350 Euro für eine Gaming-Tastatur — das ist kein Impulskauf. Glorious positioniert die GMMK 3 Pro HE als das Topmodell ihrer GMMK-3-Linie, und das spürt man: Hall-Effect-Schalter, modulare Bauweise, PBT-Double-Shot-Tastenkappen und ein spürbares Eigengewicht. Die Frage ist nur, ob das alles den Aufpreis gegenüber günstigeren Alternativen rechtfertigt.
Was die GMMK 3 Pro HE bietet
Die getestete Variante kommt im 75-Prozent-Formfaktor — also ohne Ziffernblock, aber mit Funktionstasten und einem praktischen Drehregler oben rechts, der sich per Software frei belegen lässt. Die Verarbeitung ist solide: Das Gehäuse sitzt fest, die Gummifüße halten die Tastatur auch nach stundenlangem Tippen an Ort und Stelle, und das Gewicht von rund 830 Gramm gibt dem Gerät eine angenehme Standfestigkeit.
Das Herzstück sind die Glorious Fox HE-Schalter — Hall-Effekt-basiert, also magnetisch statt mechanisch. Das hat einen entscheidenden praktischen Vorteil: Der Auslösepunkt lässt sich stufenlos zwischen 0,1 und 4 mm einstellen. Für Gaming ist ein niedriger Wert ideal, für langes Tippen empfiehlt sich etwas mehr Hub, damit nicht jede Berührung bereits als Eingabe zählt. Wer mehrere Profile anlegt, ist hier gut aufgestellt.
Rapid Trigger und Dynamic Keystroke im Alltag
Zwei Features fallen im Gaming-Kontext besonders auf. Rapid Trigger registriert Eingaben unabhängig von einem festen Auslösepunkt — ideal für schnelle Wiederholungsaktionen wie das rasche Loslassen und erneute Drücken einer Taste. Dynamic Keystroke geht noch weiter: Eine einzelne Taste lässt sich mit bis zu vier verschiedenen Aktionen bei unterschiedlichen Drucktiefen belegen.
Das Tippgefühl selbst ist überzeugend. Die Akustik liegt irgendwo zwischen dem gedämpften Geräusch einer Membrantastatur und dem klassischen Klacken einer vollmechanischen — kein unangenehmes Niveau, auch für Stunden am Stück. Die PBT-Double-Shot-Tastenkappen sind langlebig und beleuchten sowohl die Beschriftung als auch den Rand jeder Taste durch die Kappen hindurch.
„An der Software muss Glorious noch arbeiten, aber spielen lässt sich damit hervorragend.“ — Eurogamer.de im Test
Das Software-Problem bleibt das größte Manko
Was die GMMK 3 Pro HE deutlich bremst, ist die beiliegende Software. Eurogamer, Gamestar und PCWelt sind sich einig: Die Glorious CORE App ist fehleranfällig. Das deutsche Tastaturlayout wird nicht korrekt dargestellt, Farbeinstellungen gehen verloren, gelegentliche Abstürze trüben das Erlebnis. Für eine Tastatur dieser Preisklasse ist das nicht akzeptabel — und Glorious hat diesen Kritikpunkt trotz mehrerer Updates noch nicht vollständig ausgeräumt.
Hot-Swap inklusive: Schalter und Tastenkappen lassen sich ohne Lötkolben tauschen. Wer in Zukunft upgraden möchte, ist dank MX-kompatibler Sockel nicht an Glorious-eigenes Zubehör gebunden.
Für wen lohnt sich die GMMK 3 Pro HE?
Wer eine fertige, sofort einsatzbereite Gaming-Tastatur sucht, findet mit der Keychron Q1 HE oder der Akko MOD007 HE günstigere Alternativen, die ähnliche Hall-Effect-Technik bieten. Die GMMK 3 Pro HE richtet sich eher an Spieler, die Wert auf maximale Individualisierung legen: Hot-Swap-Schalter, austauschbare Bauteile, freie Profileinrichtung.
Wer bereit ist, die Software-Schwächen mit etwas Geduld in Kauf zu nehmen und die Tastatur mit eigenen Switches oder Kappen aufzuwerten, bekommt eine solide Basis für ein langlebiges Custom-Projekt. Für alle anderen gilt: erst Gamestar- und Galaxus-Test lesen, dann entscheiden — 350 Euro sind ein Preis, der eine klare Antwort verdient.
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