Was hat ein Rennradtrikot mit Silberfäden zu tun? Laut Q36.5 schützen sie vor dem „negativen Einfluss natürlich entstehender elektrischer Ladungen, die beim Sport entstehen”. Ob das wirklich spürbar ist, lässt sich kaum messen. Das Adventure Tech Merino hat jedoch handfestere Qualitäten, die seinen Preis von rund 150 Euro besser rechtfertigen – wenn der Einsatzzweck stimmt.

Was steckt im Stoff: Material und Verarbeitung

Das Trikot besteht aus einem ungewöhnlichen Materialmix: 51 Prozent Polyamid bilden das Grundgerüst, ergänzt durch 23 Prozent Merinowolle, 14 Prozent Polyester, 11 Prozent Elastan – und besagte ein Prozent Silberfäden. Q36.5 bezeichnet die Kombination als „Adventure Tech” und bewirbt sie als optimale Thermoregulation bei wechselnden Bedingungen.

Der Merinoanteil erfüllt mehrere Aufgaben: Er isoliert bei kühlen Temperaturen, atmet bei Wärme und hat natürliche geruchshemmende Eigenschaften – die Q36.5 im Begleittext interessanterweise nicht explizit nennt, obwohl sie zusammen mit dem Silber ein starkes Verkaufsargument wären. Das Trikot ist laut Hersteller für Temperaturen ab 18 Grad Celsius ausgelegt; mit einer dünnen Unterziehschicht funktioniert es auch etwas darunter gut.

Verarbeitung und Materialqualität sind auf dem für Q36.5 typischen hohen Niveau. Das Gewebe fühlt sich weich und gleichmäßig gespannt an, die Nähte liegen flach. Das „invisible pocket system” – so die Markenbezeichnung – ist allerdings nicht wirklich unsichtbar: Die Taschen sind aus einem anderen Material eingearbeitet und damit sichtbar. Ein kleines Marketingversprechen, das die Praxis nicht ganz einlöst.

Passform: Entspannt und breit – mit einem Vorbehalt

Q36.5 positioniert das Adventure Tech klar als Endurance-Trikot: kein Race-Fit, sondern ein großzügigerer Schnitt für mehrstündige Ausfahrten und Gravelbike-Touren. Die Größentabelle empfiehlt tendenziell eine Nummer kleiner als gewohnt – wer auf der Grenze zwischen zwei Größen liegt, sollte die kleinere wählen.

Der Körper sitzt angenehm, der Stoff ist weich und dehnungsfreudig. Weniger überzeugend sind die Ärmel: Sie fallen merklich weiter aus als bei vergleichbaren Trikots – nicht störend im Fahralltag, aber für alle, die einen körpernahen Schnitt gewohnt sind, zunächst ungewohnt. Dasselbe gilt für die drei Rückentaschen: Beim Beladen können sie spürbar ziehen, weil das weiche Material wenig Eigensteifigkeit mitbringt. Wer viel auf langen Touren mitnehmen möchte, sollte das einkalkulieren.

Praxis-Tipp: Bei Q36.5 immer mit den eigenen Maßen in die Größentabelle gehen – die Empfehlung fällt oft eine Nummer kleiner aus als bei anderen Marken. Wer einen Medium trägt, beginnt besser mit der Größenempfehlung S oder M und misst nach.

Fazit: Solide Wahl für Gravel und Ausdauer – kein Allrounder

Das Q36.5 Adventure Tech Merino trifft eine klare Zielgruppe: Radsportler, die lange Touren und Gravelbike-Ausfahrten bevorzugen, keine Race-Passform brauchen und Wert auf natürliche Materialien legen. Das Trikot ist weder das leichteste noch das aerodynamischste seiner Preisklasse – es will auch keines sein.

Für Tempotouren auf dem Rennrad oder kurze, schnelle Einheiten gibt es besser geeignete Optionen. Für drei bis sieben Stunden im Sattel bei wechselhaftem Wetter ist es dagegen eine überzeugende Wahl: gute Thermoregulation, angenehmes Material und ein Schnitt, der auch nach Stunden nicht drückt. road.cc bewertet das Trikot mit 8 von 10 Punkten.

Preis: rund 150 Euro (Hersteller: q36-5.com). Weitere Ausrüstungstests und Neuheiten aus der Radwelt finden sich im Cycleholix News-Bereich.