230 Euro für ein Gaming-Headset. Das ist ein Preispunkt, der nach Rechtfertigung verlangt – und Glorious liefert mit dem GHS Wireless InfinitePlay einen ungewöhnlichen Ansatz: zwei austauschbare Akkupacks, die zusammen über 170 Stunden Spielzeit ohne Kabel ermöglichen sollen. Die Frage ist nicht, ob das System clever ist. Die Frage ist, ob es das einzige Kaufargument bleibt.

Das InfinitePlay-System: Wie funktioniert der Hot-Swap-Akku?

Das Kernfeature des GHS Wireless ist sein Hot-Swap-Akku-System. Das Headset wird mit zwei Lithium-Ionen-Akkupacks ausgeliefert, die sich per Knopfdruck wechseln lassen – ohne den Betrieb zu unterbrechen. Jeder Akku liefert laut Hersteller bis zu 85 Stunden Laufzeit bei 2,4-GHz-Verbindung. Im Test wurden in der Praxis 84,5 Stunden erreicht – die Herstellerangabe nahezu exakt bestätigt.

Während das erste Pack läuft, lädt das zweite in der mitgelieferten Ladestation. Das Konzept ist nicht neu, aber bei Gaming-Headsets selten konsequent umgesetzt. Für Streamer, LAN-Gamer und Vielnutzer ist das ein echter Unterschied. Wer täglich nur wenige Stunden spielt, wird vom System weniger profitieren – ein gewöhnlicher Akku mit 30 bis 40 Stunden würde für die meisten reichen.

Verbindung und Bedienung

Das GHS Wireless unterstützt drei Verbindungswege: 2,4-GHz-Funk via USB-Dongle, Bluetooth 5.4 sowie kabelgebundenen Betrieb über USB-C. Gerade die Bluetooth-Option macht das Headset auch am Smartphone oder bei Remote-Arbeit nutzbar – ein Pluspunkt über das Gaming hinaus. Der Wechsel zwischen den Modi erfolgt über eine dedizierte Taste an der Ohrmuschel, schnell und ohne Menü-Navigation.

Die Bedienelemente sind an beiden Ohrmuscheln verteilt: links Lautstärke und Stummschaltung, rechts Verbindungsumschaltung und Chat-Mix. Das Layout ist durchdacht. Wer das Headset in wechselnden Szenarien einsetzt – PC, Konsole, Smartphone – schätzt die Flexibilität schnell.

Glorious bietet für das GHS Wireless auch eine Software-App mit Equalizer-Einstellungen und Mikrofonkonfiguration an. Die Klangprofile lassen sich PC-seitig anpassen – ein Feature, das Konkurrenten in dieser Preisklasse meist ebenfalls bieten, hier aber sauber implementiert ist. Wer auf voreingestellte Gaming-Profile setzen will, findet mehrere Optionen. Wer selbst abstimmen möchte, hat volle Kontrolle.

Klang, Mikrofon und Tragekomfort im Test

Das GHS Wireless InfinitePlay nutzt 40-mm-Treiber mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz und 32 Ohm Impedanz. Klanglich landet das Headset klar im guten Bereich: Bässe sind druckvoll ohne zu übersteuern, Mitten sauber, Höhen ohne störende Spitzen. Für Gaming und Multimedia taugt es ohne Abstriche.

Das abnehmbare Mikrofon liefert für Sprach-Chats und Streams solide Qualität. Zusätzlich ist ein integriertes In-Cup-Mikrofon verbaut, praktisch bei spontanen Bluetooth-Calls. Mit 360 Gramm liegt das Headset im oberen Mittelfeld, fühlt sich durch solide Polsterung beim Tragen aber weniger schwer an, als die Zahl vermuten lässt. Die überwiegend aus Kunststoff bestehende Konstruktion lässt langfristige Robustheit leicht offen.

Technische Daten: 40-mm-Treiber · 32 Ohm · Bluetooth 5.4 + 2,4 GHz + USB-C · 360 g · 85 h pro Akku · UVP ca. 230 Euro

Fazit: Für wen lohnen sich 230 Euro?

Das Glorious GHS Wireless InfinitePlay ist ein gutes Headset mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal. Klang, Mikrofon und Verbindungsoptionen liegen über dem Durchschnitt. Wer jedoch erwartet, für 230 Euro das klanglich überlegene Gerät seiner Klasse zu bekommen, wird enttäuscht. Den Aufpreis rechtfertigt einzig das InfinitePlay-Akku-System.

In seiner Nische – Hot-Swap-Akkus für Gaming-Headsets – gibt es kaum ernsthafte Konkurrenz. Für Streamer, LAN-Teilnehmer und Vielnutzer ist es ein überzeugendes Angebot. Für alle anderen bleibt es solide, aber teuer. Weitere Gaming-Hardware und Tests gibt es im Cycleholix Gaming-Bereich.