Upside-Down Federgabeln sind nicht gänzlich neu auf dem Markt, aber jede neue, die das Licht der Welt erblickt, sorgt für ordentliches Aufsehen. Zum Vorbild nehmen sich die Entwickler meist die vermeintlich großen Brüder aus dem Motocross. Aber außer wenigen Beispielen, wie die Manitou Dorado, die DVO Emerald sowie die RockShox RS-1, konnten sich die Upside-Down Gabeln in der breiten Masse noch nicht wirklich behaupten. Dies versucht nun die kleine Firma Intend BC mit der Edge seit kurzer Zeit zu ändern. Wir durften die Edge für euch testen.

schlicht, aber verdammt sexy: die Intend Edge

Wenn wir von dem kleinen Unternehmen Intend BC (BC = Bicycle Components) sprechen, dann meinen wir das auch so. Denn hinter der Firma steht nur eine Person: Cornelius Kapfinger. Er entwickelt, konstruiert, vermarktet und vertreibt alle seine Produkte selbst. Neben der Edge sind das z.B. noch die Downhill-Gabel Infinity, der Vorbau namens Grace EN und der Intend Smarty.

Wie kommt Cornelius dazu, eine eigene Gabel zu entwickeln und zu konstruieren? Angefangen hat dies logischerweise mit der Leidenschaft für Mountainbikes. Nur beschränkte sich diese bei ihm nicht nur auf das Fahren, sondern er entfachte auch eine Leidenschaft für das Entwickeln. So fing er eines Tages an, eine eigene Federgabel zu konstruieren. Zunächst für sich selbst, dann auch vereinzelt für Freunde und Bekannte. Schließlich hat er mit Intend BC sein Hobby zum Beruf gemacht.

Auf einen Blick

Name Intend Edge
Laufradgröße 27,5“ (demnächst auch in 29“)
Federweg 0-176 mm in 10 mm Schritten; Standard sind 166 mm
Einstelloptionen Low Speed Zug- und Druckstufe (High Speed über Shims), Luftdruck, Kennlinie über Ölmenge in Luftkammer
Federung Luftfeder
Achsgröße 20 x 110 mm (Non-Boost)
Schaftlänge 205 mm
Bremsadapter 7 und 8“ PM
Gewicht 1960 g inkl. Bremsadapter
Farben Schwarz, blau (50,00 € Aufpreis)
Lieferumfang Federgabel, Sag-Tool, Aufkleber, Federwegspacer, Kabelführung
Preis 1.599,00 €

 

Warum Upside-Down?

Für Cornelius überwiegen die Vorteile dieser Konstruktionsweise: Die Steifigkeit der Upside-Down Bauweise in Fahrtrichtung ist höher als bei der gewöhnlichen Variante. Dies kann damit begründet werden, dass sich am höchsten Biegungsmoment, nämlich unterhalb der mächtigen CNC-gefrästen Krone, der dickste Durchmesser (44 mm) der Intend Edge befindet und die Gabel dadurch weniger nachgibt. Dies hat den Vorteil, dass der Radstand gleichbleibt und das Bike somit stabiler auf dem Trail liegt – was sich gerade in steilen Passagen und Steinfeldern positiv bemerkbar macht. Ein weiterer Vorteil ist die ständige Schmierung der Buchsen, da sich diese konstant im Öl befinden. Dem konstruktionsbedingten Nachteil der geringeren Verdrehsteifigkeit (mangels Brücke am Casting), entgegnet Intend eben mit großen Rohrdurchmessern (oben bzw. Standrohre = 44 mm; unten bzw. Tauchrohre = 35 mm) und mit bis zu drei Millimeter dicken Wandstärken. Auch die 20 mm Steckachse (20 x 110 mm) aus Stahl soll dafür sorgen, dass die Edge eine gute Torsionssteifigkeit an den Tag legt. Und trotz dieser massiven Bauweise bringt sie lediglich 1960 g Gewicht auf die Waage (inkl. Bremsaufnahme) – beachtlich!

