Roblox bezeichnet sich selbst als sichere digitale Spielwelt für Kinder ab fünf Jahren. Seit dem 13. August 2026 steht dieses Versprechen unter parlamentarischer Prüfung: Ein Unterausschuss des US-Senats hat eine offizielle Untersuchung eingeleitet, die klären soll, wie effektiv die Plattform ihre jungen Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich schützt.
Hinter der Initiative stehen die Senatoren Josh Hawley (Republikaner, Missouri) und Dick Durbin (Demokrat, Illinois) – Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses für Kriminalität und Cyberterrorismus im Justizausschuss des Senats. Die Tatsache, dass die Untersuchung biparteiisch geführt wird, unterstreicht die Schwere der Vorwürfe: In den USA ist parteiübergreifender Konsens beim Schutz von Minderjährigen online selten – und wenn er entsteht, hat er politisches Gewicht.
Was der US-Senat Roblox vorwirft
In einem Brief an Roblox-Gründer und CEO David Baszucki legen die Senatoren ihre Bedenken offen. Laut dem Schreiben, das am 12. August datiert ist, wurde die Plattform in der Vergangenheit für schwere Straftaten gegen Kinder genutzt: Grooming, sexueller Missbrauch, Entführung, Vergewaltigung und in Extremfällen sogar Mord – begangen von Erwachsenen, die die Kinder über Roblox kennengelernt hatten.
Eine Zahl sticht dabei besonders hervor: Im Jahr 2025 meldete Roblox insgesamt 65.381 Verdachtsfälle sexueller Ausbeutung von Kindern an das National Center for Missing & Exploited Children in den USA. Das ist mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2024. Die Senatoren werfen Roblox vor, Umsatz- und Engagement-Metriken über die Sicherheit der Kinder zu stellen.
„Roblox priorisiert offenbar Umsatz und Engagement-Metriken über die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Kinder.“ — Senator Hawley und Senator Durbin im Brief an Roblox-CEO Baszucki
Was der Unterausschuss konkret verlangt
Der Brief enthält nicht nur Vorwürfe, sondern auch konkrete Anforderungen. Roblox wurde aufgefordert, alle relevanten Unterlagen zu sichern und bis zum 31. August 2026 bereitzustellen. Dazu gehören:
- Interne Dokumente zu Sicherheitsmaßnahmen und Moderationsprozessen
- Berichte über gemeldete Vorfälle sexuellen und körperlichen Missbrauchs
- Analysen der Ausgabemuster nach Altersgruppen – inklusive Kaufhäufigkeit und Lifetime-Value-Berechnungen
- Bewertungen, wie sich Änderungen auf die Plattform-Einnahmen auswirken würden, etwa ein Kaufverbot für Nutzer unter 13 Jahren
Dieser letzte Punkt ist besonders brisant: Der Senat untersucht ausdrücklich, ob Roblox bewusst Designs wählt, die Kinder zum Geldausgeben animieren – ein Vorwurf, den die Plattform-Kritiker seit Jahren erheben. Die Frage ist nicht neu: Roblox monetarisiert über die In-Game-Währung Robux, die für echtes Geld gekauft wird. Ob finanzielle Erwägungen Sicherheitsverbesserungen blockiert haben könnten, soll nun untersucht werden.
Roblox reagiert – und kündigt Kooperation an
Roblox meldete sich kurz nach Veröffentlichung der Untersuchung zu Wort. Sicherheitschef Matt Kaufman erklärte in einer ersten Reaktion: „Roblox ist auf dem Fundament der Sicherheit gebaut. Wir machen bei diesem Engagement keine Kompromisse.“ Das Unternehmen kündigte an, dem Unterausschuss die Fakten zu den eigenen Schutzmaßnahmen offenzulegen. Kaufman betonte, die Plattform wolle mit den Senatoren zusammenarbeiten – eine Kooperation, die angesichts der Frist zum 31. August ohnehin keine Option ist.
Roblox hat in den vergangenen Jahren mehrfach auf öffentlichen Druck mit Sicherheitsverbesserungen reagiert – darunter stärkere Altersverifikation, eingeschränkte Chat-Funktionen für Jüngere und verbesserte Moderation. Kritiker halten diese Maßnahmen aber für unzureichend, solange das Grundproblem bestehe: dass auf Roblox Millionen von Kindern mit anonymen Erwachsenen interagieren können. Ob die senatorische Untersuchung echte Änderungen erzwingt, wird sich bis Ende August zeigen.
Die Untersuchung steht in einem breiteren Kontext: Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram wurden in den USA bereits mit ähnlichen parlamentarischen Prüfungen konfrontiert. Roblox ist nun das nächste Ziel – mit dem Unterschied, dass die Plattform besonders viele sehr junge Nutzer hat, darunter Millionen von Minderjährigen weltweit, die täglich auf der Plattform spielen.
Für Eltern, die ihre Kinder Roblox spielen lassen, bedeutet die Untersuchung vor allem: Es gibt jetzt offizielle parlamentarische Aufmerksamkeit für die Sicherheitsmängel. Die Regulierungsfrage für digitale Spielwelten ist damit wieder ganz oben auf der politischen Agenda. Mehr zur Online-Gaming-Regulierung auf Cycleholix.