Vor zweieinhalb Jahren investierte Disney 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic Games – mit dem Versprechen, ein „transformierendes Spiele- und Unterhaltungsuniversum“ zu erschaffen. Große Töne, die damals stark nach Metaverse klangen. Jetzt, im Sommer 2026, lohnt sich eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was hat die Partnerschaft bisher geliefert – und was steht noch aus?

Das Versprechen von 2024: ein digitales Disneyland in Fortnite

Als Disney im Februar 2024 seine Beteiligung an Epic Games bekannt gab, klangen die Ankündigungen ehrgeizig. Bob Iger beschrieb eine Plattform, auf der Nutzer Disney-Figuren erleben, eigene Inhalte erstellen, schauen – und einkaufen – können. „Dieser Schritt markiert den bislang größten Eintritt von Disney in die Welt der Spiele“, sagte Iger damals. Epic-Chef Tim Sweeney versprach ein „beständiges, offenes und interoperables Ökosystem“, das Disney- und Fortnite-Community zusammenbringt. Konkrete Fahrpläne nannte niemand.

Der Hintergrund: Disney und Epic arbeiteten schon lange vor dem Deal zusammen. Marvel-Figuren, Star Wars-Skins, Avatar-Crossovers – all das existierte in Fortnite bereits. Die 1,5 Milliarden sollten aus dieser losen Zusammenarbeit ein strategisches Fundament machen. Technisch liegt die Basis bereit: Epics Unreal Engine, die weltweit genutzte Spiele-Middleware, soll PC, Konsole und Mobile verbinden und eine Art digitalen Vergnügungspark mit verschiedenen thematischen Bereichen ermöglichen.

Auf dem Papier klingt das nach Disney+ trifft Fortnite trifft Roblox. Was davon in der Praxis ankommt, zeigt sich jetzt – zweieinhalb Jahre später.

Was bisher wirklich passiert ist – und was nicht

Die Bilanz nach zweieinhalb Jahren ist gemischt. Auf der Habenseite: Disney-Inhalte in Fortnite haben die Disney+-Abozahlen messbar nach oben getrieben – stärker, als beide Unternehmen erwartet hatten. Der Darth-Vader-Crossover verlief laut Tim Sweeney mit „etwa dem Zehnfachen der normalen Geschwindigkeit von Mediengeschäften“. Das ist ein konkretes Geschäftsergebnis, kein Strategiepapier – und ein Argument, warum Disney den eingeschlagenen Weg weitergeht.

Auf der Sollseite: Das angekündigte eigenständige Disney-Fortnite-Universum – intern unter dem Codenamen „Bulldog“ bekannt – ließ lange auf sich warten. Ein Wall-Street-Journal-Bericht sprach 2025 von internen Verzögerungen. Sweeney wies das zurück, räumte aber indirekt ein, dass das Projekt größer und langsamer vorankommt als kommuniziert. Parallel entließ Epic rund 1.000 Mitarbeiter und strich mehrere Fortnite-Modi – ein Zeichen, dass der Konzern intern neu priorisiert und fokussiert.

„Wir sind bereit, unser langfristiges kollaboratives Vorhaben mit Epic fortzusetzen, das weiterhin starke Dynamik hat.“ — Disney-Sprecher, April 2026

Herbst 2026: Das erste echte Disney-Epic-Spiel kommt

Konkret wird es jetzt endlich: Laut einem LA-Times-Bericht vom April 2026 ist das erste Spiel aus dem Disney-Epic-Deal für November 2026 geplant. Es soll ein Extraction-Shooter sein – ein Genre, das zuletzt durch Titel wie Arc Raiders Aufmerksamkeit gewann, aber mit Disney-Charakteren gespielt wird. Spieler kämpfen sich mit Figuren aus verschiedenen Disney-Franchises durch Level und müssen einen Extraktionspunkt erreichen. Mindestens zwei weitere Spiele sollen im Rahmen der Partnerschaft folgen.

Ebenfalls neu: Josh D’Amaro, der neue Disney-CEO, hat angedeutet, dass künftige Disney-Filmpremiéren direkt in Fortnite stattfinden könnten – ein Hinweis, dass die Partnerschaft weit über Gaming hinausgeht und Disney Fortnite als Vertriebskanal für seine gesamte Unterhaltungsmarke begreift.

Warum das trotz allem funktionieren könnte

Die Skepsis gegenüber großen Metaverse-Ankündigungen ist nach den Exzessen der frühen 2020er-Jahre mehr als berechtigt. Doch der Disney-Epic-Deal unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt: Fortnite ist keine leere Vision auf einer PowerPoint-Folie, sondern eine der meistgespielten Plattformen der Welt. Disney bringt Marken mit, die Generationen kennen. Und die Kombination hat bereits bewiesen, dass sie Disney+-Abos generiert – das ist kein Versprechen, das ist ein messbares Ergebnis.

Ob aus dem Investment ein wirklich neuartiges Spielerlebnis entsteht oder ob der Extraction-Shooter im November lediglich ein weiterer Fortnite-Ableger mit Disney-Lizenz wird, bleibt offen. Die Erwartungen nach zweieinhalb Jahren sind deutlich nüchterner als zur Ankündigung – und das ist vielleicht die beste Ausgangslage für eine ehrliche Bewertung im Herbst.

Mehr zu Spielebranche und Publishing-Trends findet ihr im Gaming-Bereich sowie in der Übersicht zur Online-Gaming-Regulierung in Deutschland.