Wir haben Jahre unseres Lebens in die Entwicklung dieses Spiels gesteckt. Wir wollen nicht, dass ihr es boykottiert. Wir wollen, dass ihr uns helft, für Gerechtigkeit zu kämpfen. So fasst Jack Hoxby, ehemaliger Rockstar-Mitarbeiter und Mitglied der IWGB (Independent Workers‘ Union of Great Britain), eine ungewöhnliche Situation zusammen: 34 gefeuerte Entwickler, die an GTA 6 mitgearbeitet haben, wenden sich an die Fans – und bitten sie ausdrücklich darum, das Spiel nicht zu boykottieren.

34 Entlassungen und ein langer Rechtsstreit

Die Geschichte beginnt im Oktober 2025: Rockstar Games entlässt 34 Mitarbeitende abrupt, ohne Vorwarnung – 31 am britischen Studio Rockstar North in Edinburgh, drei in Kanada. Alle Entlassenen sind Mitglieder der IWGB und hatten begonnen, intern eine Gewerkschaft aufzubauen. Die IWGB bezeichnete die Aktion sofort als eines der schamlosesten Fälle von Union-Busting in der Geschichte der Spielebranche.

Rockstar sieht das naturgemäß anders: Das Unternehmen behauptet, die Mitarbeitenden seien wegen grobem Fehlverhalten entlassen worden – konkret, weil sie in einem Discord-Server vertrauliche Informationen über kommende, noch nicht angekündigte Spiele geleakt haben sollen. Die Betroffenen bestreiten, dies absichtlich oder in einem öffentlichen Rahmen getan zu haben. Der Rechtsstreit, inklusive des Vorwurfs des Blacklistings – also der gezielten Benachteiligung von Gewerkschaftsmitgliedern – läuft seitdem vor britischen Gerichten.

T-Shirts statt Boykott – der Solidaritätsfonds

Mit dem Release von GTA 6 im November 2026 im Anmarsch haben die entlassenen Entwicklerinnen und Entwickler jetzt die Initiative ergriffen. In einem neuen Video der IWGB appellieren sie direkt an die Spieler-Community – und der Ton ist eindeutig: Kein Boykott. Stattdessen bitten sie um finanzielle Unterstützung für ihren Fighting Fund über den Kauf von Solidaritäts-T-Shirts. Die Shirts – mit IWGB-Logo und einem eigens entwickelten Design der gefeuerten Devs – können bis zum 30. August für 25 Pfund vorbestellt werden. Versand ist ab Mitte September geplant.

Wenn ihr GTA liebt, aber Union-Busting hasst – boykottiert das Spiel nicht. Unterstützt stattdessen unseren Rechtsstreit. — IWGB Game Workers Branch

Die Botschaft dahinter ist bewusst pragmatisch: Die Entwickler wissen, dass ein Boykott ihnen persönlich wenig nützen würde. Ihr Ziel ist ein fairer Rechtsprozess, und dafür brauchen sie Anwaltskosten.

September-Tribunal und was auf dem Spiel steht

Am 10. September beginnt in Glasgow das finale Tribunal im Rechtsstreit der entlassenen Rockstar-Mitarbeitenden gegen das Studio. Ein britisches Gericht hatte zuvor bereits das Recht der Betroffenen bestätigt, Blacklisting-Vorwürfe gegen Rockstar vor Gericht zu bringen. Jetzt geht es darum, ob Rockstar tatsächlich gegen britisches Arbeitsrecht verstoßen hat.

Das Ergebnis könnte über den Einzelfall hinausstrahlen: Sollten die Mitarbeitenden Recht bekommen, wäre das ein starkes Signal für Gewerkschaftsrechte in der internationalen Spielebranche – einer Industrie, in der Arbeitnehmervertretungen noch immer die Ausnahme sind. Gleichzeitig hat GTA 6 trotz allem Millionen Vorbestellungen – ein Zeichen, dass die Käufer zwischen dem Spiel und dem Handeln des Unternehmens differenzieren.

Eine Gewerkschaft, die nicht aufgibt

Trotz des Verlustes von 34 Organisatoren hat die IWGB-Abteilung für Spieleentwickler bei Rockstar überlebt. Sie fordert Rockstar weiterhin auf, die Gewerkschaft freiwillig anzuerkennen – bisher ohne Erfolg. Was die entlassenen Entwickler gezeigt haben, ist ein selten gesehener Umgang mit einer solchen Situation: kein Hass auf das eigene Werk, stattdessen ein sachlicher Hilferuf. GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PS5 und Xbox. Mehr Gaming-News findet ihr in unserer Gaming-Sektion.