Mit bewährten Methoden ist man oftmals auf der sicheren Seite. Aber nur weil man Dinge „schon immer so gemacht hat“, ist es nicht unbedingt das Non-Plus Ultra. Die Welt ist in einem stetigen Wandel und der macht auch nicht vor unserer kleinen, heilen Mountainbikewelt halt. Und das ist gut so. Klar ärgern wir uns momentan ständig über neue Standards, die hervorsprießen wie Pilze im Wald. Aber dank kreativer Köpfe hat sich unser geliebtes Mountainbike in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Wir haben für Euch getestet, ob die Message von Trust Performance eine Weiterentwicklung bedeutet.

Einer der zu Beginn beschriebenen kreativen Köpfe ist Dave Weagle, seines Zeichens Fahrwerksguru. Zusammen mit Jason Schiers, Carbon-Mastermind bei ENVE und Crankbrothers sowie Hap Seliga, Gründer von Competitive Cyclist, einem großen Online-Bike Shop, hat er Trust Performance gegründet, um die Parallelogramm-Gabel zu neuem Glanz zu führen. Alle drei sind davon überzeugt, dass die sogenannte Linkage Gabel einige Vorteile gegenüber der konventionellen Teleskop-Gabel, wie wir sie kennen, mitbringt.

Welche Vorteile sind das?

Gegenüber der bekannten Teleskop-Federgabel verläuft die Raderhebungskurve bei einer Parallelogrammgabel, wie der Trust Message, verstärkt nach hinten und oben. Das bedeutet, dass das Vorderrad eher der Kontur des Hindernisses folgen und sich das Rad somit weniger am Hindernis aufhängen soll. Wir kennen diese Erklärung schon von den Hinterbauten, bei denen die Raderhebungskurve für die Kinematik eine entscheidende Rolle spielt.

Die Raderhebungskurve führt laut Trust Performance noch zu weiteren Vorteilen.

Trust Performance führt aus, dass mehr Offset einen geringeren Wert für die Größe „Trail“ erzeugt. Ein Bike mit einem geringen Trail fährt sich zwar sehr agil, legt aber dafür eine geringe Spurtreue bei hohen Geschwindigkeiten an den Tag. Umgekehrt bedeutet ein kleinerer Offset einen großen Wert bei Trail. Das soll wiederum zu einem spurtreuen Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten, aber einem kippligen Verhalten bei geringen Geschwindigkeiten führen.

Trust gibt nun an, dass bei der Message aufgrund des Linkage Designs und der nach oben-hinten gerichteten Raderhebungskurve zu Beginn des Federwegs das Offset hoch ist und der Trailwert gering. Gleichzeitig verringert sich das Offset zur Mitte des Federwegs und erhöht somit den Trail. Daraus resultiert laut Trust ein agiles Verhalten des Bikes ohne kipplig zu wirken zu Beginn des Federwegs und dennoch ein sehr stabiles Verhalten wenn viel Federweg genutzt wird.

Für einen weiteren positiven Aspekt des dynamischen Offsets bringt Trust folgendes Beispiel:

Fährt man einen recht ausgesetzten Trail herunter und legt sich in die Kurve, ist die Gefahr groß, dass man bei einer klassischen Teleskop-Federgabel unfreiwillig über den Lenker (OTB) fliegt, wenn das Vorderrad in eine Lücke zwischen zwei Hindernissen gelangt. Die Ursache liegt demnach darin, dass die Teleskop-Gabel beim Einfedern an Trail verliert und somit weniger stabil durch die Kurve fährt, was dazu führt, dass die Front leichter einklappt. An dieser Stelle greift wieder die Argumentation, dass die Trust Message einen größeren Trail aufweist, wenn Federweg genutzt wird und somit deutlich stabiler durch ruppige Kurven fährt und die Gefahr des OTB geringer ist.

Dieses Verhalten der Trust Message soll für mehr Kontrolle und Sicherheit sorgen.

Weitere Vorteile sieht Trust Performance in der Konstruktion ihrer Federgabel. Da sie komplett aus Carbon gefertigt wurde inklusive des Gabelschafts, ist sie vor allem in Fahrtrichtung unheimlich steif. Bei klassischen Teleskop-Gabeln wird in der Regel der Rohrdurchmesser erhöht, um eine größere Steifigkeit zu erzielen. Dies resultiert laut Trust jedoch in einer größeren Reibung, da durch die größeren Dichtungen mehr Fläche entsteht. Jetzt kann man argumentieren, dass die Trust Federgabel mit ihren 18 Lagerpunkten ebenfalls einiges an Reibung aufweist, aber hier haben die Entwickler von Trust die Möglichkeit mit einer Übersetzung – wie beim Hinterbau – zu arbeiten, was hilft, die Reibung zu überwinden.

