Lange haben Fans des Echtzeitstrategiespiels Tempest Rising auf eine dritte spielbare Fraktion gewartet. Jetzt liefert Slipgate Ironworks mit den Veti und dem kostenpflichtigen DLC The Veti’s Wrath genau das – samt einer exklusiven Entwickler-Perspektive. Lead Game Designer Brandon Casteel hat sich den Fragen gestellt und erklärt, warum die Veti in keiner anderen RTS-Fraktion ein Vorbild haben.

Eine dritte Macht: Wer sind die Veti?

Die Veti sind keine klassische Militärfraktion wie die Global Defense Force (GDF) oder die Tempest Dynasty. Sie verkörpern eine uralte, erwachende Eroberermacht – inspiriert von der Anunnaki der mesopotamischen Mythologie, vedischen Schriften und mesoamerikanischen Opferritualen. Das klingt abstrakt, hat aber konkrete spielmechanische Auswirkungen.

Während GDF und Dynasty ihre Armeen in Windeseile aus dem Boden stampfen, setzen die Veti auf das Konzept des Aufstiegs und Erwachens. Ihre Wirtschaft basiert auf Refinement Altars, die Tempest-Felder abbauen – niemals vollständig, dafür aber ohne Ende. Der Haken: Für eine starke Economy braucht es viele davon, was Map-Control zur Grundvoraussetzung macht. Wer seine Außenposten nicht schützt, verliert die Grundlage seiner Produktion.

„Wir wollten den Veti ein absolut einzigartiges Spielgefühl für eine RTS-Fraktion verpassen.“ – Brandon Casteel, Lead Game Designer

Enlightened, Subjugation und Ascension Anchors im Detail

Das zentrale Mechanismus-Dreigestirn der Veti macht sie spielerisch einzigartig. Gefallene feindliche Infanteristen werden durch das Subjugation-Feature zu sogenannten Enlightened – wiedergeborenen Kämpfern im Dienst der Veti. Diese lassen sich gezielt opfern, um verbündete Einheiten mit dem Consecrated-Buff zu stärken. Nicht jeder getötete Soldat wird automatisch zu einem Enlightened; der Effekt muss zuerst auf feindliche Einheiten wirken.

Klingt nach extremem Micromanagement? Casteel hat vorgesorgt. Ein Druck auf die B-Taste ruft automatisch Enlightened herbei, die sich für markierte Truppen opfern. Das Luminary-Fahrzeug lädt Enlightened automatisch auf und verteilt Buffs aus sicherer Distanz auf ganze Gruppen. Selbst das Vimana-Flugzeug kann Einheiten buffen – ohne Enlightened, gegen Credits und mit einem Cooldown. Damit bleibt die Fraktion auch für Spieler zugänglich, die kein Hochgeschwindigkeits-Micromanagement beherrschen.

Die Ascension Anchors bilden das Rückgrat der Veti-Basis. Sie versorgen Gebäude mit Energie und werden durch Enlightened-Opfer aufgewertet – machen sie aber gleichzeitig zu bevorzugten Angriffszielen für clevere Gegner.

Hinweis: Die Veti im Multiplayer, Skirmish und benutzerdefinierten Lobbys stehen allen Besitzern des Hauptspiels kostenlos zur Verfügung. Nur die 11-Missionen-Kampagne The Veti’s Wrath ist kostenpflichtig – ein Preis steht bislang noch nicht fest.

Paladin trifft Nekromant: Das strategische Profil der Veti

Casteel greift zur Magic: The Gathering-Analogie, um die drei Fraktionen zu charakterisieren: GDF ist Blau – kontrollorientiert, defensiv, mit Utility-Fokus und Spezialisten-Werkzeug wie dem Trebuchet. Dynasty spielt Rot – aggressiv, abhängig vom Wirtschaftsmotor aus Fabriken und Power Plants. Die Veti? Grün. Sie können das Feld mit billigem Kanonenfutter fluten – Enlightened, Combat Servitors, Repair Servitors – oder auf eine kleine Gruppe massiv gebuffter Eliteeinheiten wie den Gorgon oder den War Ender setzen.

Im Rollenspiel-Vokabular: Paladin und Nekromant in einem. Unendlich buffen, aber immer einen Preis zahlen. Das Design dreht sich um den Gedanken, dass jede Stärke eine Angriffsfläche schafft.

Das Balance-Tuning läuft über eine interne Testgruppe plus öffentliche Beta- und Demo-Rückmeldungen. Ziel laut Casteel: Casual-Gamer sollen ohne Micro-Stress bestehen können, Hardcore-Spieler sollen auf den oberen Rängen der kompetitiven Ladder gefährlich bleiben.

Was steckt in The Veti’s Wrath?

Die Einzelspieler-Kampagne umfasst elf neue Missionen und führt die Geschichte von Tempest Rising aus Sicht der Invasoren weiter – als bisher letztes Kapitel der Tempest Wars. Die Schauplätze sollen abwechslungsreich sein: Von einer geheimen GDF-Einrichtung zu einem tropischen Archipel, weiter nach Australien, Mexiko und Japan – einem Setting, das bereits auf Multiplayer-Karten kurz angeteast wurde.

GDF und Dynasty erhalten laut Casteel im Zuge des DLCs keine grundlegend neuen Einheiten; ihr bestehendes Repertoire gilt als ausgewogen. In der Veti-Kampagne soll es aber dennoch die eine oder andere Überraschung geben.

Ein konkreter Release-Termin für das Add-on fehlt noch; die Veröffentlichung ist für 2026 geplant. Wer bereits reinschnuppern möchte: Auf Steam ist eine kostenlose TactiCon-Demo verfügbar, die die ersten zwei Kampagnenmissionen der Veti sowie Multiplayer-Gefechtskarten enthält – auch ohne Besitz des Hauptspiels. Ob die kompetitive RTS-Szene langfristig auf die Veti einsteigt, bleibt abzuwarten. Die mechanische Tiefe ist jedenfalls vorhanden – und die Zugänglichkeit auch.