Guillaume Broche wählt seine Worte nicht gerade bescheiden: Das nächste Spiel von Sandfall Interactive, dem Studio hinter Clair Obscur: Expedition 33, soll „ein bisschen verrückt“ werden. Details gibt es noch keine – aber die Richtung ist gesetzt, und wer das Studio kennt, weiß, dass das keine leere Ankündigung ist.

Seit dem Erfolg von Expedition 33 läuft die Gerüchtemühle. Beim Game Award 2025 holte das Rollenspiel die Game of the Year-Trophäe und katapultierte Sandfall Interactive aus dem Indie-Schatten direkt ins Rampenlicht der Branche. Mit dem Ruhm kamen die Erwartungen – und die Frage, wie ein solcher Erfolg je zu wiederholen sei.

Die Last des Erfolgs – und warum Sandfall sie ablehnt

„Es ist zu früh, um Konkretes zu sagen, aber wir hatten so viel Spaß beim Erstellen von Expedition 33, und es ist ein Spiel, das wir intern alle lieben – deshalb wollen wir diese Flamme, diese Leidenschaft für das nächste Projekt wiederfinden“, erklärt Broche in einem aktuellen Interview.

COO François Meurisse formuliert es noch direkter: Die Erwartungen von Fans und Presse seien für das Studio „nicht so wichtig“. Das klingt arrogant, hat aber eine durchdachte Logik dahinter: Sandfall will nicht in die klassische Erfolgsfalle tappen und ein Spiel entwerfen, das einem imaginierten Publikum gefällt – statt einem, das das Team selbst begeistert.

Leitende Autorin Jennifer Svedberg-Yen zieht dabei einen Vergleich zu anderen Medien: „Zu oft habe ich gesehen, wie Serien oder Bücher ihre Seele verloren haben, weil sie versuchten, es jedem recht zu machen.“ Genau diesen Fehler will Sandfall bewusst nicht begehen – und das ist die gleiche Haltung, die Expedition 33 überhaupt erst möglich gemacht hat.

Kreativität ohne Kompromisse – der einzige Nordstern

Svedberg-Yen beschreibt die kreative Leitlinie des Studios als schlicht: „Was wir cool finden, was uns Spaß macht, was wir sehen wollen.“ Kein Marktforschungs-Briefing, kein Genre-Tracking, kein Schielen auf Konkurrenzprodukte. Genau diese Haltung hat Expedition 33 zu dem gemacht, was es ist: ein Rollenspiel mit der visuellen Wucht eines Blockbusters und der Seele eines Indie-Projekts.

„Es klingt widersprüchlich, aber man sollte versuchen, sich nicht zu sehr um die Spieler zu kümmern. Denn wenn einem das eigene Spiel wirklich am Herzen liegt, kümmert man sich letztlich automatisch auch um die Spieler.“ — Guillaume Broche

Was „verrückt“ in der Praxis bedeutet, lässt Broche bewusst offen. Bei einem Studio, das ein rundenbasiertes Rollenspiel mit Parry-Mechanik in einem surrealistischen französischen Kunstumfeld entwickelt hat, darf man den Begriff wohl wörtlich nehmen. Sandfall hat mit Expedition 33 bewiesen, dass unerwartete Designentscheidungen kein Risiko sind – sie sind der Plan.

Der Unterschied zum kommenden Projekt: Sandfall geht diesmal mit fünf Jahren mehr Erfahrung ins Rennen – und mit einer bereits gefestigten technischen Basis auf der Unreal Engine 5. Der Start ist nicht bei Null, und das dürfte spürbar sein.

Kleines Team, langer Horizont – ein Release frühestens 2030

Wer auf eine baldige Fortsetzung hofft, muss Geduld mitbringen. Expedition 33 brauchte fünf bis sechs Jahre in der Entwicklung. Sandfall zeigt keinerlei Interesse daran, künstlich Druck aufzubauen – mit einem Release vor 2030 ist realistisch kaum zu rechnen.

Trotz des finanziellen Durchbruchs plant das Studio nicht, sein Team massiv zu vergrößern. Klein und agil zu bleiben ist bewusste Entscheidung, keine Notlösung. Das nächste Spiel muss kein größeres sein – aber es soll sich genauso echt und unmittelbar anfühlen wie sein Vorgänger. Mit fünf Jahren zusätzlicher Erfahrung und einer bereits aufgebauten UE5-Codebasis steht das Team deutlich stabiler da als beim ersten Anlauf.

Ob das Projekt direkt im Clair-Obscur-Universum angesiedelt sein wird, ist noch offen. Klar ist laut den Entwicklern: Das Franchise ist nicht abgeschlossen. Expedition 33 erzählt eine Geschichte – aber nicht die letzte. Wer also auf Nachschub wartet, darf das mit Zuversicht tun – wenn auch mit Geduld.

Mehr aus dem Gaming-Bereich: Alle Gaming-News bei Cycleholix.