Spoilerwarnung: Diese Kritik behandelt alle Ereignisse aus Staffel 3, Folge 6 von House of the Dragon. Nicht weiterlesen, wer die Episode noch nicht gesehen hat.
Die sechste Folge der dritten Staffel beginnt mit einem echten Paukenschlag: Ser Kriston Cole marschiert mit seinen letzten Männern durch die Flusslande – und tappt direkt in eine Falle. Was folgt, ist der Tod einer der prägendsten Figuren der Serie. Dass die Episode ihn anschließend wie eine Randnotiz behandelt, ist ihre stärkste und gleichzeitig problematischste Entscheidung.
Der Tod des Königsmachers
Oskar Tully hat Kristons Männer mit fingierten Leichen gelockt – ein Hinterhalt, aus dem es kein Entkommen gibt. Kriston versucht noch, seine Männer durch einen Zweikampf zu retten. Was folgt, ist kein Heldentod: Eine Salve Pfeile streckt ihn nieder, bevor er überhaupt zum Degen greifen kann. Man kennt das aus der Serie – es ist dasselbe Ende wie bei Prinz Jace, brutal und ohne dramatische Würde.
Es ist der Abgang der Figur, die Aegon II. auf den Thron brachte. Der Königsmacher stirbt wie ein Fußsoldat. Das mag historisch folgerichtig sein, aber für Zuschauer, die drei Staffeln mit Kriston Cole verbracht haben, fühlt es sich wie ein Schulterzucken an.
Rhaenyra zwischen Strategie und Kontrollverlust
In Königsmund kämpft Rhaenyra gleichzeitig an zu vielen Fronten. Die Goldmäntel werden von Ormunds Spionen dezimiert. Daemon soll die Stadtgarde neu aufbauen – ein Auftrag, der gut klingt, aber schnell schiefläuft. Der Versuch, Haus Baratheon zu gewinnen, erzeugt formale Ergebnisse, aber die Botschafter schicken nicht einmal ihren Herrn. Eine kaum versteckte Demütigung.
Die dunkelste Entwicklung betrifft Helaena: schwanger, psychisch fragil und jetzt noch stärker eingesperrt. Alicent bittet Rhaenyra um Gnade für die Tochter. Stattdessen wird Helaenas prophetische Vision zur Waffe: Sie hat Aemond in Harrenhal gesehen, allein, ohne Vhagar. Das gibt Rhaenyra den entscheidenden Hinweis für ihren riskantesten Schachzug bisher.
Der Plan: Alicent soll töten
Rhaenyra schickt Alicent nach Harrenhal. Die Mutter soll den Sohn in Sicherheit wiegen, bis ein Attentäter sein Werk tun kann. Es ist ein Plan mit zu vielen menschlichen Variablen: Aemond muss seiner Mutter vertrauen. Der Killer muss ankommen. Alicent darf nicht zögern. Die Episode lässt offen, ob irgendeines dieser Rädchen greift.
In Harrenhal selbst findet die Folge zu ihrer stärksten Atmosphäre. Aemond, noch geschwächt, wird von Alys Rivers gepflegt. Sie zeigt ihm ein Nest mit Dracheneiern, die seit einem Jahrhundert verborgen liegen. Für Fans der Bücher ist das ein bedeutsamer Moment – für alle anderen wirkt er rätselhaft, aber faszinierend.
Die sechste Folge schwankt zwischen Momenten echter dramatischer Dichte und Passagen, die wichtige Entwicklungen abhaken wie Einträge auf einer To-do-Liste.
Fazit: Ungleichmäßig, aber nicht ohne Qualität
Folge 6 ist weder die stärkste noch die schwächste der Staffel. Criston Coles Tod wirkt abgehakt. Rhaenyras politische Entscheidungen sind zunehmend schwer nachzuvollziehen – was die Serie möglicherweise beabsichtigt, was aber auch frustrieren kann. Die Harrenhal-Szenen dagegen besitzen eine atmosphärische Dichte, die der Rest der Folge vermissen lässt.
House of the Dragon staffelt seine Stärken ungleichmäßig. Wer Geduld mitbringt, findet in dieser Folge viel politisches Drama und ein paar der interessantesten Figuren der Serie in Momenten echter Verletzlichkeit. Ob der Alicent-Plan aufgeht, klärt sich nächste Woche.