ein Prolog statt, um die passende Startreihenfolge zu ermitteln. Sonntags findet dann das eigentliche Rennen mit 5-7 Stages statt. Die Stages sind alle nicht sehr lang und auch der Anspruch ist überschaubar, so dass sich die Enduro One gerade für Novizen anbietet. Als einer der wenigen Organisatoren bietet Baboons auch eine gesonderte Ebike-Klasse an. Außerdem gibt es ein eigenes Kids-Race, was uns besonders gefällt. Bedingt dadurch, dass es sich um eine Rennserie handelt, trifft man oftmals die gleichen Mitstreiter, so dass sich hier einige, teils nachhaltige Bekanntschaften entwickeln. Auch die tollen Event-Areas und die zahlreich ausgewiesenen Campingmöglichkeiten tragen ihren nicht unerheblichen Teil zu der ausgelassenen Stimmung während der gesamten Veranstaltung bei.

Termine 2018:

  • 12.05. – 13.05. Winterberg
  • 09.06. – 10.06. Roßbach
  • 07.07. – 08.07. Wildschönau
  • 04.08. – 05.08. Wipperfürth
  • 01.09. – 02.09. Ochsenkopf
  • 15.09. – 16.09 Aschau i. Chiemgau

Weitere Infos findest du unter folgendem Link: https://www.enduro-one.com/

Typisch für die Enduro One ist die Tatsache, dass zahlreiche Zuschauer am Streckenrand stehen und für ordentlich Stimmung sorgen

Trail Trophy:
Auch die Trail Trophy ist eine Rennserie mit einem Gesamtklassement. Dennoch ist es auch hier möglich, nur an einzelnen Rennen teilzunehmen. Die Rennen finden an zwei bzw. drei Tagen statt und es handelt sich dabei um sogenannte Blind Races, d.h. es findet kein Training der Stages im Vorfeld statt. Die Trail Trophy würden wir vom Schwierigkeitsgrad her mittelschwer einstufen. Die Stages sind grds. länger als beispielsweise bei der Enduro One und auch der technische Anspruch ist bei den Veranstaltungen im alpinen Gelände ebenfalls höher. Auch hier trifft man oftmals bekannte Gesichter, was sich immer positiv auf die Stimmung in und um die Pits auswirkt.

Termine 2018:

  • 05.05. – 06.05. Thüringer Wald
  • 25.05. – 27.05. Latsch
  • 16.06. – 17.06. Breitenbrunn
  • 03.08. – 05.08. Flims-Laax
  • 14.09. – 16.09. Kronplatz

Weitere Infos: http://www.trailtrophy.eu/

Lachende Gesichter sind wohl das beste Feedback

3 Länder Enduro Race:
Hierbei handelt es sich um ein einzelnes Rennen, welches über drei Tage geht. Freitags können offiziell alle Stages trainiert werden. Samstag und Sonntag sind dann die Renntage mit insgesamt 9 gezeiteten Stages. Da man bei dem 3 Länder Enduro Race Punkte für die EWS Qualifikation sammeln kann, ist das Niveau des Teilnehmerfeldes entsprechend. Auch die Trails rund um Nauders und Reschen sind anspruchsvoll und lang, aber dafür auch wunderschön.

Termin 2018:

  • 24.08. – 26.08. Nauders/ Reschen

Weitere Infos: http://www.3laenderenduro.com/

Enduro 2 in Davos:
In einer atemberaubenden Schweizer Bergwelt fährt man drei Tage lang im 2er Team rund um Davos auf feinsten, aber sehr anspruchsvollen Trails. Das Enduro2 Rennen zeichnet sich aus, durch die vielen internationalen Starter, einer super Organisation und guter Infrastruktur sowie Abenteuer pur. Aber Vorsicht, denn unserer Meinung nach ist das Rennen nur für gut geübte und Rennerfahrene geeignet. Denn wenn ein Trail mal nicht technisch anspruchsvoll ist, dann zehrt er meist in Form von weiten Distanzen an den eigenen Kräften. Auch wenn es bei uns 2017 nicht ganz optimal lief, war es unser absolutes Highlight.

