Sciu Juniper – noch nie gehört? Das ist kein Wunder, ist die brandneue Marke aus Hamburg doch erst im letzten Jahr entstanden. Wir haben das Juniper, welches das Gravelbike der Firma ist, einem ersten Test unterzogen. Wir hatten exklusiv die Möglichkeit das Sciu Juniper als Erstes zu testen. Ob und wie es überzeugt hat, klärt unser ausführlicher Einzeltest des Erstlingswerks von Sciu Bikes.

Sciu Juniper – Daten und Fakten

Das Thema Gravel ist nach wie vor heiß! Kein Wunder, kann mit so einem Bike doch wunderbar die Brücke zwischen Road und MTB geschlagen werden. Das Sciu Juniper ist dabei ein waschechter Vertreter dieser Gattung. Das erkennt man vor allem direkt an den diversen Haltepunkten an Gabel und Rahmen. Hier hat man über Taschen, Gepäckträger und Co. so ziemlich alle Möglichkeiten.

 

Im Hauptrahmen lassen sich zwei Flaschenhalter befestigen und für Menschen, die es bevorzugen, noch jeweils ein weiterer unter dem Unterrohr und einer auf dem Oberrohr. Natürlich kann man die Haltepunkte auch für Taschen oder anderes Zubehör nutzen. Den Optionen sind hier wenige Grenzen gesetzt und sollten vor allem Freunde des Bikepacking aufhorchen lassen. Ebenfalls ist es möglich einen Umwerfer zu montieren, um höhere Bandbreiten bzw. eine andere Abstufung zu erreichen.

Vor allem im Bereich Road und Gravel gehören 2x Antriebe noch lange nicht zum alten Eisen.

Der Rahmen alleine kommt auf ein Gewicht von 980 Gr in Größe M. Die Gabel auf 450 Gr und das Gesamtgewicht den Komplettbikes liegt knapp über 8.5 Kg.

Angeboten wird das Sciu Juniper in den Größen S-XL und in drei Varianten. Die eine ist das Walnut-Framekit, inklusive Gabel, Vorbau, Steuersatz und Sattelstütze. Die andere ist ein Komplettbike, welches mit durchdachten Komponenten auf den Markt kommt. Sciu setzt auf die Sram Force 1 Schaltgruppe, Syntace Laufräder und einen Komponentenmix aus Spank und WTB. Schlussendlich gibt es auch noch eine Frame-only Variante

Das Framekit kostet 2.249 €, das Komplettbike liegt aktuell bei 4.199 €

Für welche Variante man sich entscheidet, man erhält einen sehr hochwertig verarbeiteten, eleganten und vor allem cleanen Carbonrahmen. Entscheiden muss man sich dann noch zwischen zwei Farben, welche auf die Namen Thorn Grey/Slate Grey und Deep Berry/Slate Grey hören. Und beide sehen verdammt gut aus.

Eine besondere Erwähnung verdient der Sciu Juniper Vorbau, welcher ebenfalls aus Carbon gefertigt ist. Dieser kommt mit einem Kabelmanagement und geht direkt in die interne Zugführung über. Das sorgt nicht nur für ein cleanes Cockpit, sondern im Gesamten für ein sehr aufgeräumtes Bike. Ganz nebenbei punktet er zusätzlich durch eine sehr hochwertige Optik.

Wer ist jetzt eigentlich Sciu Bikes?

Eigentümer Sven Hecker ist von Haus aus Unternehmer, welcher dem Bikehobby vollends verfallen ist. Aufgrund dieser Leidenschaft ist er während der Corona-Krise kurzerhand auf die Idee gekommen, seine eigene Bikemarke zu gründen. In Zeiten, in denen Komponenten extreme Mangelware bzw. nur mit sehr langen Wartezeiten zu bekommen sind, ist das schon durchaus eine Ansage.

Wenn dann nach kurzer Zeit zwei lieferbare Modelle entstehen, dann kann man durchaus mal staunen. Machen ist wie wollen, nur eben viel krasser!

Mit ins Boot hat man sich noch Gjovalin Pepaj geholt, der lange Zeit Vertrieb und Marketing bei Santa Cruz gemacht hat und dadurch ein hohes Maß an Expertise und Branchenkenntnis mit in die neue Marke bringt. Als Mitgründer kann er jetzt sein volles Potenzial bei Sciu sicher besser nutzen und freut sich auf die Herausforderung, mit einer komplett neuen Marke durchzustarten.

Zum Beginn geht man mit dem Juniper und dem Aspen in das Rennen. Letzteres ist ein waschechtes Endurobike mit 170 mm Federweg an der Front und 158 mm am Heck. Trockene Aussage von Sciu dazu „Alles, was mit dem Gravel nicht geht, machst du mit dem Enduro. Ist das Enduro zu viel, nimmst du das Gravel“.

Am Ende vielleicht etwas überspitzt und man muss schon hart drauf sein, um mit einem Gravel lockere Trails zu fahren, aber grundsätzlich möglich ist das durchaus. Man darf sicher trotzdem davon ausgehen, dass im Hintergrund schon fleissig an einem Bindeglied zwischen Enduro und Gravel gearbeitet wird.

