Wer noch weiß, was ein ordentlicher stummer Rollentrainer vor zehn Jahren gekostet hat, reibt sich beim Blick auf den ThinkRider XXPRO verwundert die Augen: Für ähnliches Geld bekommt man 2026 einen Direct-Drive-Smart-Trainer mit 2.500 Watt Maximalleistung, ±1 % Leistungsgenauigkeit und bis zu 25 % simulierter Steigung. Und er kann sogar selbst Strom erzeugen. Road.cc hat den XXPRO über mehrere Wochen im Alltag, in Zwift und auf TrainerRoad-Plänen getestet – und dabei verglichen, ob das Versprechen vom Profi-Trainer zum Einstiegspreis tatsächlich hält.

Aufbau, Technik und Anbindung

Der XXPRO kommt in drei Teilen: Grundkörper und zwei Standbeine, die in wenigen Handgriffen verschraubt sind. Eine Kassette muss separat besorgt werden; kompatibel sind HG-Spline-Kassetten von acht bis zwölf Gängen sowie XDR (über optionale Freilaufbuchse). Quick-Release- und Steckachsenrahmen werden gleichermaßen unterstützt. Bis zur ersten Fahrt vergehen rund zehn Minuten – inklusive obligatorischem Firmware-Update beim Erststart.

Die Verbindung per ANT+ und Bluetooth Low Energy klappte im Test mit Zwift, TrainerRoad und MyWhoosh problemlos – ohne Aussetzer über mehrere Wochen. Ein WLAN-Anschluss fehlt, was beim Einrichten kurz stört, im täglichen Betrieb aber kaum auffällt. Der bürsten­lose Gleichstrommotor simuliert eine Schwungscheibe und kann – ähnlich wie ein Tacx Neo oder KICKR Bike Pro – in Abfahrten aktiven Gegendruck erzeugen. Mit 18 kg liegt das Gewicht im Klassenbereich; kein Leichtgewicht, aber standfest.

Fahrgefühl und Leistungsgenauigkeit im Alltag

Das Fahrgefühl des XXPRO ist neutral – und das ist als Lob gemeint. Der Trainer arbeitet im Hintergrund, ohne sich aufzudrängen. Intervallserien – 30/30, Schwellenfahrten, VO2max-Blöcke – meistert er sauber; der Widerstand passt sich flüssig an, ohne merkliches Nachlösen oder Überschwingen. Ruhig ist er obendrein: Der Hersteller gibt 56 dB an, was im Test bei moderater Trittfrequenz gut bestätigt wurde.

„Es gibt Momente auf sehr steilen Anstiegen – wenn man im Stehen aus dem Sattel geht und brutal in die Pedale tritt – da fühlt es sich ein bisschen holprig an. Aber insgesamt ist der XXPRO extrem ausgeglichen für diesen Preispunkt.“ — road.cc

Besonders überzeugend zeigt sich der XXPRO im ERG-Modus: Zwift und TrainerRoad steuerten die Zielleistung präzise und ohne das bei günstigeren Trainern typische Herumpendeln rund um den Zielwert. Wer bisher auf einen Rollentrainer mit Reibungsrad oder Fluid-Widerstand trainiert hat, wird den Unterschied sofort spüren. Die App-Verbindung baut sich stabil auf und hielt im Test auch nach mehreren Wochen ohne Neupairing durch.

Auf Profilen über 20 % Steigung und bei explosiven Sprints zeigt sich eine leichte Unschärfe in der Reaktion – spürbar für diejenigen, die parallel einen Referenzleistungsmesser verwenden. Für die große Mehrheit der strukturierten Trainingseinheiten ist die ±1 %-Genauigkeit aber absolut praxistauglich. Kalibrierung ist laut Hersteller nicht notwendig – im Test war das korrekt.

Das Alleinstellungsmerkmal: Strom selbst erzeugen

Was den XXPRO wirklich von der Masse abhebt: Er kann seinen eigenen Strom produzieren. Wer sich morgens vor einem Rennen auf dem Parkplatz aufwärmen will, braucht keine Steckdose – der Trainer läuft allein durch die Tretbewegung. Das ist eine Funktion, die selbst hochpreisige Mitbewerber nicht bieten. Mit seinen Maßen (ca. 49,5 × 48 × 53 cm) und rund 18 kg ist er transportabel genug für den Kofferraum. Der Auf- und Abbau auf einem Parkplatz dauert wenige Minuten; wer regelmäßig bei Rennen oder Trainingslager-Events aufwärmt, weiß, wie wertvoll das ist.

ThinkRider hat sich in den letzten Jahren von einem Geheimtipp aus Fernost zu einer ernstzunehmenden Marke im Smart-Trainer-Segment entwickelt – und das sieht man am XXPRO. Wer einen Trainer mit echter WLAN-Anbindung oder maximal butterweichem Fahrgefühl auf steilen Rampen sucht, sollte mehr investieren. Allen anderen – den strukturierten Ausdauersportlern, die leise und mit sauberem Leistungsdaten trainieren wollen und dabei nicht die Oberklasse anpeilen müssen – sei der XXPRO klar empfohlen. Preis-Leistungs-technisch setzt er 2026 in dieser Klasse Maßstäbe. Weitere Cycling-Tests gibt es im Cycleholix-Newsbereich.