Termin 2018:

  • 20.09. – 23.09. Davos

Weitere Infos: http://www.enduro2.ch/

Das Enduro2 Rennen in Davos verspricht tolle Trails in einer atemberaubenden Landschaft

Außerdem interessant:

Der Haken an der Sache ist, dass die Highlights wie das 3 Länder Enduro Rennen rund um Nauders, die Enduro One Serie oder die beliebten Standorte der Trail Trophy Rennserie sehr schnell ausgebucht sind. Das heißt, der frühe Vogel fängt den Wurm und es gilt, das Datum, an dem die Anmeldelisten öffnen im Kalender fett zu markieren und flink mit der Maustaste den Anmeldebutton anzuklicken.

Ist dies geschafft, ist es gerade bei größeren Veranstaltungen hilfreich, sich zeitnah um die Unterkunft zu kümmern. In gewissem Maße werden von den Veranstaltern meist kostenlose Campingmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Dieses Angebot wird auch liebend gern und zahlreich genutzt. Wer lieber in einer Pension oder Ferienwohnung nächtigt, findet passende Angebote auf den Touristikseiten der Region, in der das Rennen stattfindet. Aber auch „airbnb“ oder andere einschlägige Seiten im World Wide Web sind gute Adressen, um die passende Unterkunft zu finden. Da erzählen wir euch sicher nichts Neues. Wir haben alles ausprobiert vom Camping in den Pits, über Pennen im Auto, bis zum Übernachten in der Ferienwohnung oder im Hotel. Wie immer gibt es Vor- und Nachteile. So hat man in einem Hotel mit Frühstück oder Halbpension relativ wenig Arbeit neben dem eigentlichen Geschehen. Hier und da gibt es sogar ein gewisses Wellnessangebot, um die geschundenen Knochen und müde Muskulatur wieder zu beleben. Bei Mehrtagesrennen hat sich gerade ein Wäscheservice als wahrer Luxus herausgestellt. Die Ferienwohnung hat den Vorteil, dass man seine Ruhe hat, ein eigenes Bad und sich alles selbst einteilen kann. Jedoch hat uns gerade das Miteinander beim Camping in den Pits sehr gut gefallen. Es entstand eine richtig tolle Gemeinschaft, bei der Profis, Halbprofis und Amateure alle an einem Strang gezogen haben. Der eine kauft die Brötchen, der nächste stellt den Kaffee und die Milch und wieder ein anderer wendet abends die Steaks auf dem Grill. Und neben den Benzingesprächen konnte auch der ein oder andere Defekt gemeinsam gelöst werden. Wer aber auf warme Duschen und saubere Toiletten Wert legt, der muss hier Abstriche machen.

Selten ist man so allein

Kosten:

Was muss man preislich für ein Rennen kalkulieren? Beispielhaft am 3 Länder Enduro Race in Nauders haben wir euch mal die Kosten zusammengestellt.

Startgebühr 139,00€ / Person
Übernachtung

(Pension Alpenhof in Nauders)

47,00€ pro Person und Tag inkl. reichhaltigem Frühstück
Sonstige Verpflegung 25,00€ / Tag
Sonstige Kosten in unserem Fall kamen noch 120,00€ für Spritkosten und 8,90€ für die Vignette (Österreich) hinzu

Zu den oben genannten Aufwendungen können natürlich auch noch Kosten für eventuelle Ersatzteile auf euch zukommen. Auch die Spritkosten und die Kosten für sonstige Verpflegung können selbstverständlich stark variieren, aber als Anhaltspunkt möchten wir sie einfach erwähnen.

Dies war unser erster Teil der Race Story. Im nächsten Part gehen wir darauf ein, wie wir uns auf die Rennsaison vorbereitet haben.


Text: Philipp Kargel
Fotos: Jakub Reichhart, Manfred Stromberg

2 Kommentare

  1. Aloah,
    die Cannondale Enduro Tour in den Vogesen ist auch ein Blind Race geht einen Tag
    was man dazu sagen muss die Franzosen wissen echt was sie machen, es gibt jedes mal Verpflegung auf der Strecke und daach auch noch einmal, für 40-50€ Startgeld kann man da echt nichts sagen.
    Die Strecken sind meist auch anspruchsvoll aber bei weitem kürzer als zB beim 3LänderEnduroRace, die Vogesen sind ja so eher Schwarzwald Niveau 🙂
    Einige der Stages werden auch nur für die Rennen erstellt und dann auch wieder gesperrt, also einiges richtig Blind auch ohne training für Leute die sich auskennen.
    Grüße aus dem Schwarzwald
    Laszlo

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