Bei der Federung entschied sich Cornelius für eine Luftfederung und begründet dies mit einer besseren Einstellbarkeit und dem Gewichtsvorteil gegenüber einer Stahlfeder. Damit die Kennlinie dennoch einen ähnlich linearen Verlauf hat, wie eine stahlgefederte Gabel, besitzt die Edge eine sehr große Positivkammer. Und auch die Negativkammer wurde mit einer ordentlichen Größe ausgestattet, um der Edge eine gute Sensibilität am Federwegsanfang zu spendieren. Das Ziel ist es, der Gabel nur eine leichte Endprogression zu geben. Die Positiv- und Negativkammer sind miteinander verbunden und werden über ein Ventil befüllt. Die Negativluftkammer wird somit automatisch mit dem passenden Druck zur Positivkammer eingestellt.

Massive und schicke CNC-gefräste Krone

Im Gegensatz zu den meisten Mitstreitern auf dem Suspension Markt setzt Intend beim Dämpfungssystem auf ein offenes Ölbad statt einer Kartusche. Die Edge besitzt lediglich die Möglichkeit, die Low Speed Zug- sowie die Druckstufe per externem Reglern einzustellen. Weiter können diese nur in einem gewissen Wirkungsgrad verstellt werden. Dies hat den Hintergrund, dass die Einsteller laut Cornelius nicht das Grundsetup, also die Shims, ersetzen. Deshalb nimmt er sich im Vorfeld viel Zeit, um die Gabel auf die Vorlieben bezüglich Fahrstil und Fahrergewicht anzupassen. So erhält jeder Käufer eine individuelle Abstimmung. Auch auf die Einstellung der High Speed Druckstufe verzichtet Cornelius bewusst und begründet dies mit einem ungewünschten Verhalten (Knick) in der Dämpfungskennlinie. Wer eine Anpassung der High Speed Druckstufe wünscht, kann dies über die Shimstacks vornehmen. Traut man sich das selbst nicht zu, bietet Cornelius hier selbstverständlich seine Hilfe an. Einfluss auf die Endprogression kann über mehr oder weniger Öl in der Luftkammer genommen werden.

Ein wenig umdenken muss man bei der Position der Verstellrädchen. Die Zugstufe wird am rechten oberen Ende des Castings eingestellt und die Druckstufe am unteren rechten Ende. Während die Druckstufe per Klicks eingestellt werden kann, verzichtet Intend bei der Zugstufe auf Klicks und setzt lediglich auf „Umdrehungen“. Eine kleine, lustige Randnotiz: die Einstellrädchen stammen von Stereoanlagen.

Standardmäßig hat die Edge 166 mm Federweg. Diese können aber mit Hilfe von Spacern in 10 mm Schritten zwischen 0 und 176 mm Federweg angepasst werden.

Auf dem Trail

Nachdem der Einbau für keine großen Überraschungen gesorgt hat, haben wir die Gabel eingestellt. Für den SAG wählten wir 25 % und den Rebound haben wir so eingestellt, dass das Vorderrad beim Ausfedern nicht den Boden verlässt. Die Druckstufe haben wir unberührt gelassen, also keine Dämpfung hinzugedreht. So ging es erstmal auf den Trail – zunächst bergauf. Auch ohne eine Plattform oder gar Lockout verhielt sich die Edge bergauf recht unauffällig. Lediglich wenn man aus dem Sattel geht, fängt die Gabel deutlich an zu wippen. Und da sie trotz der 166 mm Federweg ähnlich hoch aufbaut wie andere Gabeln mit 160 mm, haben wir auch keine Absenkung vermisst.

Bergab haben wir dann den Charaktertest für die Edge durchgeführt. Ziemlich schnell haben wir festgestellt, dass wir bei 25 % SAG, keiner Luftkammeranpassung und keiner zusätzlichen Dämpfung selten bis gar nicht den Federweg komplett genutzt haben. Also entschieden wir uns, den Negativfederweg schrittweise etwas zu erhöhen. Am Ende sind wir bei knapp unter 30 % gelandet und haben zwei Klicks mehr Low Speed Dämpfung gewählt.

Die Edge lädt zum Spielen ein.

