Um kaum ein anderes E-Mountainbike wurde in den vergangenen Monaten so intensiv diskutiert wie um das Mondraker Zendit. Der spanische Hersteller kombiniert in seinem neuen Flaggschiff die hauseigene Forward Geometry und das überarbeitete Zero Suspension System mit dem Avinox M2S Motor — einem Antrieb, der auf dem Papier Leistungsdaten liefert, bei denen man zweimal hinschaut. Wir haben das Zendit auf den Trail gebracht und geprüft, ob das Bike die Erwartungen erfüllt.

Rahmen und Fahrwerk: kein Kompromiss

Mondraker baut das Zendit in einem einzigen Rahmenmaterial: Alle drei Ausstattungsvarianten setzen auf denselben Stealth Air Carbon-Rahmen, der in Größe ML ohne Dämpfer auf exakt 3.000 Gramm kommt. Die Verarbeitung ist präzise — für kritische Bohrungen und das Rahmensurface kommen 6-Achsen-CNC-Maschinen zum Einsatz. Besonderes Augenmerk gilt der Langlebigkeit: Die Enduro Max-Lager sind mit Gummidichtungen versehen, die Dreck und Wasser fernhalten sollen.

Das Zero Suspension System wurde für das Zendit grundlegend überarbeitet. Mit 27 Prozent Progression ist der Hinterbau auf großvolumige Luftdämpfer abgestimmt. Der Anti-Squat von rund 105 Prozent sorgt für Effizienz beim Treten, der Anti-Rise von 99 Prozent hält die Federung auch unter harten Bremsbelastungen aktiv. Das Ergebnis im Fahrbetrieb: ein Heck, das lebt — das Zendit will aktiv gefahren werden.

Geometrisch bleibt Mondraker seiner Linie treu: langer Reach, steiler Sitzwinkel. In Größe L misst der Reach 500 mm, der Sitzwinkel liegt bei 77 Grad. Zwei Flip-Chips erlauben Anpassungen — einer verlängert die Kettenstreben um 7 mm für den Umbau auf volles 29-Zoll-Hinterrad, ein zweiter senkt das Tretlager um 5 mm und flacht den Lenkwinkel von 63,5 auf 63,15 Grad ab.

Avinox M2S: was 1.300 Watt im Alltag bedeuten

Der Avinox M2S Motor ist der Kern des Zendit. Im Turbo-Modus liefert er 130 Nm, im Boost-Modus — kurzfristig abrufbar — sind es 150 Nm bei 1.300 Watt Spitzenleistung. Der 800 Wh Akku ist fest im Unterrohr integriert. Für den Schreibtisch genügt die Zahl, auf dem Trail entfaltet der Motor eine Wirkung, die man erst kennenlernen muss: Er schiebt mit solcher Vehemenz an, dass technische Anstiege, die ohne Unterstützung Können erfordern, plötzlich zur Routinesache werden. Was überrascht: Das passiert nahezu geräuschlos.

Das OLED-Touchdisplay auf dem Oberrohr zeigt alle wichtigen Daten und erlaubt das Anpassen der Unterstützungsstufen ohne Smartphone. Ein USB-C-Anschluss mit 65 Watt PD 3.0 lädt Smartphones oder Action-Cams direkt vom Rahmenakku. Das SmoothShift-Feature in Kombination mit SRAM T-Type Transmission ermöglicht Schaltvorgänge beim Rollen ohne Pedalieren — der Motor reduziert kurzzeitig das Drehmoment, bevor der nächste Gang einlegt.

Auf dem Trail: Rennmaschine, kein Sofa

23 Kilogramm und 170 mm Federweg könnten ein träges Bike versprechen. Das Zendit ist das Gegenteil. Im Blindtest hätten wir das Gewicht mindestens ein bis zwei Kilo leichter geschätzt. Das Bike ist lebendig, abzugbereit, mit spürbarem Pop. Es kaschiert sein Gewicht, aber es verlangt dafür eine führende Hand — kein Anfängergerät.

Der steife Carbonrahmen lenkt präzise: Wer das Vorderrad in ein Steinfeld zeigt, fährt exakt dorthin. Das ist für erfahrene Fahrer ideal, kann aber Einsteiger überfordern. Das Zendit will aktiv gefahren werden — es ist eine echte Enduro-Maschine.

Unbändige Kraftentfaltung ohne die übliche Geräuschkulisse eines E-Motors: Das braucht kurz Gewöhnung, überzeugt dann aber vollständig.

Kritikpunkte gibt es dennoch. Die Einstecktiefe der Sattelstütze ist durch den Umlenkhebel limitiert — für 240-mm-Dropper ungeeignet. Die Sitzstrebe ist ohne Schutz und zeigte am Testrad bereits erste Kratzer. Kein Unterrohrschutz serienmäßig — bei einem Bike für steiniges Enduro-Terrain eine fragwürdige Entscheidung.

Größter Kritikpunkt: Das Topmodell XR (12.499 Euro) kommt mit dem schnellen 12A-Lader, der in 2 Stunden 25 Minuten lädt. Das getestete RR S für 10.499 Euro liegt dem 4A-Standardlader bei — ein Widerspruch in dieser Preisklasse.

Drei Varianten im Überblick: Zendit RR · 8.499 Euro · 22,8 kg — Zendit RR S · 10.499 Euro · 22,9 kg — Zendit XR · 12.499 Euro · 23,1 kg (mit Schnellladegerät)

Das Zendit RR ist dabei der eigentliche Überraschungstreffer: Fox Factory-Fahrwerk, DT Swiss H1900 Laufräder und Avinox M2S Motor für 8.499 Euro — das ist in dieser Preisklasse aktuell ein starkes Angebot. Wer ein technisch anspruchsvolles E-Enduro sucht und aktives Fahren nicht scheut, wird das Zendit schätzen. Alle weiteren Radsportnews gibt es in der Cycleholix Übersicht.