Seit Monaten kursieren Gerüchte um ein mögliches Remake von „Uncharted: Drakes Schicksal“ – dem PS3-Debüt von Nathan Drake aus dem Jahr 2007. Podcast-Moderator Michael Kemp meldete Ende Juni sogar, das Projekt habe sich tatsächlich in Entwicklung befunden, Sony habe es aber fallen lassen, weil eine moderne Neuauflage zu große Eingriffe erfordert hätte. Wer sich fragte, warum genau, bekommt nun eine Antwort – direkt von Benson Russell, dem Game Designer der ersten drei Uncharted-Teile.

Zugänglich, spielbar, im Zeitgeist

Im Interview mit dem Spielemagazin FRVR stellte Russell unmissverständlich klar, was er von einem Remake hält – und warum. Sein Kernargument ist dabei weniger nostalgisch als schlicht praktisch: Die Trilogie ist nicht unzugänglich. Dank der „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ laufen alle drei Spiele auf PS4 und PS5 – flüssig, mit modernen Framerates, ohne Emulations-Umwege.

„Uncharted ist als Marke nach wie vor im Zeitgeist“, sagte Russell. „Es gibt bereits eine Version, die man auf modernen Konsolen spielen kann. Was bringt es also, das Spiel zu remastern oder neu zu machen?“

Der Einwand trifft einen wunden Punkt in der laufenden Remake-Debatte. Neuauflagen sind dann sinnvoll, wenn das Original heute kaum noch zugänglich oder spielbar ist – durch veraltete Steuerung, fehlende Plattformverfügbarkeit oder technische Hürden. Uncharted erfüllt keines dieser Kriterien. Die Spiele stehen auf aktueller Hardware bereit, und PlayStation-Plus-Abonnenten kommen ohne Zusatzkosten ran. Wer die Frage stellt, welche Spiele die Spielegeschichte nachhaltig prägten, landet bei Uncharted ohnehin schnell – die Reihe gehört zu den meistverkauften und einflussreichsten Franchises der letzten zwanzig Jahre.

System Shock ja – Uncharted nein

Für Russell ist das kein pauschales Urteil gegen Remakes. Als Gegenbeispiel nennt er System Shock: „Ein Remake davon macht jetzt viel Sinn – nicht nur weil man es kaum noch spielen kann, sondern weil die Steuerung damals viele Spieler abgeschreckt hat.“ Das PC-Original von 1994 hatte eine komplexe Tastenbelegung, die selbst Hardcore-Gamer herausforderte. Eine Neuauflage löst damit ein echtes Zugangs- und Usability-Problem.

Bei Uncharted gebe es kein vergleichbares Problem. Die Third-Person-Mechaniken des ersten Teils funktionierten 2007 solide – und haben sich nicht so grundlegend gewandelt, dass das Spiel heute unbespielbar wirkt. Wer es heute startet, braucht keine Eingewöhnungszeit.

Hinzu kommt ein inhaltliches Argument: Wer das Spiel grundlegend verbessern wolle, müsste zwangsläufig auch die Geschichte anfassen. „Man müsste die gesamte Geschichte neu schreiben, um sie besser zu machen, und das bedeutet, man verändert den Geist des Spiels und die Szenen“, erklärte Russell. Schlüsselmomente, die das Original definieren, wären plötzlich verhandelbar. Welche Setpieces bleiben, welche fallen – das seien keine Fragen eines Remasters, sondern die eines komplett neuen Spiels.

Hintergrund: Sony soll laut Berichten vom Juni 2026 ein Uncharted-Remake in Entwicklung gehabt, es aber gestrichen haben – wegen des Aufwands einer vollständigen PS3-Überarbeitung.

Ein Prequel statt einer Neuauflage

Statt eines Remakes plädiert Russell für etwas anderes: ein Prequel. Naughty Dog solle „den Geist der Reihe nehmen und ein neues Spiel in einer früheren Zeitepoche bauen – zurück zu dem, was es einmal war.“ Ein Blick auf einen jüngeren Nathan Drake, noch vor den Ereignissen von „Drakes Schicksal“.

„Man müsste die gesamte Geschichte neu schreiben, um sie besser zu machen – und das bedeutet, man verändert den Geist des Spiels.“

Die Parallele zu „The Last of Us Part 1″ zieht Russell explizit. Das 2022 erschienene Remake des 2013er-Originals war intern wie extern umstritten – und für Russell ein bekanntes Muster. „Das sind alte Spiele aus einem Grund“, sagte er. Ein Remake fühle sich letztlich „mehr wie ein Cash Grab an als wie etwas wirklich Notwendiges.“

Naughty Dog arbeitet derzeit an Intergalactic, einem neuen Science-Fiction-Projekt, das 2025 angekündigt wurde. Uncharted hat dort vorerst keinen Platz. Aber Russells Botschaft ist klar: Wer Nathan Drake eine Zukunft geben will, sollte nicht die Vergangenheit neu anstreichen. Mehr über aktuelle Entwicklungen in der Gaming-Szene findest du hier.

Uncharted wird 2027 zwanzig Jahre alt. Das wäre ein guter Zeitpunkt für etwas Neues – nicht für eine Neuinterpretation von etwas, das bereits gut funktioniert.