Bonsai hat 2024 vielen Spielern gezeigt, was ein entspanntes Legespiel mit just genug taktischer Tiefe leisten kann. Nun legt das gleiche Autorenteam nach: Koi vom Kosmos-Verlag ist der inoffizielle Nachfolger – und er verbessert fast alles, was Bonsai schon gut konnte. Wer mit dem Gedanken spielt, knapp 40 Euro für das neue Plättchenspiel auszugeben, bekommt hier die entscheidenden Antworten.

Einen Gartenteich bauen – das Spielprinzip

Statt Zierpflanzen züchtet ihr bei Koi edle Kois in euren Gartenteichen. Jede Runde trefft ihr genau eine Entscheidung: Meditieren oder Arbeiten. Beim Meditieren nehmt ihr eine Karte aus der Auslage und kassiert Material – Wasserflächen, Laubstücke, Münzen oder andere Ressourcen. Beim Arbeiten legt ihr mit dem gesammelten Material Plättchen an euren Teich an und legt so Schritt für Schritt euren persönlichen Gartenteich an.

Das klingt schlicht, hat aber einen cleveren Dreh: Karten, die lange in der Auslage liegen, wandern automatisch nach rechts – und genau dort wartet der fetteste Bonus. Eine vermeintlich unattraktive Karte kann nach einigen Runden plötzlich das wertvollste Angebot auf dem Tisch sein. Daraus entsteht ein permanentes Abwägen: Nehme ich jetzt das Offensichtliche und lasse dem Gegner den Bonus-Slot – oder warte ich und riskiere, dass er mir zuvorkommt?

Beim Teichbau selbst gibt es mehrere Plättchentypen: Wasserflächen, Uferstücke (aufwertbar mit Steinlaternen), Laubflächen (aufwertbar mit Seerosen) und natürlich die Kois selbst. Kleine Kois bringen zwei Punkte, mittlere vier, große sechs. Den Teich zu füllen ist das Ziel – aber nur wer auch die Voraussetzungen für die großen Fische schafft, gewinnt am Ende die meisten Punkte.

Was Koi gegenüber Bonsai besser macht

Koi behält das Grundprinzip aus Bonsai bei – Meditieren versus Arbeiten –, verfeinert es aber an mehreren Stellen. Das Karten-Verschiebesystem sorgt für dynamischere Entscheidungen als das statischere Angebot bei Bonsai. Die 3D-Dekoelemente (Laternen, Seerosen) geben dem Spielfeld eine visuelle Tiefe, die an Tang Garden erinnert und Koi optisch zu einem echten Hingucker macht. Die Illustrationen von Emiliano Castellano sind detailverliebt – das Spiel liegt gut auf dem Tisch.

„Es gibt einfach Brettspiele, die haben den gewissen Wohlfühlfaktor. Koi legt im Vergleich zur geistigen Schwester Bonsai in vielen Belangen noch einen drauf.“ — Eurogamer.de

Der BGG-Score liegt bei 7,6 bei einem Komplexitätswert von 2,11 – das ordnet Koi klar als Kenner-Spiel mit moderater Komplexität ein. Für Bonsai-Fans ist das ein sicherer Kauf. Wer Bonsai zu einfach fand, bekommt hier etwas mehr strategischen Biss. Wer Bonsai schon zu komplex fand – nun, Koi liegt spielerisch auf einem ähnlichen Niveau, wirkt aber durch die dreidimensionalen Teichelemente organischer.

Faktenkasten: Koi | Kosmos-Verlag | 39,99 € | 1–4 Spieler | ab 12 Jahren | 45–60 Min. | Autoren: Battiato / Borzi / Chiacchiera | Illustrationen: Emiliano Castellano

Für wen lohnt sich der Kauf?

Koi funktioniert am besten zu zweit oder zu dritt – die Interaktion über die gemeinsame Kartenauslage ist dann am schärfsten. Der Solospielmodus ist vorhanden und funktioniert solide, aber das Spiel atmet, wenn mehrere Spieler gleichzeitig um die gleichen Karten konkurrieren und der Bonusmechanismus seine volle Dynamik entfaltet.

Als Gesellschaftsspiel mit echtem taktischem Kern füllt Koi eine Lücke, die nicht viele Titel besetzt: angenehm anzusehen, schnell erklärt, aber nicht in zehn Minuten vollständig durchdacht. Für Fans asiatisch inspirierter Legespiele und alle, die Bonsai mochten, ist Koi eine der besseren Neuheiten des Jahrgangs. Der Preis von knapp 40 Euro ist für den Gegenwert angemessen – wer ein sorgfältig gemachtes Familienspiel mit echter Entscheidungstiefe sucht, wird hier fündig.