Mit der elektronischen Schaltung war SRAM nicht der erste Hersteller am Markt und hatte dadurch einen gewissen Zugzwang. Abheben mussten sie sich von der Konkurrenz und mit einem Blick auf das aufgeräumte Cockpit wird klar, dass sie es mit Bravur geschafft haben. Wo bei den Mitbewerbern lästige Kabel aufgeräumt werden müssen, sieht man bei SRAM lediglich die Bremsleitungen. Ob sie vielleicht auch irgendwann verschwinden?

SRAM erreicht die Kabellosigkeit und dadurch aufgeräumte Optik durch Knopfzellen in den Schalthebeln. Die Lebenszeit einer Knopfzelle wurde uns mit 1-2 Jahren kommuniziert. Wer über den Batteriestatus Bescheid wissen möchte, muss lediglich auf einen Knopf am Schalthebel drücken und bekommt in Form einer grün oder rot leuchtenden LED den Ladestand angezeigt.

SRAM Eagle AXS
Extrem sauberes Cockpit. Ein absoluter Hingucker.

Gleiches gilt für den Ladestand des Schaltwerks und der Sattelstütze. Hier hat man aber zusätzlich die Möglichkeit den genauen Wert per SRAM AXS App über sein Handy auszulesen. Die Akkus für Eagle AXS und Reverb AXS sind übrigens die gleichen. Sollte man also doch mal über einen sehr langen Zeitraum vergessen die Akkus zu laden, kann man den Akku der Reverb an die Schaltung tauschen.
SRAM hat eigens für die AXS Schaltung ein eigenes Protokoll für die Datenübertragung entwickelt. Die Anbindung von Bluetooth und ANT+ für weitere externe Geräte ist zusätzlich gegeben.

Installation

Obwohl wir ein komplettes Testbike mit allem, was man sich von SRAM und Rock Shox wünschen kann erhalten haben, wollten wir es uns nicht nehmen lassen uns mit der Einstellung der Schaltung zu beschäftigen. Die grundsätzlichen Schritte sind identisch mit den Geschwistern die Seilzüge besitzen. Das heißt, man stellt als erstes die Endanschläge und den Abstand des Schaltwerks zur Kassette (B-Screw) ein. Lediglich ungewohnt ist die Schnelligkeit mit der die Kette über die Kassette wandert. Der Motor kennt nämlich nur ein Gas und zwar Vollgas. Wie von der hochwertigen X01 Schaltung gewohnt, ist man je nach Versiertheit innerhalb weniger Minuten fertig mit dem Einstellprozess.

Mit der SRAM Eagle AXS auf dem Trail

Nachdem ich seit langer Zeit auf dem gesamten Schaltungsportfolio von SRAM unterwegs bin, waren die Erwartungen an die Schaltperformance der AXS Schaltung hoch. Als Vergleich soll hier die mechanische X01 Schaltung dienen, die ein butterweiches Schalten, bei sehr gutem Feedback ermöglicht.
Eine der ersten Fragen war: Muss man die Schaltung eigentlich vor dem losfahren Anschalten? Nein, muss man nicht. In der Schaltung ist ein Bewegungssensor integriert der den Antrieb bei der kleinsten Bewegung aufweckt. Wer längere Anreisen zu seinem Bikerevier zurücklegt sollte daher die Akkus für die Reisezeit entfernen.

Kommt man von einer mechanischen Schaltung, fällt bei der SRAM AXS sofort der Schalthebel auf. Sitzen bei der altbewährten Seilzugschaltung die Hebel hintereinander, findet man bei der Eagle AXS einen Kippschalter, den man nach oben oder unten bewegt. Dabei kann man – in der Erwartung in der nächsten Zeit mehrfach zu schalten – den Daumen angenehm im Hebel ruhen lassen. Bei der Betätigung spürt man den Widerstand und das Klicken eines Mikroschalters sowie zusätzlich ein akustisches Signal vom Schaltwerk wenn der Motor anspringt.

SRAM Eagle AXS
Ein Hebel, zwei Funktionen.

