51 Prozent physisch, 49 Prozent digital. In Japan entspricht die Verkaufsaufteilung von Resident Evil Requiem fast einem Münzwurf – ein Befund, der inmitten der laufenden Debatte über das Ende physischer Medien aufhorchen lässt. Denn Sony hat angekündigt, ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc zu veröffentlichen. Dass ausgerechnet ein aktueller Blockbuster die Vitalität des physischen Formats demonstriert, gibt Fans des Formats neue Argumente – auch wenn der Gesamttrend klar in eine andere Richtung zeigt.
Japan und Frankreich als Ausreißer: Regionale Splits im Detail
Die Daten stammen von The Game Business und wurden von Analysten bei Ampere Analysis ausgewertet. Sie zeigen, wie unterschiedlich Spieler weltweit einkaufen – und wie wenig das US-Bild den globalen Markt abbildet. In den USA entschieden sich nur 22 Prozent der Käufer für die Box-Version. 78 Prozent wählten digital. Das klingt nach dem erwarteten Abgesang auf physische Medien.
Andernorts sieht das Bild deutlich anders aus. Frankreich: 55 Prozent physisch, 45 Prozent digital. Das heißt, mehr als jeder zweite französische Requiem-Käufer hat sich an die Kasse gestellt, ein Regal aufgesucht und eine Disc-Version mitgenommen. Australien liegt bei 43 Prozent physisch, das Vereinigte Königreich bei 40 Prozent. GSD-Daten bestätigen, dass Requiem in der ersten Woche Platz eins der physischen Charts in Großbritannien belegte – mit PS5 als dominanter Plattform.
Und dann Japan: 51 zu 49, physisch zu digital – fast exakt eine Hälfte-Hälfte-Aufteilung. Famitsu-Zahlen ergeben für die erste Verkaufswoche in Japan rund 193.000 physische Exemplare auf PS5 allein. Insgesamt lagen von den rund sieben Millionen verkauften Einheiten bis Ende Juni etwa zwei Millionen im physischen Segment – ungefähr 28 Prozent weltweit. Capcom hat inzwischen bestätigt, dass Resident Evil Requiem die Acht-Millionen-Marke geknackt hat, mit weiterhin aktivem Katalogverkauf.
Was die Capcom-Bilanzdaten einordnen
Capcoms Quartalsbericht für April bis Juni 2026 fiel rekordverdächtig aus: Nettoumsatz plus 55 Prozent, operativer Gewinn plus 67 Prozent. Der Motor war nicht ein neues Spiel, sondern der Katalog – angeführt von Requiem, das in diesem Geschäftsjahr als Katalogtitel gilt. RE4, Resident Evil Village, RE2 und RE7 gehörten allesamt zu den meistverkauften Titeln des Quartals.
„Approximately 90 percent of [our] sales are digital“ – Capcom über seine Vertriebsstruktur, während Requiem in einzelnen Märkten genau das Gegenteil demonstriert.
Firmenweit lag der Digitalanteil im Quartal bei 93,3 Prozent – ein leichter Rückgang um 1,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Der physische Anteil stieg von 4,8 auf 6,7 Prozent. Das klingt marginal, ist aber eine Unterbrechung des langjährigen Trends. 2023 lag der physische Anteil bei Capcom noch bei 14,1 Prozent, 2022 bei 11,1 Prozent. Requiem hat die Kurve kurz ausgebremst, aber nicht umgekehrt. Der Strukturwandel läuft weiter.
Einordnung: Resident Evil Requiem ist eines der letzten großen PS5-Spiele mit vollständiger Disc-Veröffentlichung. Sony stellt ab Januar 2028 physische Medien ein.
Was Sonys Disc-Ende für 2028 bedeutet
Sony hat das Ende physischer Medien nicht als Experiment verpackt, sondern als beschlossene Sache kommuniziert. Ab 2028 erscheinen keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc. Requiems Zahlen ändern daran nichts – aber sie zeigen, dass der Markt nicht homogen reagiert.
In Märkten wie Japan und Frankreich, wo physische Spielkultur und Retailhandel noch tief verwurzelt sind, wird das Disc-Aus deutlich spürbarer sein als in den USA. Für Sammler bedeutet das: Titel wie Resident Evil Requiem oder Marvel’s Wolverine – das im September 2026 als physisch vollständig spielbar bestätigt wurde – könnten zu den letzten echten physischen PS5-Blockbustern zählen. Wer die Entwicklungen im Gaming-Markt verfolgt, beobachtet gerade einen strukturellen Wandel in Zeitlupe – und Requiem ist sein unerwartetes Gegenstück.
Noch zwei Jahre bis zum Disc-Ende. Die Zahlen zeigen, dass der Abschied für viele Spieler weltweit noch nicht vollzogen ist.