Wer sein Steam Deck OLED per Remote Play mit dem Heim-PC verbindet, hat bislang eines akzeptiert: Das Bild kommt in SDR an, egal wie farbenprächtig das Spiel am Host-Rechner aussieht. Mit dem Steam-Client-Beta-Update vom 29. Juli 2026 könnte diese Einschränkung Geschichte sein — zumindest für OLED-Besitzer, die bereit sind, in den Beta-Kanal zu wechseln.
Was das Beta-Update konkret bringt
Valve hat in den offiziellen Release Notes zwei Remote-Play-Verbesserungen aufgeführt. Erstens: HDR-Streaming für das Steam Deck OLED. Damit kann der Host-PC einen HDR-Bildstrom übertragen, den das OLED-Display des Decks mit seinem vollen Dynamikumfang darstellt. Dunklere Schatten, leuchtendere Lichter — der Unterschied ist auf dem OLED-Panel sichtbar. Ein herkömmliches LCD-Display würde davon nicht profitieren, da HDR dort oft abgeschnitten oder per Software simuliert wird.
Zweitens: AV1-Videostreaming, allerdings nur in Kombination mit dem experimentellen SteamRT3-Client. AV1 ist ein moderner, lizenzfreier Videocodec, der bei gleicher Bildqualität deutlich weniger Bandbreite benötigt als H.264 oder HEVC. Für Remote Play im Heimnetz klingt das nach Details, macht sich aber spürbar bei schwachem WLAN oder beim Streaming über das Internet bemerkbar.
„Added support for HDR streaming on Steam Deck OLED. Added support for AV1 video streaming on Steam Deck when using the experimental SteamRT3 Steam Client.“ — Valve Release Notes, 29. Juli 2026
Beide Features sind noch im Beta-Kanal. Wer den regulären Stable-Client nutzt, hat davon vorerst nichts. Den Beta-Kanal aktiviert man unter Einstellungen → System → Update-Kanal. Ebenfalls neu: Valve hat in diesem Update die allgemeine Video-Farbpalette für Remote Play auf allen Plattformen verbessert, nicht nur am OLED-Modell.
HDR und AV1: Zwei unabhängige Verbesserungen
Die beiden Features klingen ähnlich nach „besseres Bild“, sind technisch aber voneinander unabhängig. AV1 ist ein Codec — er bestimmt, wie das Videosignal komprimiert und über das Netzwerk übertragen wird. HDR dagegen betrifft den Farbraum und den Dynamikumfang, also wie hell und kontrastreich das Bild am Zielgerät dargestellt wird.
Ein Stream kann AV1-codiert und trotzdem in SDR vorliegen, oder HDR-fähig und dabei mit H.264 laufen. Wer beide Verbesserungen gleichzeitig nutzen will, braucht das volle Paket: Beta-Kanal aktiviert, SteamRT3 für AV1, und auf der Host-Seite eine Grafikkarte mit AV1-Hardware-Encoding-Unterstützung. Das ist nicht trivial, aber machbar.
Hinweis: AV1-Hardware-Encoding beherrschen erst neuere GPU-Generationen — ab Nvidias RTX 4000-Serie, AMDs RX 7000-Serie und Intels Arc A-Serie. Ältere Karten fallen automatisch auf H.264 oder HEVC zurück, falls AV1 nicht verfügbar ist.
Was Remote-Play-Nutzer jetzt brauchen
Wer HDR-Streaming ausprobieren möchte, braucht auf dem Host-PC ein HDR-fähiges System — Windows mit aktivem HDR oder Linux mit entsprechender Konfiguration — und ein Spiel, das nativ HDR unterstützt. Der Steam Deck OLED muss sich im Beta-Kanal befinden. Die Netzwerkverbindung spielt ebenfalls eine Rolle: Eine stabile, möglichst kabelgebundene Verbindung am Host-PC reduziert Paketverluste, die bei HDR-Streams stärker auffallen als bei SDR.
Für AV1 kommt SteamRT3 als Pflichtvoraussetzung hinzu. Dieser Client ist experimentell und nicht für den täglichen Einsatz gedacht — wer wenig Lust auf gelegentliche Instabilitäten hat, wartet besser auf ein Stable-Release.
Wann kommt das in den stabilen Client?
Einen konkreten Termin für das Stable-Rollout hat Valve nicht genannt. Beta-Phasen dauern bei Valve erfahrungsgemäß Wochen bis Monate, besonders wenn mehrere Hardware- und Software-Voraussetzungen gleichzeitig stimmen müssen. Eine spätere Ausweitung auf das reguläre Steam Deck (LCD-Modell) hält Valve für „sehr wahrscheinlich“ — offiziell bestätigt ist aber auch das nicht.
Für OLED-Besitzer, die ihren PC häufig per Remote Play anzapfen, lohnt sich der Blick in den Beta-Kanal schon jetzt. Die Verbesserungen sind real, die Einschränkungen sind klar benannt. Was fehlt, ist ein Datum.
Spannend bleibt auch, ob Valve die HDR-Unterstützung längerfristig auf andere Steam-Deck-Modelle ausweitet oder ob das OLED-Display dauerhaft die Zielplattform bleibt. Beides hätte unterschiedliche Konsequenzen für den Markt der Gaming-Handhelds.
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