Dank der SRAM AXS App wird es dem Kunden ermöglicht die Schaltung auf seine Vorlieben einzustellen. So befördert das Schaltwerk standardmäßig die Kette in einen leichteren Gang, wenn man die Schaltwippe nach unten bewegt. Auch nach mehrmaligem Schalten wollte sich das bei mir nicht richtig anfühlen, also wurde die Schaltrichtung kurzerhand per App geändert. Nach dem Öffnen der App, hat man zusätzlich die Wahl ob man mit einem dauerhaften Druck auf dem Schalthebel durch alle Gänge Schalten möchte oder je nach Einstellung zwischen 1 – 3 Gänge je Druck.

SRAM Eagle AXS
Die App leitet den Nutzer durch die Einrichtung und gibt viele Möglichkeiten zur Individualisierung.

Hat man alles eingestellt, oder auch nicht, kann man sich ganz auf die schnellen und präzisen Schaltvorgänge freuen. Im Heilbronner Land, wo sich durch die Topologie steile Abfahrten und Anstiege die Klinke in die Hand geben, habe ich mich bei Gegenanstiegen häufig wiedergefunden, mit einem langen Druck auf den Schalthebel die Kette schnell auf einen leichten Gang wandern zu lassen. In die Gegenrichtung fühlt sich die mechanisch angesteuerte Schaltung ein wenig präziser und schneller an, obwohl die SRAM AXS Schaltung extrem schnell anspricht.

Egal welche Verhältnisse, die SRAM Eagle AXS lässt einen nie im Stich.

In der matschigen Jahreszeit kommen wir natürlich nicht umhin unser Bike zu putzen. Bei der SRAM Eagle AXS gilt dabei die gleiche Regel wie auch bei allen anderen Teilen am Bike. Mit dem Gartenschlauch abspritzen ist gar kein Problem, auf einen Hochdruckreiniger sollte man aber verzichten. Wichtig ist lediglich, dass die Kontakte am Schaltwerk abgedeckt sind. Dass heißt entweder den Akku zum Putzen montiert lassen oder eine der roten Abdeckkappen aufsetzen. Die Reinigung konnten wir zur Genüge testen und haben erwartungsgemäß keine Einbußen in der Performance der Schaltung feststellen können.

SRAM Eagle AXS
Feuchte Witterung macht der Eagle AXS nichts aus.

Während unserem gut vier wöchigen Testzeitraum hatten wir nie das Problem, dass uns der Saft ausgegangen ist. Bei den kurzen Runden vor der Haustür ist das nicht großartig verwunderlich. Interessant wäre in der Tat noch ein Langzeittest inklusive Alpencross oder ähnlicher Tourendauer ohne die Möglichkeit die Akkus jederzeit beliebig laden zu können.

Fazit

SRAM hat mit der AXS Gruppe in allen Bereichen einen erstklassigen Job abgeliefert. Die Eagle AXS Schaltung funktioniert schnell, knackig, zuverlässig und ist eine gute Weiterentwicklung zum bestehenden Portfolio.
Wer die SRAM Eagle AXS sein Eigen nennen möchte sollte aber über eine Prall gefüllte Geldbörse verfügen, denn günstig ist sie nicht. Die UVP für das Upgrade Kit (bestehend aus Schaltwerk, Schalthebel, Akku und Ladegerät) liegt bei satten 1050 €.


Text & Bilder: Thomas Kappel
Redaktion: Robin Krings
weitere Informationen: SRAM

1 Kommentar

  1. Super toll geschriebener Artikel!

    Auch wenn die XO1 Eagle AXS ja mittlerweile dank Upgrade-Kit „erschwinglicher“ geworden ist, so wünsche ich mir doch eine GX Eagle AXS, die dann direkt bei UVP 600,- € liegt und somit für deutlich mehr Biker erschwinglicher wird, denn ein aufgeräumtes Cockpit wünschen wir uns doch heimlich alle und ein Schaltwerk was sich quasi „selbst justiert“.

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