Die Veti galten in Tempest Rising lange als mysteriöse Hintergrundfigur. Mit dem DLC The Veti’s Wrath rücken sie ins Zentrum: als dritte vollwertige spielbare Fraktion, komplett mit eigener Story-Kampagne und elf neuen Missionen. Lead Game Designer Brandon Casteel hat im Gespräch erklärt, was die Veti gameplay-technisch von den beiden bestehenden Fraktionen unterscheidet — und warum ihr Spielstil kein leichter Einstieg ist.
GDF, Dynasty, Veti — drei Fraktionen, drei Rollen
Casteel beschreibt das Gleichgewicht der Fraktionen mit einer überraschend klaren Analogie aus dem Kartenspiel Magic: The Gathering. Die GDF (Global Defense Force) ist die Control-Fraktion — „Blue Mana“: Sie sagen dem Gegner am liebsten „Nein“. Starke Defensivwerkzeuge wie der Trebuchet und die Tempest Artillery halten Angreifer auf Abstand, aber GDF-Spieler müssen extrem diszipliniert bleiben, um nicht überrollt zu werden.
Die Tempest Dynasty hingegen ist „Red Magic“ — aggressiv, druckvoll, aber ressourcenhungrig. Fabriken, Ernte und Kraftwerksmanagement halten den Wirtschaftsmotor am Laufen. Sie treffen hart, brauchen aber kluge Truppenführung.
Die Veti sind das Gegenstück — „Green“: Entweder überfluten sie das Schlachtfeld mit kleinen, günstigen Einheiten wie den Enlightened und Combat and Repair Servitors, oder sie setzen auf eine Handvoll extrem mächtiger Kämpfer wie die Gorgon oder den War Ender. Casteel beschreibt es so: „Sie spielen sich wie eine Mischung aus Paladin und Nekromant.“
Wer mehr über die Entwicklung erfolgreicher Spielmechaniken und Strategien erfahren möchte, findet auf unserer Gaming-Übersichtsseite weitere Hintergründe. Bemerkenswerterweise galt Tempest Rising schon vor dem ersten DLC als eines der überzeugendsten Echtzeitstrategie-Revivals der vergangenen Jahre — der Druck auf The Veti’s Wrath, diesem Ruf gerecht zu werden, ist entsprechend hoch.
Das Herzstück: Opfermechanik und lebendige Ressourcen
Der zentrale Mechanismus der Veti ist das Subjugation-System. Gegner, die mit dem Subjugation Debuff getötet werden, verwandeln sich in Enlightened — eine Art Tempest-Zombies. In großer Zahl sind sie als Angreifer nützlich, ihre eigentliche Rolle ist aber die als opferbereite Ressource: Enlightened können sich selbst für verbündete Einheiten opfern, um Heilung, Munitionsauffüllung oder Schadensreduktion zu gewähren.
„Sie können extrem viele Buffs und Power-ups auffahren. Diesen Vorteil erkaufen sie sich jedoch durch knallharte Opfergaben.“ — Brandon Casteel, Lead Game Designer
Das Wirtschaftssystem der Veti ist ebenfalls einzigartig: Ihre Refinement Altars erschöpfen Tempest Fields nie — ein dauerhafter Rohstoffvorteil. Allerdings braucht man viele davon, was die Kontrolle großer Mapflächen voraussetzt. Ascension Anchors verstärken die Infrastruktur über ein Buff-Netzwerk — aber nur, wenn sie regelmäßig mit Enlightened aufgeladen werden. Das macht sie zum bevorzugten Ziel cleverer Gegner.
Stärken und Schwachstellen: Wo die Veti verletzbar sind
Casteel macht keinen Hehl daraus, dass die Veti keine einfach zu beherrschende Fraktion sind. Weil sie so viel Fläche kontrollieren müssen und ihre Ascension Anchors ständig versorgt werden wollen, entstehen natürliche Angriffspunkte. Ein erfahrener Gegner ignoriert die mächtigen Veti-Kämpfer und zielt stattdessen auf Infrastruktur und Versorgungslinien.
Kostenlose Demo: Die ersten zwei Missionen der Veti-Kampagne sind auf Steam frei spielbar — auch ohne das Hauptspiel. Entwickler Slipgate Ironworks und Publisher Saber Interactive haben die Demo zum Start der DLC-Ankündigung veröffentlicht.
Die Story-Kampagne umfasst elf Missionen. Spieler übernehmen die Rolle eines Nacom — eines Veti-Generals — und kämpfen auf Geheiß von Huracán, einem Veti-Strategen, sowie der künstlichen Intelligenz Reclaiment. Die Multiplayer-Fraktion ist für alle Spieler kostenlos; die Kampagne selbst erscheint als bezahlter DLC, noch 2026.
Für Fans klassischer Echtzeitstrategiespiele in der Tradition von Command & Conquer liefert The Veti’s Wrath genau das, was dem Genre gut tut: eine dritte Fraktion mit echtem mechanischen Eigencharakter, klaren Stärken — und Schwachstellen, die man kennen muss, um sie effektiv zu spielen. Ob die Demo überzeugt hat, zeigt sich spätestens beim Release: Slipgate Ironworks hat sich mit dem Hauptspiel bereits Vertrauen erspielt. Jetzt liegt es an den Veti, das DLC-Argument zu liefern.