Am 29. Juli kommt Tom Holland als Spider-Man in Brand New Day auf die große Leinwand — der sechste Film mit Holland als Peter Parker. Was kaum jemand weiß: Vor ihm hätte fast ein völlig anderer Schauspieler Spider-Man verkörpert. Und dieser Mann wäre bereit gewesen, dafür einen ganzen Comicverlag zu kaufen.

Marvels Bankrott und Jacksons Gelegenheit

Um die Geschichte zu verstehen, muss man ins Jahr 1996 zurückgehen. Marvel Comics war zu diesem Zeitpunkt in einer existenziellen Krise. Der Verlag hatte sich mit aggressiven Übernahmen übernommen, die Aktie war kollabiert und vom New York Stock Exchange delistet worden. 1996 meldete Marvel Insolvenz an — der Verlag, der Spider-Man, Iron Man, die X-Men und die Avengers geschaffen hatte, stand vor dem Aus.

In dieser Situation erkannte Michael Jackson eine Chance. Der damals bekannteste Unterhaltungskünstler der Welt sah in Marvel einen massiv unterbewerteten kreativen Vermögenswert. Und er hatte ein konkretes, persönliches Motiv — keines, das mit Rendite oder Marktanteilen zu tun hatte.

Jackson war seit Jahren ein bekennender Comic-Fan. Er besaß eine umfangreiche Sammlung und verbrachte viel Zeit damit, die Charaktere und Geschichten von Marvel und DC zu studieren. Spider-Man war für ihn keine beliebige Comicfigur — er identifizierte sich mit dem Charakter des Peter Parker: ein junger Außenseiter mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, der trotzdem verletzlich ist und mit dem Gewicht seiner Verantwortung kämpft.

„Ich kaufe Marvel“ — Das Gespräch mit Stan Lee

Jackson wollte Spider-Man spielen. Nicht irgendwie an einem Film beteiligt sein — er wollte selbst Peter Parker darstellen, die Hauptrolle übernehmen. Er wandte sich direkt an Stan Lee und teilte ihm seine Absicht mit.

„Er wollte Spider-Man sein. Das war die Figur, die ihn interessierte. Er wollte die Rolle spielen. Ich glaube, er wollte Peter Parker spielen.“

Lee erklärte Jackson, dass die Filmrechte für Spider-Man nicht ihm persönlich gehörten — Jackson müsste sich an Marvel selbst wenden. Jacksons Reaktion war unmittelbar und absolut: „Dann kaufe ich Marvel.“

Das klingt wie eine Legende, ist aber gut dokumentiert. Stan Lee bestätigte die Geschichte beim San Diego Comic-Con 2009. Taj Jackson, der Neffe des Sängers, bekräftigte 2020 in einem Interview, dass echte Gespräche stattgefunden hatten. Als Vehikel für die Transaktion war Stan Lee Media vorgesehen — eine Firma, die Lee zu diesem Zeitpunkt mit Jackson und anderen Partnern aufgebaut hatte.

Warum der Deal scheiterte

Das entscheidende Hindernis war Ike Perlmutter, der damalige Hauptaktionär von Marvel. Perlmutter forderte für den Verkauf mindestens eine Milliarde US-Dollar. Für Marvel in seiner damaligen Verfassung — bankrott, mit kollabierter Aktie und ohne klare Zukunft — war das eine erhebliche Summe. Der Deal kam nicht zustande.

Stattdessen übernahm Toy Biz, ein Spielzeughersteller, der Marvel-Lizenzen produzierte, schrittweise die Kontrolle über den Verlag. Marvel erholte sich langsam und begann Ende der 1990er Jahre mit einer vorsichtigen Rückkehr zum Filmgeschäft.

Historische Einordnung: Disney kaufte Marvel 2009 — dem Jahr, in dem Michael Jackson starb — für 4 Milliarden Dollar. Perlmutter hatte den Verlag für eine Milliarde nicht verkauft.

Was Stan Lee wirklich dachte

Stan Lees Einschätzung zu Jacksons potenzieller Spider-Man-Darstellung war überraschend positiv: „Ich glaube, er wäre gut gewesen. Sehr gut sogar.“ Gleichzeitig fügte Lee hinzu: „Michael war kein großer Geschäftsmann.“ Eine nüchterne Einschätzung, die viel über den grundsätzlichen Charakter des gescheiterten Deals aussagt.

Jackson hätte Marvel also aus einem einzigen persönlichen Wunsch heraus erworben — nicht um ein Medienimperium aufzubauen, sondern um eine Filmrolle zu bekommen. Was aus dem Marvel Cinematic Universe geworden wäre, dem heute erfolgreichsten Franchise der Filmgeschichte, lässt sich nicht sagen. Stan Lee vermutete: „Vielleicht nicht ganz so erfolgreich.“

Die Geschichte zeigt, wie eng Popkultur und Unterhaltungsindustrie miteinander verflochten sind — und wie viel von der heutigen Marvel-Dominanz auch von zufälligen gescheiterten Deals abhängt. Ein einzelner Milliardenpreis hat verhindert, dass Michael Jackson Spider-Man wurde und Marvel in eine völlig andere Richtung gelenkt hätte.

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