Ein Rennradtrikot, dessen Fasern buchstäblich aus industriellen CO₂-Emissionen gewonnen werden – klingt nach Greenwashing, ist aber technisch real. Santini hat gemeinsam mit dem Textilinnovator Polartec das Aero Race CC entwickelt: das erste kommerziell erhältliche Rennrad-Trikot aus Carbon-Capture-Material. Seit August 2026 ist es für 160 Euro erhältlich – road.cc hat es auf langen Ausfahrten getestet.

Carbon Capture am Körper: Die Technologie hinter dem Aero Race CC

Das Herzstück des Trikots ist Polartec Power Dry mit Recycled Carbon. Beim Carbon-Capture-Verfahren werden industrielle CO₂-Emissionen eingefangen, chemisch aufbereitet und in Polyesterfasern umgewandelt. Laut Herstellerangaben reduziert dies den CO₂-Fußabdruck um bis zu 66 Prozent gegenüber konventionellem Primärpolyester.

Santini ist nach eigenen Angaben 2026 weltweit das erste Unternehmen und die einzige Radsportmarke in Europa, die diese Technologie kommerziell nutzt. Das ist kein triviales Versprechen: Textilproduktionen in der Radsportbranche gelten selten als Vorreiterin beim Klimaschutz. Das 1965 in der Lombardei gegründete Unternehmen zeigt, dass hochwertige Rennsportfasern und Nachhaltigkeitsanspruch vereinbar sind. Der Stoff wiegt 128 g/m² – leicht genug für ein Renntrikot, mit ausreichend Struktur für stabilen Feuchtigkeitstransport.

„Weltweit die erste kommerzielle Anwendung dieser Textiltechnologie im Radsport.“ — Santini, 2026

Im Windkanal optimiert: Aerodynamik, Gewicht und Ausstattung

Santini hat das Design im Windkanal auf maximale Effizienz getrimmt. Die Ärmel sind das aerodynamische Kernstück: Eine spezielle Rippenstruktur erzeugt den sogenannten Vortex-Effekt, der den Luftwiderstand an den Armen nachweislich reduziert. Schulter und Brustbereich sind auf eine zweite-Haut-Anlage ausgelegt, um Flattern bei hohen Geschwindigkeiten zu minimieren.

Das fertige Trikot wiegt in Größe M gerade einmal 136 Gramm. Es besitzt drei geräumige Rückentaschen, nahtlose Ärmelabschlüsse und einen elastischen Saum mit Silikongripper. Erhältlich ist das Aero Race CC in drei Farben und neun Größen von XXS bis 4XL im Unisex-Schnitt.

Santini und die Radsportfashion: Warum dieser Test relevant ist

Auf dem Markt für Hochleistungstrikots spielen Santini, Castelli, Assos und Rapha traditionell in der obersten Liga. Ein Trikot für 160 Euro platziert sich dabei im mittleren Premiumsegment – zugänglich für ambitionierte Hobbyfahrer, preislich aber klar über der Einsteigerklasse. Was das Aero Race CC von seinen Konkurrenten unterscheidet, ist nicht in erster Linie das Design oder der Schnitt, sondern das Materialversprechen: Carbon-Capture-Polyester gibt es so bisher nirgendwo anders.

Für das deutsche Radsportpublikum ist das interessant, da die Diskussion um nachhaltigere Sportartikel – gerade nach den Rückschlägen der Textilindustrie in der Post-Corona-Zeit – an Fahrt aufgenommen hat. Wer 160 Euro für ein Trikot ausgibt, möchte heute oft auch wissen, was dahintersteckt.

8 von 10 Punkten: Was im Test überzeugt und was nicht

road.cc bewertet das Santini Aero Race CC mit 8 von 10 Punkten. Im Test glänzt es mit Atmungsaktivität, ruhigem Sitz in der Abfahrt und auffällig geringem Gewicht. Die Aerodynamikfeatures halten, was der Windkanaltest verspricht. Für schnelle Gruppenfahrten oder Rennen ein überzeugender Begleiter.

Zwei Kritikpunkte bleiben: Vereinzelte lose Nähte am Testexemplar – inakzeptabel in dieser Preisklasse. Und die seitliche Passform entspricht nicht jedem Körpertyp; wer breitere Schultern oder Hüften hat, sollte eine Nummer größer wählen.

Hinweis: Das Aero Race CC ist im Unisex-Schnitt gefertigt. Bei breiteren Körperproportionen empfiehlt sich eine Größe über dem Normalmaß.

Für 160 Euro ist das Santini Aero Race CC ein ernstzunehmender Kandidat – Pionierarbeit in der Materialwissenschaft, solide Aerodynamik, ausbaufähige Qualitätskontrolle.