95 Nm Drehmoment, 600 W Spitzenleistung, ein Motorgewicht von 2,9 Kilogramm – auf dem Papier ist der Qore Drive³ Peak ein vollwertiger Mitspieler im Full-Power-Segment. Doch Zahlen allein entscheiden keine Fahrerherzen. Velomotion hat das neue Antriebssystem einem ausführlichen Praxistest unterzogen: Wie natürlich fühlt sich ein Motor an, der einst als Brose-Antrieb im Specialized Turbo Levo glänzte und nun unter eigenem Namen auf den Markt drängt?

Von Brose zu Qore: Ein Antrieb neu aufgestellt

Für aufmerksame E-MTB-Fans ist der Drive³ Peak kein Unbekannter. Das Aggregat debütierte 2023 auf der Eurobike und feierte 2025 seinen ersten prominenten Serienauftritt im Specialized Turbo Levo 4. Im Hintergrund lief die strategische Übernahme der Brose-E-Bike-Sparte durch Yamaha – seither tritt das System als Qore by Brose auf. Das Berliner Entwicklerteam und der Service bleiben erhalten, der Markenname Qore soll langfristig Bestand haben.

Das gesamte System setzt auf 48-Volt-Architektur. Der Motor liefert bis zu 600 % Unterstützungsfaktor und wird ergänzt durch zwei Akku-Varianten: den Battery InTube 800 mit 792 Wh und den Battery InTube 650 mit 649 Wh. Beide Einheiten nutzen 21700er-Zellen in einer 13S-3P-Konfiguration. Im Velomotion-Test kam der große 800er-Akku zum Einsatz.

Fünf Fahrmodi und smarte Ladetechnik

Der Qore Drive³ Peak bietet die Modi Eco, Tour und Boost – ergänzt durch zwei Spezialmodi. Der One Mode passt die Unterstützung progressiv an den Fahrstil an und soll ein organisches, belohnendes Fahrgefühl erzeugen. Der Punch Mode entfesselt die volle Leistung mit direktem Ansprechen. Im Velomotion-Test reagiert der Punch Mode extrem sensibel: Schon das Absetzen des Fußes auf dem Pedal beschleunigt das Bike spürbar nach vorne.

Im direkten Reichweitenvergleich erreichten Velomotion-Tester mit dem Qore Drive³ Peak und 792 Wh 1.900 Höhenmeter – das Specialized Turbo Levo 4 mit 840 Wh kam auf 1.605 Hm, allerdings mit deutlich höherem Durchschnittstempo.

Das Qore Smart Charger bietet drei Lademodi: Im Eco-Modus lädt das System bis 85 % bei 2,5 A – laut Hersteller verlängert das die Akkulebensdauer um das Dreifache. Der Standard-Modus füllt den 800er in rund 6 Stunden 45 Minuten, der Fast Mode schafft das in 4 Stunden 33 Minuten. Im Vergleich zu Schnellladesystemen wie dem DJI-Charger (rund 2 Stunden 15 Minuten) bleibt Qore noch hinter der Benchmark.

Fahrverhalten auf dem Trail

Im Praxistest beschreibt Velomotion das Fahrgefühl als grundsätzlich harmonisch und leise – akustisch vergleichbar mit dem Bosch Performance Line CX Gen5. Der Motor gibt gleichmäßig Kraft ab, der Nachlauf nach dem Pedalieren ist sinnvoll abgestimmt und hilft beim Überwinden technischer Uphill-Passagen. Die 48-Volt-Architektur sorgt für konstante Leistungsabgabe auch unter Last.

Allerdings zeigt der Antrieb im Boost-Modus ein etwas ungestümes Ansprechverhalten, das auf anspruchsvollen Trails spürbar wird. Die Feinfühligkeit eines Bosch CX oder Shimano EP8 erreicht der Qore Drive³ Peak noch nicht vollständig. Das Fahrverhalten im Test ist solide, aber kein neuer Maßstab in dieser Klasse.

Hinweis: Ein Performance-Update ist bereits angekündigt: Der Qore Drive³ Peak soll auf 105 Nm Drehmoment und 800 W Spitzenleistung aufgewertet werden – ein deutlicher Sprung, der das System neu positionieren könnte.

Das Ökosystem ist der entscheidende Faktor

Der Antrieb selbst überzeugt technisch. Das Problem liegt anderswo: Das aktuelle Ökosystem aus Remote, Display und App hält dem Wettbewerb nicht stand. Die Control-Allround-Bedieneinheit mit 1,9-Zoll-Farbdisplay wirkt im Trail-Einsatz zu exponiert und klobig – ein Sturz kann das Display ungewollt aktivieren. Specialized hat mit dem Levo 4 gezeigt, wie ein kohärentes System aussieht: intuitive App, trail-optimierte Remote, integrierte Schnellladefunktion.

Für Trekking- und City-Bikes ist das aktuelle Qore-Ökosystem durchaus akzeptabel. Für den anspruchsvollen MTB-Trail-Einsatz braucht das System Weiterentwicklung. Ob die Yamaha-Übernahme das Entwicklungstempo beschleunigt, bleibt abzuwarten. Das Potenzial des Antriebs ist vorhanden – die Umsetzung des Gesamtpakets muss noch folgen. Aktuelle Bike-News und weitere Tests gibt es in unserem News-Bereich.