Beim Hinterbau kann jeder Entwickler mit Hilfe der Kinematik einen Anti-Rise Wert erzielen, um den Hinterbau auch beim Bremsen aktiv zu gestalten. Ähnlich zum Anti-Rise beim Hinterbau verhält es sich auch an der Front, nur nennt man es hier Anti-Dive. Beim Bremsen wirkt viel Masse auf die Federgabel, weshalb diese einsinkt. Dies kann man durch mehr Dämpfung der Low Speed Druckstufe verringern. Allerdings verliert die Teleskop-Gabel dadurch aber auch an Sensibilität. Dank der Linkage Konstruktion haben die Entwickler von Trust die Möglichkeit, dem Verhalten des Anti-Dive mit Hilfe der Kinematik entgegenzuwirken, sodass die Trust Message auch ohne eine erhöhte Druckstufe während des Bremsvorgangs aktiv bleibt und nicht im Federweg versinkt.

Kommen wir zur Federung. Hier setzt Trust auf zwei Federungen, nämlich je eine pro Seite. Laut Trust soll diese Variante bessere Steifigkeitswerte aufweisen gegenüber einer einfachen Federung und sogar leichter sein. Bei der Dämpfung geht Trust ebenfalls einen eigenen Weg. Sie nennen diesen Weg: TwinTube-ThruShaft Dämpfer. Die ThruShaft Technologie kennen wir bereits von Trek. Mit einem Unterschied: während Trek bei ihrer Re:aktiv Technologie mit ThruShaft auf IFP, Bladder und Gaskammer verzichtet, um beim Einfedern die Volumenänderung zu kompensieren, verbaut Trust dennoch eine Gasfeder, die einen entsprechenden Druck auf das Öl ausübt. Mit der ThruShaft Technologie wird vor dem Kolben exakt so viel Öl „verdrängt“, wie hinter dem Kolben Platz für neues Öl entsteht. Dadurch reduziert man die Reibung, was in einem besonders reaktionsschnellen Dämpfer resultieren, ein besseres Ansprechverhalten versprechen und somit eine bessere Traktion generieren soll. Da dennoch durch die Reibung etwas Wärme entsteht und sich dadurch das Ölvolumen verändert, hat Trust die Gasfeder in das System integriert.

Produktvorstellung

Die Trust Message ist die erste Linkage Gabel von Trust Performance, die es in Serienreife auf den Markt gebracht hat. Es gibt sie ausschließlich mit 130 mm Federweg und sie ist in erster Linie für das Trailriding gedacht. Die Besonderheit der Linkage Gabel ist, dass der Federweg entlang der Raderhebungskurve gemessen wird. Bei den klassischen Teleskopgabeln wird der Federweg anhand der Geraden gemessen. Die Message deckt mit einem Modell die Laufradvarianten 650b, 650b+ sowie 29“ ab und misst von der Achse zur Krone 535 mm. Mit ihren 130 mm Federweg soll sie den Federwegsbereich abdecken, welche die konventionellen, linearen Teleskopgabeln mit 110 – 140 mm bei 29“ und 130 – 140 mm Federweg bei 650b zur Verfügung stellen. Wie bereits erwähnt, ist die Trust Message komplett aus Carbon gefertigt und bringt knapp 2.000 Gramm auf die Waage.  Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2.399,00 €.

Trust Message
Die Trust Message wird mit einigem Zubehör ausgeliefert

Die Message bietet eine Reifenfreiheit für 29“ Räder bis 2.6“ und bei Verwendung von 650b Reifen sogar bis 2.8“. Der Achsstandard ist mit 15 x 110 mm fast schon klassisch. Per Postmount können Bremsen mit einer Bremsscheibe von 180 mm Durchmesser direkt montiert werden. Maximal dürfen Bremsscheiben bis 203 mm verbaut werden. Die Service-Intervalle betragen 250 Betriebsstunden.

Die Trust Message bietet verschiedene externe Einstellmöglichkeiten. Mit Hilfe des 3-Wege Einstellers können auf die Schnelle die Varianten Firm, Mid und Open ausgewählt werden.

