Es war ein Paukenschlag, der die Gaming-Branche aufhorchen ließ: Am 6. Juli 2026 strich Microsoft im Rahmen seiner Xbox-Neuausrichtung rund 136 von 185 Vollzeitstellen bei id Software – dem legendären Studio hinter Doom, Quake und Wolfenstein. Rund drei Viertel der Belegschaft verloren an einem einzigen Tag ihren Job. Jetzt spricht einer der verbliebenen Veteranen über die Konsequenzen – und seine Worte sind scharf.

Chris Hays im Podcast: Doom 2016 mit halbem Team kaum noch machbar

Chris Hays, Lead Services Programmer bei id Software und seit 2010 im Studio, sprach im Well Played Podcast offen über die Entlassungen und ihre Folgen. Seine Kernaussage: Mit der aktuellen Teamgröße lasse sich kein Spiel auf dem Niveau von Doom aus dem Jahr 2016 mehr produzieren.

Doom 2016 gilt bis heute als eines der wichtigsten Shooter-Revivals der Spielgeschichte – schnell, präzise, ästhetisch kompromisslos. Es entstand mit einer Belegschaft, die in etwa dem entsprach, was id Software heute noch hat. Das klingt nach einer guten Nachricht – ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass die Komplexität moderner Spielentwicklung seitdem erheblich gestiegen ist. Tools, Pipelines, Compliance, Multiplattform-Anforderungen: Was 2016 ein Team von hundert Leuten stemmte, braucht heute deutlich mehr Ressourcen.

„Es war einfach unmenschlich.“ – Chris Hays, Lead Services Programmer, id Software, über den Tag der Entlassungen

Hays beschrieb die Moral im Studio als auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Die Entlassungen hätten nicht nur Stellen gestrichen, sondern auch jahrelanges institutionelles Wissen aus dem Studio gerissen. Viele der entlassenen Mitarbeiter seien direkt nach dem Launch des DLC Doom: The Dark Ages – Revelations gegangen worden – ausgerechnet an dem Tag, an dem die Früchte ihrer Arbeit veröffentlicht wurden.

Das Ausmaß des Kahlschlags: 74 Prozent der Belegschaft betroffen

Laut einer offiziellen WARN-Meldung bei der texanischen Arbeitsbehörde wurden 136 von 185 Vollzeitstellen gestrichen – ein Anteil von rund 74 Prozent. Davon entfielen 96 Stellen auf den Hauptsitz in Richardson, Texas, und 40 auf Remote-Mitarbeiter. id Software ist damit eines der am härtesten getroffenen Studios der gesamten Xbox-Entlassungswelle.

Microsoft hatte im Juli 2026 die bedeutendste Restrukturierung in der 25-jährigen Geschichte von Xbox angekündigt: rund 3.200 Stellen sollen im Geschäftsjahr 2027 wegfallen, 1.600 davon sofort. Der Fokus lag dabei auf einer Konzentration auf strategisch wichtige Titel und Studios – id Software gehörte offenbar nicht zur Prioritätsliste.

Weitere Mitarbeiter widersprechen Microsofts Beschwichtigungen

Mehrere weitere Mitarbeiter des Studios haben sich in sozialen Medien und Podcasts ähnlich wie Hays geäußert: Die offiziellen Statements von Microsoft und id Software, die betonten, man habe noch das Team, das man für künftige Spiele brauche, stoßen intern auf Widerspruch. Chris Hays formulierte es direkt: Xbox verstehe keine Videospiele.

Hugo Martin, Director von Doom: The Dark Ages, hatte nach den Entlassungen bestätigt, dass id Software bereits an einem neuen Projekt arbeite. Was genau dahintersteckt, blieb offen. Die Annahme eines weiteren Doom-Ablegers liegt nahe, ist aber nicht bestätigt. Ob Microsoft mit der reduzierten Besatzung langfristig Qualität auf Doom-Niveau halten kann, ist die entscheidende Frage – bisher ohne Antwort.

Bemerkenswert ist auch die zeitliche Nähe zwischen Kahlschlag und Produktlaunch: Die Entlassungen bei id Software trafen am 6. Juli 2026 ein – genau einen Tag, bevor das Studio den bezahlten DLC Doom: The Dark Ages – Revelations veröffentlichte. Menschen, die maßgeblich an diesem DLC gearbeitet hatten, verloren ihren Job am Morgen bevor ihre Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich wurde. Diese zeitliche Koinzidenz wurde intern und extern als besonders schmerzlich wahrgenommen.

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