45 Millimeter Reifen ab Werk, Platz für bis zu 50 mm, eine komplett überarbeitete Geometrie und ein neu justierter Einstiegspreis von £800 – Merida hat den Speeder für 2027 von Grund auf neu gedacht.
Das Flatbar-Bike war bisher als schnelles Pendler- und Fitness-Rad bekannt, das vor allem auf Asphalt zuhause war. Mit dem 2027er Modell zieht Merida eine klare neue Linie: Der Speeder soll nicht mehr nur für die Stadt taugen, sondern auch für Schotterausflüge, Bikepacking-Wochenenden und raueres Terrain. Damit rückt er spürbar in Richtung Gravel-Bike, ohne den charakteristischen Flatbar aufzugeben.
Reifen bis 50 mm: Der entscheidende Schritt
Frühere Speeder-Modelle liefen auf 32-mm-Reifen, mit Platz für maximal 35 mm. Das war für Stadtfahrten ausreichend – aber eng. Die 2027er Generation setzt ab Werk auf 45-mm-Reifen, das Rahmendesign erlaubt bis zu 50 mm Breite.
Je nach Modell kommen unterschiedliche Reifen zum Einsatz: Die beiden gehobenen Varianten Speeder 300 und 500 rollen auf dem Schwalbe G-ONE Allroad bzw. G-ONE Comp in 45 mm, die günstigeren Modelle 100 und 200 setzen auf den Kenda Piedmont. Schwalbe G-ONE-Reifen sind in der Gravel-Szene gut etabliert – komfortabel auf Asphalt, griffig auf losen Untergründen und pannensicher genug für längere Touren.
„Größere Luftvolumen erhöhen den Komfort und verbessern den Pannenschutz auf rauen Oberflächen und schlaglochübersäten Straßen“, erklärt Merida. Und: Trotz 45-mm-Bereifung bleibt Platz für Schutzbleche.
Mehr Montage-Punkte ergänzen das Bild: Gepäckträger, Schutzbleche, extra Ösen am Oberrohr und an der Außenseite der Gabel beim Speeder 500 – das Bike denkt jetzt in Richtung Reise und Abenteuer.
Geometrie: Mehr Sitzrohrfreiheit, weniger Lenkwinkel
Merida hat auch das Rahmendesign angepasst. Das Oberrohr ist stärker abfallend als bisher, was mehr Sattelstütze freilegt. Das klingt nach einem Detail, wirkt sich aber direkt auf den Fahrkomfort aus: Mehr Sitzrohrfreiheit bedeutet mehr Flex und damit weniger Vibrationsübertragung.
Dazu kommt ein dünneres 27,2-mm-Sattelrohr, das zusätzlich dämpft. Und der Lenkwinkel wurde leicht flacher gestellt – das Bike wird dadurch auf losen Untergründen stabiler und kontrollierbarer, ohne auf der Straße träge zu wirken. Für die Speeder-500-Variante borgt sich Merida die Carbongabel direkt aus der eigenen Silex-Gravel-Linie.
Das Speeder-2027-Lineup: Vier Modelle, ein Konzept
Alle vier Varianten setzen auf Aluminium-Rahmen. Der Speeder 500 bekommt als einziges Modell die hochwertige AL-A-IV-Legierung mit glatter Carbon-Look-Oberfläche, die anderen drei nutzen die Standard-Ausführung.
Wichtig beim Antrieb: Speeder 500, 300 und 100 fahren mit 1x-Schaltgruppen (Shimano CUES bzw. Essa), nur der Speeder 200 behält den klassischen 2x-Antrieb mit Umwerfer. Die Preise im Überblick:
- Speeder 100 – £800 · Shimano Essa 8-fach · Kenda Piedmont 45mm · Hydraulische Scheibenbremsen
- Speeder 200 – £850 · Shimano CUES 2×9-fach · Kenda Piedmont 45mm · Hydraulische Scheibenbremsen
- Speeder 300 – £1.000 · Shimano CUES U6000 1×11-fach · Schwalbe G-ONE Comp 45mm · Merida-Alu-Gabel
- Speeder 500 – £1.500 · Shimano CUES 1x · Schwalbe G-ONE Allroad 45mm · Silex-Carbongabel
Neu ist außerdem eine Tiefeinstieg-Variante (Low-Step-Through) für alle Modelle der Range – das war bisher nicht flächendeckend verfügbar.
Für wen macht diese Entwicklung Sinn? Merida sieht den neuen Speeder als Alternative zu sportlicheren Bikes wie dem Silex oder dem Scultura Endurance – für Fahrer, die keinen Dropbar wollen, aber mehr als Stadtasphalt anpeilen. Das Einstiegsmodell für £800 mit hydraulischen Scheibenbremsen und 45-mm-Gravel-Reifen ab Werk ist für diesen Preis ein starkes Paket. Ob der Speeder damit endgültig die Grenze zwischen Fitnessbike und Gravel-Bike aufhebt, werden die ersten Tests zeigen – die dürften nicht lange auf sich warten lassen.