90 Stellen im Februar 2024. 36 weitere im Juli 2025. Jetzt bis zu 75 mehr. Das britische Studio Supermassive Games steht vor seiner dritten Entlassungswelle in knapp zwei Jahren – und die Zahlen häufen sich zu einem Bild, das für das einst erfolgreiche Horrorspielehaus schwer zu deuten ist.
Was Supermassive jetzt ankündigt
Das Studio hinter Until Dawn, The Quarry und der Dark Pictures Anthology hat am 11. August 2026 in einem Statement via X bekannt gegeben, dass ein Konsultationsverfahren für betriebsbedingte Kündigungen eingeleitet wird. Betroffen sein könnten dabei bis zu 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
„Wir haben die schwere Entscheidung getroffen, ein Konsultationsverfahren für betriebsbedingte Kündigungen einzuleiten. Wir gehen davon aus, dass dies zum Verlust von bis zu 75 Kolleginnen und Kollegen führen wird. Das ist ein notwendiger Schritt, um die Zukunft unseres Unternehmens zu sichern.“ — Supermassive Games
Konkrete Gründe für den aktuellen Schritt nennt das Studio nicht – der Verweis auf die „Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“ ist eine Formulierung, die man in dieser Branche mittlerweile fast wortgleich in jedem zweiten Entlassungsstatement liest. Neu und öffentlich angekündigt ist derzeit kein Folgeprojekt.
Eine Chronik des Abbaus: Rund 200 Jobs in zwei Jahren
Die aktuelle Welle ist kein Ausrutscher, sondern das dritte Kapitel einer schwierigen Geschichte:
Februar 2024: Supermassive bestätigt eine Umstrukturierung. Laut Bloomberg war damals etwa die Hälfte des Studios betroffen – rund 150 Stellen unter Druck, letztlich ungefähr 90 Entlassungen. Das Studio sprach damals von der Notwendigkeit, sich an „veränderte Marktbedingungen“ anzupassen.
Juli 2025: Zusammen mit der Verschiebung von Directive 8020 werden weitere 36 Stellen gestrichen. Auch damals hieß es, die Teamstruktur müsse angepasst werden.
August 2026: Die aktuelle Welle mit bis zu 75 Entlassungen. Zählt man alle drei Wellen zusammen, hat Supermassive in weniger als zweieinhalb Jahren schätzungsweise über 200 Arbeitsplätze abgebaut – eine einschneidende Verkleinerung für ein Studio, das zu seinen Hochzeiten mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigte.
Warum es so weit kam: Enttäuschende Releases
Die Probleme von Supermassive sind nicht losgelöst von den Verkaufszahlen zu betrachten. Die beiden zuletzt erschienenen Titel blieben hinter den Erwartungen zurück:
Little Nightmares 3 erschien im Oktober 2025 und markierte Supermassives Übernahme der beliebten Grusel-Reihe vom Ursprungsstudio Tarsier. Das Ergebnis war nach Meinung vieler Kritiker durchwachsen – die Seele der Serie schien nicht vollständig übertragen worden zu sein.
Directive 8020, der fünfte Teil der Dark Pictures Anthology, erschien am 12. Mai 2026 für PS5, Xbox Series X/S und PC und stieß ebenfalls auf gemischte Kritiken. Beide Spiele hätten dem Studio die nötige finanzielle Basis für weiteres Wachstum liefern sollen. Offenbar ist das nicht gelungen.
Was jetzt mit Dark Pictures und dem Studio wird
Kein neues Projekt ist bislang offiziell angekündigt. Ob die Dark Pictures Anthology fortgesetzt wird, bleibt offen. Supermassive hat das Konzept der filmisch inszenierten Horrorspiele über Jahre hinweg als klares Alleinstellungsmerkmal positioniert – ob das nach einer weiteren deutlichen Verkleinerung des Studios in gleicher Form weitergeführt werden kann, ist ungewiss.
In der breiteren Spielebranche steht Supermassive mit diesen Schwierigkeiten nicht allein. Viele mittelgroße Studios kämpfen derzeit mit ähnlichen Herausforderungen: steigende Produktionskosten, ein gesättigter Markt und Käuferinnen und Käufer, die bei Titeln unterhalb des AAA-Segments wählerischer geworden sind. Für alle, die Supermassive über die Jahre begleitet haben, sind die aktuellen Nachrichten trotzdem schwer zu lesen – besonders für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.