Hookless oder Haken – eine Frage, die die Laufrad-Industrie 2026 tiefer spaltet als je zuvor. Während einige Hersteller kompromisslos auf hakenlose Felgen setzen, halten andere ebenso entschieden an der traditionellen Konstruktion fest. Road.cc hat mit zwölf führenden Marken gesprochen; hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus Gesprächen mit DT Swiss, Enve, Zipp, Cadex, Scope und Schwalbe.
Zwei Lager, eine ungelöste Debatte
Die Fronten sind klar: Zipp und Cadex sind überzeugte Hookless-Verfechter. DT Swiss und Enve hingegen sind zurückgekehrt zu Hakenfelgen – oder haben sie nie verlassen. DT Swiss Product Manager Simon Waßmer erklärt die Entscheidung sachlich: „Viele Fahrer kennen das Fünf-Bar-Limit nicht. Sie wissen nicht, dass nur Tubeless-Reifen verwendet werden dürfen.“
Enve hat mit seinem neuen 4.5 Pro sogar den umgekehrten Weg genommen und von Hookless zuück zur Hakenfelge gewechselt. Laut Jake Pantone, Enves Design-Verantwortlichem, war Hookless ursprünglich über das Argument Gewichtsersparnis begründet worden – doch nachdem Enve seine breite hakenlose Wulsttechnologie entwickelte, um die Sicherheit zu erhöhen, wurde diese selbst so schwer, dass ein Haken-Design mit Materialänderungen an anderer Stelle wieder die bessere Lösung bot.
Schwalbe: Die ISO-Norm reicht nicht aus
Jakob Maßen, Produktmanager bei Schwalbe für Dropbar-Reifen, formuliert es deutlich: „Der ISO-Sicherheitsstandard für Hookless testet zehn Prozent über dem angegebenen Maximaldruck – fünf Minuten lang. Das ist ein wirklich leicht zu bestehender Test.“ Schwalbe selbst testet seine Reifen auf 60 Prozent über dem Maximaldruck, mindestens eine Stunde lang. Maßen ist überzeugt, dass ein 1,5-facher Sicherheitsfaktor zum neuen Standard werden sollte.
Hookless-Druckgrenze: Laut ETRTO dürfen Hookless-Felgen je nach Reifenbreite nur bis zu 5 Bar betrieben werden. Für schmalere Rennradreifen unter 25 mm liegt die Grenze sogar bei 5,5 Bar – was bei manchen Fahrern zu wenig sein kann.
Für Schwalbe ist die Wulstkernkonstruktion der entscheidende Faktor. Das Unternehmen setzt statt Kevlar oder Aramid auf ein proprietäres Wulstkernmaterial – teurer, aber laut Maßen „vollkommen nicht verhandelbar“. Parallel arbeitet Schwalbe an einem neuen Ventilsystem namens Clik, das bereits bei allen Profi-Athleten des Unternehmens im Einsatz ist.
Cadex: Das Problem liegt im Wulstkern, nicht im Haken
Jeff Schneider, Head of Product bei Cadex (Giant), geht noch weiter: Für ihn ist die Hookless-Frage zu kurz gedacht. „Egal ob Haken oder Hakenlos – wenn Luft aus dem Reifen entweicht, löst er sich vom Felge. Ein Haken hält ihn dann nicht.“ Das eigentliche Problem sei die fehlende Regulierung von Wulstkernstreckung. Cadex verwendet Carbon-Kevlar in seinen Wulstkernen und fertigt Felgen auf engeren Toleranzen als von ETRTO vorgegeben.
Das neueste Cadex-System namens Max Technology verbindet Carbon-Speichen direkt mit dünnen aero-optimierten Nabenflanken zu einer „Einteiligen“ Speichen-Naben-Einheit – und damit einem Laufrad, das Steifigkeit, Gewicht und Aerodynamik gleichermaßen optimiert. Schneider denkt bereits über Bor als zukünftiges Material nach, um die Felgenwand noch zufällig robuster zu machen.
Zipp verteidigt Hookless mit Datenstrategie
Bei Zipp sieht Wheel Design Engineer Ben Waite den Schritt zu Hookless-Felgen als logische Konsequenz des Trends zu breiteren Reifen und niedrigerem Druck: „Wir haben 20 Prozent Gewicht abgenommen und 20 Prozent vom Preis – und das Laufrad dabei noch schneller gemacht.“ Als Beweis für die Sicherheit der Hookless-Technologie verweist Waite auf die Motivation der Reifenhersteller: Continental, Pirelli und Vittoria wünschen ebenso sehr wie Zipp, dass ihre Reifen auf der Felge bleiben.
Zipp setzt bei neuen Modellen auf Material, das laut Waite „noch nie zuvor verfügbar war“ – ein hochmodularer, hochsteifer Carboneinsatz an spezifischen Stellen im Felgenprofil, der Schrumpfung reduziert und bei Schlagbelastung ein besser kontrollierbares Versagensverhalten bietet.
Carbon-Speichen und der Weg zur 30 mm-Norm
Unabhängig von der Hookless-Frage sind sich alle Hersteller in einem einig: Carbon-Speichen gehören zur Zukunft. DT Swiss, Enve und Zipp arbeiten alle daran. Auch über die optimale Reifenbreite am Rennrad nähert sich die Branche einem Konsens: 28àbis 30 mm scheinen der beste Kompromiss aus Rollwiderstand, Komfort und Aerodynamik zu sein. Gravel sieht Zipp bei etwa 50 mm. Breitere Optionen werden zwar nachgefragt – Alan Hatherly fragt bei Cadex nach 34 mm – doch ein Ende des Breitentrends ist noch nicht absehbar.
Was die Debatte zeigt: Eine technisch richtige Antwort auf die Hookless-Frage gibt es 2026 immer noch nicht. Was bleibt, ist der Konsens über das Ziel – sicherere, leichtere, schnellere Laufräder. Der Weg dahin führt für jeden Hersteller anders. Mehr Radsport-Technik im Cycleholix-Newsbereich.