Im offenen Modus bietet die Message noch zusätzlich die Möglichkeit, mit 20 Klicks Einfluss auf die Low Speed Druckstufe zu nehmen. Und auch im Medium Modus hat man zusätzlich die Möglichkeit, mit fünf Klicks Einfluss auf die Druckstufe zu nehmen.

Die Zugstufe kann mit 20 Klicks schneller oder langsamer eingestellt werden.

Trust Message

Wer mit den unterschiedlichen Einstellungen noch nicht das gewünschte Verhalten auf dem Trail erzielt hat, kann mit Volume Spacern, bei Trust nennt man sie Huck Pucks, die Progression verändern. Ab Werk sind bereits zwei Huck Pucks verbaut und es können bis zu sechs Stück eingesetzt werden. Allerdings ist es aber so, dass die Huck Pucks ausschließlich durch einen Fachhändler und in keinem Fall eigenmächtig montiert oder demontiert werden dürfen.

Einbau & Setup der Trust Message

Oft heißt es: hast du eine Federgabel eingebaut, kannst du alle einbauen. Ganz so einfach ist es bei der Trust Message leider nicht. Weshalb es auch die Empfehlung von Trust gibt, den Einbau von einer Fachwerkstatt vornehmen zu lassen. Aufgrund des Carbonschafts wird keine Kralle eingeschlagen sondern ein speziell mitgelieferter Keil, der im Schaft gespannt wird und als Konterstück zur Aheadkappe dient.

Auch das Kürzen des Carbonschafts sollte nicht mit einem normalen Rohrschneider vorgenommen werden. Den Vorbau sollte man unserer Meinung nach mit Carbon-Montagepaste verbauen, um die Klemmreibung zu erhöhen. Ist die Message im Bike verbaut, müssen noch die Leitungsführungen angeklebt oder per Kabelbinder fixiert werden. Im Lieferumfang sind zahlreiche Kunststoffleitungsführungen und Klebepads enthalten. Eine durchaus funktionale Lösung, aber bei einer so hochwertigen und kostenintensiven Anschaffung in unseren Augen nicht die hübscheste Lösung.

Trust Message
Erinnert ein wenig an einen Bausatz von Revell. Ist aber eher eine lösungsorientierte Variante der Kabelführung.

Nun können wir uns an die erste Einstellung der Message machen. Trust empfiehlt einen SAG von 20%. Mit Hilfe eines integrierten SAG-Indikators ist dies auch leicht einzustellen. Als erste grobe Orientierung gibt Trust an, dass man sein Körpergewicht in Pfund umrechnen und dies dann als Luftdruck in PSI aufpumpen soll. Wichtig ist, dass beide Luftkammern, links und rechts des Chassis, mit exakt dem gleichen Luftdruck versehen werden.

Trust Fork
Mit Hilfe des SAG-Meters kann der passende Negativfederweg abgestimmt werden.

Für das Grundsetup gibt Trust auch eine Empfehlung anhand einer Gewichtstabelle in Pfund für die Zugstufe. So sind wir fürs Erste auf den Trail.

Auf dem Trail mit der Trust Message

Bergauf

Als wir unser Bein über das Oberrohr geschwungen haben und die Message zum ersten Mal komprimierten, waren wir ein wenig fasziniert. Das Rad bewegt sich tatsächlich sichtbar nach hinten, wenn die Gabel eingefedert wird.

Nachdem wir genug gespielt hatten, ging es dann endlich los. Auf jedem Meter haben wir gespannt auf das geachtet, was da an der Front passiert. Bergauf war das, ehrlich gesagt, recht unspektakulär.  Ein unangenehmes Wippen konnten wir nicht feststellen und so sind wir die Message auch bergauf immer im offenen Modus gefahren. Selbst im Wiegetritt war die Message nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch wenn wir nicht behaupten können, dass sich die Message sehr plüschig angefühlt hat und sie auch nicht das Gefühl vermittelt, jeden kleinen Stein aufzunehmen, hat sie dennoch genügend Traktion am Vorderrad zur Verfügung gestellt und jeden Lenkimpuls zielstrebig umgesetzt.

Trust Message
Auch im Wiegetritt konnten wir die Message nicht aus der Ruhe bringen.

Widmen wir uns der interessanteren Disziplin – dem Downhill

Rollen wir die ersten Meter den Trail hinab, macht sich wieder eines bemerkbar: die Trust Message ist nicht die komfortabelste Gabel. Zumindest vermittelt sie nicht das Gefühl, jedes Staubkorn aufzusaugen. Dennoch rollt das Vorderrad gut über jegliche Hindernisse, denn wir kommen schnell auf Geschwindigkeit.