Trotz des sehr geringen Losbrechmoments, hatten wir das Gefühl, dass die Edge bei langsamen, technischen Passagen nicht den höchsten Komfort bietet. Sie wirkt hier ein wenig zu straff. Der Vorteil ist, dass die Edge selbst in sehr steilen Abschnitten noch recht hoch im Federweg stand. Wurden die Trails offener und schneller, zauberte uns das Erstlingswerk von Intend ein fettes Grinsen ins Gesicht. Mit zunehmender Geschwindigkeit fühlten sich Gabel und Fahrer wesentlich wohler. Und dann war es auch egal was sich einem in den Weg stellte. Ob Wurzeln, Steinfelder oder Sonstiges, die Edge nahm es mit allem auf und das Vorderrad hielt souverän die Spur. Ein Durchsacken oder ähnliches haben wir nicht feststellen können. Im Gegenteil, der Support und das Feedback fühlten sich jederzeit richtig angenehm und vertraut an und vermittelten so gerade bei hohen Geschwindigkeiten viel Sicherheit.

Geschwindigkeit gibt Sicherheit

Beim Bremsen aus hohem Tempo bietet die Edge aufgrund ihrer steifen Konstruktion in Bremsrichtung ebenfalls einen angenehmen Gegenhalt. Auch hier macht sich die gute Unterstützung der Dämpfung bemerkbar, denn die Gabel sackt nicht durch, sondern arbeitet einfach weiter. Dieses harmonische Zusammenspiel macht sie beim Anbremsen von Kurven oder Hindernissen unheimlich präzise.

Schicker Bremsadapter. Die Gabel ist auch für die Saint freigegeben

Nimmt man das Vorderrad zwischen die Beine und dreht am Lenker, kann man zwar sehen, wie sich die Edge seitlich verwindet, aber auf dem Trail haben wir davon rein gar nichts bemerkt. Wir hatten zu keiner Zeit das Gefühl, dass etwas übermäßig flext oder wir unsere angepeilte Linie nicht treffen würden. Im Gegenteil, die Edge legte eine sehr gute Spurtreue an den Tag.

Wie sieht es mit der Haltbarkeit aus?

Nach einigen Fahrten haben wir einen deutlichen Ölfilm auf den Tauchrohren und leider auch den Ausfallenden bemerkt. Das Öl drückte sich aus dem Inneren an den Dichtungen vorbei nach außen. Zurückzuführen war dies auf den Dichtungssitz aus der Vorserie. Diesen hat Cornelius bereits überarbeitet und optimiert. Nach Rücksprache mit ihm tritt dies bei den aktuellen Modellen nicht mehr auf.

Optisch sieht die Edge wirklich schick aus. Auch die Verarbeitung wusste uns zu begeistern. Was uns allerdings nicht ganz gefallen hat, waren die Aussparungen um das Ventil und den Zugstufenregler. Denn hier konnte sich sehr leicht viel Dreck sammeln, der leider nicht mehr ganz so leicht zu entfernen ist.

Ein Thema, auf das uns Cornelius schon im Vorfeld aufmerksam gemacht hat, ist der nicht vorhandene Schutz der Tauchrohre. Auf diesen Schutz verzichtet er bewusst, da er der Meinung ist, „dass im Fahrbetrieb die ‚offene‘ Länge der Rohre zu einem Minimum zusammenschrumpft. Da muss man schon SEHR genau treffen, um hier wirklich einen Schaden im Tauchrohr zu provozieren“. (Ein ausführliches Statement findet man auch auf seiner Facebook-Seite). Während unseres Testzeitraumes hat er recht behalten, obwohl wir mit der Edge u.a. auf den schroffen und steinigen Trails in Finale Ligure unterwegs waren.

Fazit:

Wir durften schon so einige spektakuläre Produkte testen, die für großes Aufsehen bei jeder Tour sorgten. Den Vogel hat nun die Intend Edge abgeschossen. Jeder, der die Edge an unserem Bike erspähte, wollte umgehend wissen, was das für eine Gabel ist und wie sie sich fährt. Was sollen wir sagen, sie fuhr sich richtig gut. Aufgrund des strafferen Grundsetups wusste die Edge gerade bei hohen Geschwindigkeiten sehr zu gefallen. Die sonst üblichen Nachteile der Upside-Down Gabeln wie geringer Verdrehsteifigkeit und hohes Gewicht, können wir in Bezug auf die Edge nicht bestätigen. Neben der tollen Performance, konnte uns auch die Verarbeitung begeistern. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Preis von 1.599,00 €. Dafür erhält man ein unheimlich spannendes sowie gut funktionierendes Produkt, mit einer tollen Background-Story und kann seinem Bike so eine exklusive Note verpassen.

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