Schotter, steil bergauf, und kein Motor. Genau das ist die Situation, in der ein E-Gravelbike seinen Wert beweist – oder eben nicht. Beim Test des Bulls Machete Evo SX1 auf den Schotterstraßen im Donautal ist genau das passiert: ein Anstieg bei Alling, zu steil und zu lang, um ihn mit einem normalen Gravelbike ernsthaft anzugehen, wird mit Unterstützung des Bosch SX zur machbaren Etappe. Das ist keine Magie, sondern die konsequente Umsetzung dessen, was ein 4.999 Euro teures E-Gravelbike im Jahr 2026 leisten kann – und was Bulls mit dem Machete Evo SX1 überzeugend umgesetzt hat.

Rahmen, Gabel und Motor: Das technische Fundament

Das Machete Evo SX1 baut auf einem Carbonrahmen auf, in dem der Bosch Performance Line SX bewusst verdreht eingebaut wurde: Der Mittelmotor sitzt formschön im Rahmenknoten am Tretlager, hält damit die Silhouette schmal und behält den für Gravelbikes typischen Look weitgehend bei. 60 Nm Drehmoment und bis zu 600 Watt Spitzenleistung stehen zur Verfügung. Der Bosch CompactTube-Akku mit 400 Wh lässt sich nach vorne und unten entnehmen; das gelingt laut Tester etwas fummelig, ist aber dank des geringen Akkugewichts gut handhabbar. Wer mehr Reichweite braucht, kann einen optionalen Range Extender mit 250 Wh nachrüsten – die Herstellerangabe für die Reichweite liegt dann bei über 75 Kilometern.

Vorne übernimmt eine RockShox-Federgabel mit 60 mm Federweg. Das ist wenig für echten MTB-Einsatz, aber ausreichend, um grobe Schotterpisten zu dämpfen und das Bike trotzdem rennradnah fahren zu lassen. Shimano GRX 822 mit 12 Gängen und hydraulischen Scheibenbremsen (160/160 mm) runden das Antriebspaket ab. Vier Rahmengrößen (45, 48, 52 und 56 cm) decken ein weites Körpergrößenspektrum ab.

Im Sattel: Fahrdynamik und Charakter

Das Machete Evo SX1 fährt sich spurstabil auf Schotter und reagiert direkt beim Lenken. In der Ebene lässt es sich problemlos motorlos bewegen – der Tester rollte entspannt mit rund 150 Watt Eigenleistung durch flache Passagen. Wenn es dann steil und krachig wird, schaltet das Bike die Unterstützung zu, ohne den Fahrerrhythmus zu stören. Den steilen Asphalt-Anstieg bewältigte der Tester anschließend mit 300 Watt im Sprint-Modus durchgehend bis zur Kuppe – das Gewicht von 17,7 Kilogramm ist für ein vollausgestattetes E-Gravelbike mit Motor und Akku außerordentlich gering.

Note 1,6 – Sehr gut. radfahren.de nennt das Machete Evo SX1 ein „Sportgerät mit ausgewogenen Fahreigenschaften, das sich ebenso entspannt bewegen lässt.“

Die Schwalbe G-One RX in 45 mm Breite bieten ausreichend Volumen für Komfort auf losem Untergrund und bleiben dabei effizient genug für längere Asphaltpassagen. Das maximale Systemgewicht liegt bei 135 Kilogramm, was das Bike für ein breites Fahrerfeld öffnet.

Ausstattung und Preis: Was bekommt man für 4.999 Euro?

Bei dieser Preisklasse erwachsen konkrete Erwartungen. Das Machete Evo SX1 liefert: integrierte Beleuchtung vorne und hinten (Supernova Starstream Mini und MonkeyLink Twinlight), einen SP Connect Smartphone-Halter, Kettenführung, Steckachse mit Spannverschluss und die Option, Spritzschutz sowie Gepäckträger nachzurüsten. Das Purion 400 Display sitzt dezent rechts vom Vorbau. Die Sattelstütze ist aus Aluminium und starr – ein Kompromiss, den touren-orientierte Fahrer spüren werden, der aber dem sportiven Charakter des Bikes entspricht.

Testfazit radfahren.de: Positiv – sportiver SX-Motor, integrierte Beleuchtung, optionaler Spritzschutz und Gepäckträger-Montage. Negativ – Flaschenhalter-Montage und schmaler Lenker-Durchmesser am Oberlenker.

Das Bulls Machete Evo SX1 richtet sich an Fahrer, die Gravel-Ausfahrten sportlich angehen und dabei auf motorlose Authentizität verzichten können und wollen. Der Bosch SX erschließt Einsatzbereiche, die mit einem normalen Gravelbike schlicht nicht machbar wären – und das bei einem Gewicht, das im E-Bike-Kontext hervorragend ist. 4.999 Euro sind kein Schnäppchen, aber für das gebotene Carbon-Paket mit integrierter Beleuchtung, guter Schaltgruppe und durchdachten Details ein fairer Preis. Wer zwischen dem SX1 und dem teureren SX2 abwägt: Das SX1 bietet für Alltagsfahrer das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, das SX2 höherwertiges Cockpit-Material. Die Note 1,6 von radfahren.de für das SX1 ist verdient.