Und so schnell kann es dann auf einmal gehen. Eben noch in alpinem Gelände unterwegs und auf einmal ist die Saison vorbei. Damit läuten wir nun auch das Ende unseres Specialized Enduro Pro Dauertests ein. Es ist also Zeit für das große Fazit unseres 29ers. Was hat gehalten, was nicht, was kann man optimieren?

Eine Schönheit in Grau und Rot. Der X-Wing weiß nach wie vor optisch zu gefallen.
Eine Schönheit in Grau und Rot. Der X-Wing weiß nach wie vor optisch zu gefallen.
Der Rahmen:

Alle Rahmen von Specialized sind grundsätzlich sehr solide, völlig egal ob man nun Carbon oder Aluminium wählt. Bei Hersteller ist man sich dessen bewusst und versieht, zur Freude der Kunden, alle Rahmen mit einer lebenslangen Garantie. Die Verarbeitung ist durchgehend auf hohem Niveau, einzig der Lack könnte etwas robuster ausfallen. Hier gilt wie bei vielen anderen Carbon Rahmen auch, dass man am besten zur Schutzfolie greift, sollte man die anfängliche Schönheit und Unversehrtheit lange erhalten wollen.

Abgesehen von einem selbstverschuldetem Abflug im Vinschgau, welcher mit einer amtlichen Macke im Unterrohr endete, haben wir am Ende des Jahres lediglich die üblichen Gebrauchsspuren ausmachen können. Das Enduro kommt mit einem kompletten Carbonrahmen. Das heißt, auch der Hinterbau ist ist aus dem schwarzen Werkstoff hergestellt und sorgt somit für zusätzliche Steifigkeit. Die durchaus massiven Kettenstreben schaffen Vertrauen und der Kettenstrebenschutz ist sinnvoll platziert. Neben tadellosem Halt über die komplette Saison sorgt er zusätzliche für angenehme Ruhe im Heck, denn dieser Schutz hat auch schalldämpfende Eigenschaften. Untermalt wird diese Ruhe durch die nahezu unhörbaren Naben der Roval Laufräder.

Drei Modi für den Trailspaß. Bergab die Macht, bergauf noch etwas Potential.
Drei Modi für den Trailspaß. Bergab die Macht, bergauf noch etwas Potential.

Die Kinematik des Rahmens harmoniert bergab nahezu perfekt mit dem Öhlins STX Dämpfer. Bergauf oder bei Sprints haben wir uns teilweise etwas mehr Support über den Federwegsverlauf gewünscht, da hier doch spürbar Energie des Fahrers geschluckt wurde. Nach den ersten drei Monaten verweigerte der Öhlins STX den Dienst und verlor erheblich Luft. Specialized schaffte umgehend Abhilfe und der zweite Dämpfer verrichtete seinen Dienst absolut sorgenfrei. Der Grund für den Defekt war allerdings schnell gefunden: Ein kleiner Kratzer in Längstrichtung auf der Kolbenstange, welcher länger als die Überlappung der Luftkammerndichtung war, transportierte bei jedem Einfedern Luft nach draußen. Wir gehen von einem unglücklichen Steinschlag aus.

Alle Lager des Rahmens haben die Saison unbeschädigt überstanden. Die Suche nach Lagerspiel verlief zu unserer Freude ergebnislos.

SWAT sorgt für Stauraum im Unterrohr um das nötigste (Schlauch, Wertsachen, Banane, etc. ) immer dabei zu haben.

Ein nach wie vor geniales Feature ist das S.W.A.T Fach im Unterrohr. Im Falle eines kleinen Defektes kommt man sehr schnell an das nötigste heran, gerade im Renneinsatz ist dies sehr erfreulich. Das zusätzliche Multitool bietet so ziemlich alles, was man für das Schrauben auf dem Trail benötigt. Dazu ist das Ganze noch sehr unauffällig und erstaunlicherweise auch klapperfrei.

Die Komponenten:

Bei Fahrwerk und Reifen punktet man mit einer Mischung aus Lyrik RC, dem Öhlins STX und den hauseigenen Butcher/Slaughter Reifen. Zur Lyrik müssen wir nicht mehr viel sagen. Eine grundsolide Gabel mit guter Performance, langer Haltbarkeit und simpler Handhabung. Im Modelljahr 2018 hat Specialized eine Änderung in der Ausstattung vorgenommen: Während eine Öhlins 36 RXF Gabel bisher der teuren S-Works Variante vorbehalten war, kommt diese nun bereits im PRO Modell zum Einsatz. Bis auf den erwähnten Ausfall war auch der Öhlins STX unauffällig und arbeitet sehr gut mit der Lyrik zusammen. Butcher und Slaughter sind weiterhin verdammt gute Reifen mit einer gelungenen Mischung aus ordentlich Grip bei wechselhaften Bedingungen und einem angenehm niedrigem Rollwiderstand.

Abrieb an der Kurbel lässt sich nicht vermeiden, ist für die Funktion aber auch absolut unerheblich.
Abrieb an der Kurbel lässt sich nicht vermeiden, ist für die Funktion aber auch absolut unerheblich.

Ebenfalls völlig problemlos verrichtete die SRAM X01 Eagle Gruppe ihr Werk. Die Schaltperformance war die komplette Saison über sehr gut und die Übersetzungs-Bandbreite bedarf ohnehin keiner weiteren Worte mehr. Hier gibt es absolut nichts auszusetzen.

Clean und ausgesprochen passend. Das Cockpit des Enduro.
Clean und ausgesprochen passend. Das Cockpit des Enduro.

Die verbauten Guide R Bremsen machten grundsätzlich einen guten Job, aber lieferten lediglich akzeptable Bremskraft. Die Dosierbarkeit könnte ebenfalls etwas besser sein und ab und an enttäuschte sie uns mit einem etwas schwammigen Druckpunkt. Eine Guide RSC mit „Swing Link“ sorgt für höhere Bremskraft und Dosierbarkeit und ist bei einem Bike dieser Gattung besser aufgehoben. Alternativ wäre auch die Code aus dem selben Haus für uns eine super Wahl gewesen. Das ist aber wie so oft meckern auf hohem Niveau.

Erfreulich ist, dass Specialized nach wie vor auf geschraubte Tretlager setzt, statt auf Pressfit Lager, welche gern mit nervigen Geräuschen auf sich aufmerksam machen. Das macht den Wechsel im Falle eines Defektes einfach deutlich entspannter und man benötigt keine teuren Spezialwerkzeuge – oder gar eine Werkstatt.

Die verbaute Sattelstütze bereitete ebenfalls keine weiteren Probleme und lief zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Einzig der Verstellweg von lediglich 125 mm war uns persönlich für Rahmengröße M zu wenig. Für 2018 hat Specialized hier allerdings schon Abhilfe geschaffen und eine Stütze mit 150 mm Verstellweg verbaut. Das gilt übrigens auch für die nicht vorhandene Geo-Verstellung des 2017er Modells, welche ebenfalls beim 2018er Enduro (link zum Test) integriert wurde.

Am Ende ist das Specialized Enduro Pro 29 nach wie vor ein auffällig unauffälliges Enduro mit sehr breitem Einsatzgebiet, ausgewogenem Charakter und mit leichten Anassungen absolut renntauglich.  Das 2018er Modell haben wir bereits einem ersten Test unterzogen und können mit ruhigem Gewissen sagen, dass das gute Bike noch ein Stück besser geworden ist.


Text: Patrick Frech
Fotos: Jakub Reichart, Patrick Frech
Weitere Infos: Specialized

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