Trust Message

Als wir deutlich schneller unterwegs waren und es ruppig wurde, ließ sich die Message zwar nicht aus der Ruhe bringen, aber sie fühlte sich nicht so an, als würde sie alles humorlos glattbügeln, obwohl wir viel aber selten den kompletten Federweg nutzten. Wir hatten durchaus das Gefühl, dass die Message einiges an Feedback und auch Arbeit an den Fahrer weitergibt. Was uns dagegen positiv auffiel, ist die Spurtreue. Mit der Message gab es äußerst selten die Situation, dass es uns das Vorderrad ungewollt versetzte und so konnten wir auch in steilen Stein- oder Wurzelfeldern die geplante Linie leicht umsetzen. Wenn die Linie mal nicht so ideal war, war es kein Problem, die Korrektur umzusetzen.

Trust Message
Steinfelder sind für die Message gar kein Thema. Souverän hält sie hier die Linie.

Die Kinematik der Message sorgt für einen ordentlichen Gegenhalt, so dass es, wenn es mal brenzlig wurde, ein leichtes war, eine Sektion zu überspringen. Allerdings ist es dann so, wenn man sauber mit beiden Rädern gleichzeitig aufkommt, dass die Front sich sehr hart, fast starr anfühlt. Landeten wir dagegen frontlastig, fühlte es sich durchaus geschmeidiger an. Das heißt, dass es die Message dann aufgrund der Raderhebungskurve deutlich lieber von vorne unten haben möchte.

Trust Message

Die große Stärke der Message sind aber Kurvenfahrten in jeder Variation. Hier hat Trust nicht zu viel versprochen. Die Message stellt Grip ohne Ende zur Verfügung. Ganz egal welche Bedingungen auf dem Trail herrschten, konnten wir in Kurven jederzeit attackieren. Freunde des hohen „Exit-Speeds“ kommen hier voll auf ihre Kosten. Was das anbelangt, ist Trust hier der große Wurf gelungen.

Trust Message
Kurven, baby, ich will Kurven. Hier ist die Message total in ihrem Element.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Verhalten bei Bremsmanövern. Sie war zu jeder Zeit aktiv und blieb dennoch hoch im Federweg, sodass sie auch hier sehr berechenbar war.

Fazit

Die Trust Message ist definitiv eine Federgabel, welche optisch Akzente setzt, wobei nicht jedem diese Akzente auch gefallen. Von der Masse abheben kann man sich dafür auf jeden Fall. Grundsätzlich ist die Idee hinter der Linkage Gabel unserer Meinung nach nicht verkehrt. So hat man mit Hilfe der Kinematik viel mehr Möglichkeiten, Einfluss auf den Charakter der Federgabel zu nehmen.  Bei der Trust Message wird unseres Erachtens deutlich mehr Wert auf Kontrolle als auf Komfort gelegt. Das bedeutet aber auch, dass der Fahrer sehr aktiv fahren muss und sich nicht scheuen darf, Arbeit auf dem Trail zu übernehmen. Die ganz große Stärke der Message ist definitiv das Kurvenverhalten. Selten konnten wir so schnell und sicher durch Kurven räubern wie mit der Message. Allerdings gibt es für uns auch einige Nachteile. Das sind zum einen der reguläre Preis von 2.399,00 €. Und zum anderen die Montage der Gabel an sich, als auch die Montage und Demontage der Huck-Pucks, was beides ausschließlich über den Fachhandel erfolgen soll. Auch das Gewicht ist mit knapp 2.000 g für eine komplett aus Carbon gefertigte Federgabel für den Trailbereich nicht zu vernachlässigen. Erfreulich sind dagegen die langen Serviceintervalle von 250 Betriebsstunden.


Text: Philipp Kargel
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Patrick Frech, Jakub Reichhart

Info: Für den Test der Trust Message hat uns die Tri-Cycles GmbH freundlicherweise eine ihrer Testgabel zur Verfügung gestellt.

1 Kommentar

  1. Technologisch ein wahnsinnig interessantes Teil, aber leider wie viele bahnbrechende Erfindungen einfach zu polarisierend um wirklich viel Verbreitung zu finden, genau wie die wahrhaftige „Kunst“ die Cornelius von Intend mit seinen Upside-Down Gabeln kreiert.

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