Eiger-Mönch-Jungfrau: Kennen werden die meisten das Dreigestirn, dort biken waren vermutlich noch die wenigsten. Panorama satt und spaßige Trails – es lohnt sich!

Über Bern an Interlaken vorbei, biegen wir früh morgens nach Grindelwald ab. Am Pfingstegg in Grindelwald lässt es sich bequem Parken. Platz um unsere Bikes vorzubereiten steht ebenfalls zur Verfügung. Wir schwingen uns auf den Sattel, pedalieren zurück auf die Dorfstraße und halten uns rechts. Für die nächsten zwei Stunden heißt es „kurbeln“! Es geht immer die kleine Asphaltstraße auf die Große Scheidegg hinauf. Auf den folgenden 10 km und 900 hm muss jedoch keine Langweile gefürchtet werden, denn nach jeder Serpentine wird der Blick ins Tal und auf das gegenüberliegende Bergmassiv spannender.

Schnell gewinnen wir an Höhe und es wird ruhiger. Nur das Wasser, welches sich durch die massive Felswand bahnt, hören wir rauschen. Unterhalb der Großen Scheidegg lohnt es sich einen Blick in die Selbstbedienungsschränke zu werfen, in denen regionale Produkte wie Wurst und Käse angeboten werden. Das Angebot nehmen wir gerne an, werfen ein paar Franken in die Spardose, und freuen uns noch mehr auf die Vesperpause.

Auf der Scheidegg angekommen halten wir uns links. Nach einem kurzen Transfer biegen wir auf einen kleinen Trail ab, welcher sich am Hang entlang schlängelt. Das Panorama auf die Felsgiganten ist atemberaubend schön.

In sanften Wellen schickt uns der Trail in Richtung First. Dann wird es noch einmal steil, teilweise müssen wir schieben.

Die Bergstation First lassen wir schnell links liegen, dort herrscht uns zu viel Trubel.

Der Wegweiser verspricht den Wanderern, dass die Bachalpseen als nächstes Ziel in 50 Minuten erreicht werden können. Also sollten wir bereits in 20 Minuten die Etappe schaffen. Für uns heißt das: Gleich gibt es das verdiente „Zvieri uff m Bärg“. An den Bachalpseen angekommen suchen wir uns einen ruhigen Fleck im hinteren Teil, denn hier beginnt gleich unser Einstieg für die ersehnte Abfahrt.

Wir packen unser Vesper ein, clicken die Schuhe in die Pedale, kurbeln euphorisch los und stehen hinter der nächsten Ecke schon wieder. Warum? Wir müssen erst einmal den einzigartigen, grandiosen Ausblick auf uns wirken lassen, bevor wir uns auf die Abfahrt konzentrieren können.

Der vor uns liegende Trail schlängelt sich durch herbstlich gefärbte Wiesen, in einem wilden Bach spiegelt sich der Himmel. Von Wolken verschleierte, mit Schnee überzogene Bergmassive, runden das Panorama ab.

Wir fokussieren uns wieder auf den Trail und lassen die Bremse los. Wir fühlen uns auf unseren Enduro-Bikes wohl, flowige Abschnitte wechseln sich mit Felsplatten, Stufen und Felsabsätzen, kleinen Gegenanstiegen und Bachläufen ab. Wer sein Bike gut beherrscht und aufmerksam ist, findet immer eine fahrbare Linie.

An einem kleinen Holzstall angekommen fürchten wir, dass der Trailspaß schon vorüber ist, und die Schotterpiste anfängt. Wir halten uns rechts ein paar Meter bergauf, dann kommen die Bikes wieder von alleine ins Rollen. Oberhalb der Baumgrenze verengt sich ein Wiesenweg zu einem schönen, flowigen Trail zwischen Sträuchern, welche in herbstlichem rot leuchten. Über immer engere Kurven führt uns der Pfad in den Wald zurück in Richtung Grindelwald.

Zu Cocos Freude machen wir noch Halt an einem kleinen Waldsee, der durch seine dunkle Farbe sehr mystisch wirkt und für Abkühlung nach der rasanten Abfahrt sorgt.

Auf dem Weg ins Tal besteht die Möglichkeit in Höhe Allefluh die Aussicht auf die Eiger-Nordwand nochmals auf sich wirken zu lassen. Danach geht es weiter rasant über Stufenpassagen, steile Wiesen und bemooste Trails zurück ins Dorfzentrum von Grindelwald.

In Grindelwald ist der Trubel im vollen Gang. Wir nehmen Coco an die Leine und pedalieren dorfaufwärts Richtung Pfingstegg. Einen kurzen Stopp legen wir zum letzten Mal im Cafe C und M ein, um den Tag auf der ruhigen Sonnenterrasse gebührend ausklingen, und die Eindrücke Revue passieren zu lassen.

Der Aufstieg zur Großen Scheidegg ist auch mit dem Postauto möglich. Jedoch sind wir der Meinung, dass man sich die Franken sparen sollte. Die Asphaltstraße ist angenehm steil  und das Panorama überwältig stets. Mit etwas Glück, lassen sich Murmeltiere auf den Wiesen beobachten. Spätestens an den Bachalpseen sollte man unbedingt eine Pause einplanen. Obwohl uns die Wolken auf unserer Tour keine freie Sicht auf die gegenüberliegenden Viertausender-Gipfel gewehrten, herrscht hier oben eine ganz besondere Atmosphäre. Die darauf folgende Trail-Euphorie lässt alle vorherigen Anstrengungen vergessen, und so sitzen wir nun hier auf der Sonnenterasse noch immer mit einem Grinsen im Gesicht. Grindelwald ist nicht für seine Trails und als Bike-Destination bekannt, wir hatten jedoch trotzdem einen aufregenden und eindrucksvollen Tag mit unseren Bikes rund um Eiger, Mönch und Jungfrau. Wir fanden es toll!


Text: Josefine Holitzka @josefine.holitzka
Fotos: Jakub Reichhart @yaakkoov

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