Eineinhalb Monate nach der offiziellen Ankündigung steht fest: Die SLX-Schaltgruppe ist dem Namen nach verschwunden, nicht aber der Technik nach. Shimano hat die M7200-Artikelnummer – die eigentlich für SLX reserviert schien – in die Deore-Reihe eingegliedert. Was das bedeutet und wie sich die neue Gruppe in der Praxis schlägt, zeigt ein erster Testeindruck.

SLX ist weg – aber nicht wirklich verschwunden

Wer bei der neuen Shimano Deore-Generation genau hinschaut, stellt fest: Eigentlich handelt es sich um eine Zwei-Klassen-Gruppe unter einem Namen. Die M7200-Kassette und das RD-M7200-Schaltwerk tragen technische Merkmale, die man früher aus der SLX kannte: Die Kassette CS-M7200 verfügt über ein einzelnes Aluminiumritzel am großen Ende der Gangspreizung – ein klassisches SLX-Merkmal zur Gewichtsreduzierung. Das RD-M7200-Schaltwerk bringt den Shadow ES Kettenstabilisator mit, der sonst XT und XTR Di2 vorbehalten war.

Das M6200-Schaltwerk darunter nutzt die klassische Kupplung, wie sie sich bei den früheren Shimano-12-fach-Gruppen bewährt hat. Die Unterscheidung ist für Kaufentscheidungen relevant: Wer den Shadow ES Stabilisator möchte, muss zur M7200-Variante greifen. Das M6200 erfüllt seinen Job ebenso – nur etwas lauter auf ruppigen Trails.

Im direkten Vergleich zur älteren Deore-Generation aus der 6100er-Serie zeigt die neue Gruppe klare Fortschritte beim Schaltgefühl. Der Hebelweg ist kürzer, die Geräuschentwicklung beim Einlegen der Gänge dämpfer. Für Fahrer, die ihr Bike regelmäßig auf anspruchsvollen Trails bewegen, sind das keine Kleinigkeiten.

Shadow ES im Alltag: Der Kettenstabilisator macht den Unterschied

Die entscheidende Frage beim Testeindruck: Wie spürbar ist der Kettenstabilisator in der Praxis? Die Antwort fällt klar aus. Der Shadow ES Kettenstabilisator des RD-M7200 dämpft Kettenschlagen effektiv, ohne dass ein zusätzlicher manueller Eingriff notwendig wäre. Das ist insbesondere auf wurzeligem Untergrund und bei höheren Geschwindigkeiten relevant, wo Kettenklappern nicht nur nervös macht, sondern auch den Schaltvorgang beeinflusst.

Shimano gibt beim neuen System 70 Prozent mehr Dämpfung als beim Vorgänger an. Im Test zeigt sich, dass das RD-M7200 auf langen, technisch anspruchsvollen Abfahrten ruhig läuft. Das Schaltwerk reagiert direkt und sauber – auch unter Belastung, was für ambitionierte Tourenfahrer und Trail-Biker ein klares Kaufargument ist.

Hinweis: Das neue Shimano Deore RD-M7200-Schaltwerk ist ab sofort im Handel verfügbar. In der gängigsten Konfiguration kostet die komplette M7200/M6200-Gruppe rund 380 Euro.

Schalten unter Last: Hyperglide+ im Deore-Paket

Die neue Deore-Generation bietet zwei Antriebsstandards: Hyperglide+ für 12-fach und Linkglide für 11-fach. Hyperglide+ ermöglicht das Schalten unter Pedaldruck – eine Technologie, die Shimano bislang XT und XTR vorbehalten hatte. Im Test hält das M7200-Schaltwerk, was die Technik verspricht: Schaltvorgänge gelingen auch am Anstieg, wenn man es eigentlich am wenigsten erwartet.

Wer Langlebigkeit über Performance stellt, greift zur Linkglide-Variante. Die 11-fach-Lösung ist auf flachere Tret-Profile und härtere Bedingungen ausgelegt – weniger Sportgerät, mehr Arbeitspferd. Für den klassischen MTB-Einsatz auf Trails und im Bikepark empfiehlt sich die Hyperglide+-Version.

Technisch gesehen ist die neue Deore damit auf einem Niveau angekommen, das frühere Mittelklasse-Gruppen wie die SLX kaum überschritten haben. Shimano hat die Kassette CS-M7200 mit 10–51 Zähnen Gangspreizung ausgestattet – breit genug für steile Anstiege und enge Rampen, kompakt genug für flüssiges Pedalieren auf Forstwegen. In Kombination mit dem Hyperglide+-Schaltwerk entsteht ein Antrieb, der im Alltag kaum etwas vermissen lässt.

Vierkolben-Bremse M6220: Mehr Druck, weniger Klirren

Zum Testablauf gehörte auch die M6220-Vierkolbenbremse. Die gute Nachricht: Die Bremsscheiben klirren nicht mehr, ein Problem, das bei älteren Deore-Bremsen gelegentlich auftrat. Die Hebelergonomie ist kompakt und intuitiv, der Druckpunkt klar definiert. Die Bremsleistung ist für Trail- und Enduro-Einsatz mehr als ausreichend, das Dosieren gelingt auch bei längeren Abfahrten ohne Überforderung.

Mit Preisen ab 114,95 Euro (Zweikolben-Version) und 154,95 Euro (Vierkolben-Version) pro Bremse bleibt die M6220 in einem attraktiven Preisrahmen. Wer ein Upgrade von einer veralteten Vierkolben-Bremse sucht, findet hier eine direkte, praxistaugliche Lösung. Die neue Shimano Deore M7200 – ob man die SLX jetzt vermisst oder nicht – setzt mit diesem Paket einen deutlichen Schritt nach vorn.