Die Firma aus dem Norden hat sich dazu noch eine erweiterte Garantie auf die Fahnen geschrieben. Diese „Oversize-Garantie“ genannte Variante bietet 6 Jahre Garantie auf den Rahmen. In Zeiten von „Lifetime-Garantien“, welche manche Hersteller auf ihre Rahmen bieten, ist das auf den ersten Blick nichts Besonderes. Sciu bietet diese Garantie aber auch für die Folgebesitzer, unabhängig davon durch wie viele Hände das Bike gegangen ist.

Nach aktuellem Stand haben sie damit ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt. Wichtig ist dabei eigentlich nur, dass der originale Kaufbeleg dabei ebenfalls den Besitzer wechselt. Ein Crash Replacement für den Fall der Fälle ist ebenfalls erhältlich.

Ab in den Wald

Das Sciu Juniper, welches ich zum Testen erhalten habe ist Größe M, welche mir erfahrungsgemäß sehr gut passt. Das erste Aufsitzen und Proberollen bestätigte das und ich saß angenehm kompakt auf dem Juniper. Einzig der Lenker dürfte für meinen Geschmack etwas weiter oben sein. Ein Umstand, der sich mit dem Einsatz von Spacern aber noch optimieren lässt.

Davon abgesehen ist das Testbike nicht mit den Serienkomponenten ausgestattet. So wurde hier noch kein Spank Vibrocore Lenker verbaut und Schaltgruppe sowie Bremse kommen von Shimano. 

Der Rest ist identisch zur Serie, was mich vor allem bei den WTB Riddler Reifen freut. Ich kann nicht oft genug betonen, wie persönlich die Reifenwahl ist, aber meiner Meinung nach ist der Riddler einer, wenn nicht sogar der beste Gravelreifen auf dem Markt. Und das soll was heißen, denn die MTB Reifen von WTB konnten bisher wenig Begeisterung in mir wachrufen.

Typisch für diese Gattung von Bikes, wird jeder Tritt in das Pedal souverän in Vortrieb umgewandelt. Das ist auch beim Juniper nicht anders und stellt keine herausragende Eigenschaft dar. Die Faserlegung des Vollcarbon-Rahmens aber durchaus, denn hier kombiniert man Flex und Steifigkeit auf sehr gekonnte Weise.

Vor allem am Heck ist das Sciu Juniper ungewohnt schluckfreudig, wenn es über gröberes Gelände geht. Das schafft nicht nur Vertrauen, das ist auch klasse für alle Gelenke und Wirbel.

Dabei geht es präzise und mit leichter Verspieltheit über die anvisierte Strecke und wird auch bei langsamerer Fahrt nicht kippelig an der Front. Etwas unruhig wird es erst, wenn man mit knapp 50 km/h den Feldberg hinab fährt. Ein Umstand der bei dieser Kategorie Bike aber ganz sicher nicht unüblich ist.

Die Position im Bike ist dabei  ausgewogen und das Juniper ist sehr gut ausbalanciert. Auch bei fiesen Rampen mit über 15 % Steigung und Wiegetritt erzeugte das Heck immer sehr gute Traktion, obwohl mein Schwerpunkt dabei ordentlich nach vorne wandert. Man fühlt sich im Allgemeinen sehr schnell verbunden mit dem Juniper und braucht nur minimale Eingewöhnungszeit. Dabei kann man auf dem Waldweg und/oder Trail auch schnell mal ein paar Faxen machen. 

Einzig auf sehr steilen Rampen hätte ich mir mehr gewünscht als die 1×11 Schaltung. Da braucht man dann schon ordentlich dicke Beine und eine 2x oder 3x Schaltgruppe wäre keine schlechte Idee. Der Rahmen bietet diese Option, was mich sehr gefreut hat. Manch anderer Hersteller hat diese Option an seinem Gravelrahmen schon komplett gestrichen.

Ein Feature welches man nicht an jeder Ecke sieht, die die Klemmung der Sattelstütze. Es gibt keine Sattelklemme, sondern einen internen Klemmklotz, welcher mittels Innensechskant am Übergang von Oberrohr zu Sattelrohr verstellt wird. Dieser sollte mit ca. 7 Nm angezogen werden. Macht man das unterwegs, sollte man also entweder einen Drehmomentschlüssel dabei haben, oder einfach vorsichtig sein.

Mit einem gemessenem Drehmoment von 5 Nm saß die Stütze aber bereits fest im Sattelrohr. Die Klemmung scheint also trotz geringer Kräfte sehr gut zu funktionieren.

Im spontanen Sprint gibt sich das Juniper keine Blöße und geht vehement nach Vorne. Für dauerhafte Sprints oder gar den Renneinsatz nimmt man sich aber ohnehin andere Kandidaten vor. Das Juniper möchte vor allem auch ein Langstreckenbegleiter sein, was mein erster Eindruck nach ein paar Testwochen bestätigt.

Fazit

Das Sciu Juniper ist in seiner ersten Inkarnation bereits ein sehr ausgereifter und durchdachter Vertreter seiner Zunft. Wenn man überlegt, dass die Marke praktisch aus dem Nichts entstanden ist, stützt das den positiven Eindruck noch mehr. Die Optionen für den Käufer sind kurz und bündig, eine weitere Version des Komplettbikes mit 2×12 Antrieb wäre sicher eine Überlegung wert. Alle Anderen werden mit der Force 1 sicher souverän den Berg hochkommen.

Touché nach Hamburg, nahezu alles richtig gemacht. Ich bin mir sicher, dass man in Zukunft noch einiges von der Marke hören wird.


Text und Redaktion: Patrick Frech, Robin Krings
Fotos: Patrick Frech
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