Darf es etwas mehr sein? Diesen Spruch haben wir sicherlich alle schon einmal gehört. Auch Specialized hat diesen Spruch scheinbar häufig gehört und sich entschlossen mit dem Turbo Kenevo „mehr“ zu liefern. Das passende Gelände für so viel Potenz haben wir in Molini di Triora gefunden, welches mit seinen langen und rauen Abfahrten die Reserven aus dem Fahrwerk kitzeln sollte.

Black Beauty, ready for action

Auf den ersten Blick wirkt das Kenevo wie das Enduro auf Steroiden. Der distinktive X-Wing Rahmen gespickt mit einer 180 mm Rock Shox Lyrik RCT3 und einem Öhlins TTX22M Stahlfederdämpfer, der ebenso satte 180 mm Federweg am Hinterbau bereitstellt. Wer jetzt noch nicht weiß wo die Reise hingehen soll, schaut am besten auf die 203 mm Bremsscheiben an Front und Heck die von einer SRAM Code R in die Zange genommen werden. Wie auch im Enduro ist beim Kenevo die WU Post Sattelstütze mit 125 mm Absenkung (Größe S/M, 150 mm Größe L/XL) verbaut, was dieses Geschoss der Optik eines Downhillbikes immer näher kommen lässt. Alles klar? Abwärts bitte!

Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wir haben mit dem Kenevo immerhin ein E-Bike vor der Nase, also darf es durchaus auch mit eigener Kraft (und ein wenig Unterstützung) den Berg hinauf gehen. Dazu hat Specialized dem Kenevo den Turbo 1.3 Motor mit Rx Trail Tune Software verpasst, welche man schon aus dem neuen Turbo Levo Carbon kennt. Somit ist man bereits bestens gewappnet um los zu fahren. Wer sich genauer mit seinem neuen Gefährt auseinander setzten möchte kann sich allerdings zusätzlich noch die Mission Control Handy App von Specialized besorgen. Mit dieser erhält man allerlei Informationen über sein Rad, kann Software Updates aufspielen und den Motor sogar an sein Fahrverhalten anpassen.

Für eine aufgeräumte Optik wurde auf ein Display verzichtet. Damit man schnell seine gewünschte Unterstützung findet, muss man einfach in die gewünschte Richtung, Plus oder Minus drücken, oder den Knopf an der Oberseite der Fernbedienung betätigen, mit dem man direkt in den Turbomodus kommt und von dort seine gewünschte Unterstützung wählen. Natürlich gibt es auf der Unterseite der Fernbedienung eine Taste für eine Schiebeunterstützung.

Die neue Fernbedienung lässt den Fahrer schnell durch die 3 Modi schalten.

Aktuell wird es das Kenevo nur in einer Ausstattungsvariante geben, welche mit sehr guten und sinnvollen Komponenten bestückt ist. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder und erleichtert das Bankkonto um 6.299 €. Dafür hat man die Wahl zwischen zwei Farbschemas, dem schlichten schwarz und dem Retro-Look mit Grün und Türkis.

Ausstattung

Quelle: Specialized

Geometrie

Für uns ist Specialized immer wieder ein Garant für Bikes mit denen man sich identifizieren kann und sehr schnell zurecht kommt. Das Kenevo bildet hier keine Ausnahme! Die Kombination aus ultra flachen 65° Lenkwinkel und 75,2° Sitzwinkel sollen gleichermaßen für Spaß beim Uphill als auch beim Downhill sorgen.

Quelle: Specialized

Uphill

Bevor wir das Kenevo den Berg hoch getreten haben, haben wir es hoch gehoben. Mit knapp 24 kg liegt es für so ein potent ausgestattetes Bike im guten Mittelfeld. Aber wen interessiert auch das Gewicht wenn man einen Motor hat? Also Motor an, ECO Modus gewählt und auf geht´s. Die ersten Meter bergauf untermauern sofort die guten Klettereigenschaften die wir aus der Geometrietabelle erwartet haben.

Big-Bikes und Big-Mountains. Der Stoff aus dem Träume gemacht werden.

Das ändert sich auch nicht wenn es steiler und technischer wird. Dank der 443 mm langen Kettenstreben wandert es wie eine Bergziege steilste Rampen und Vorsprünge hoch. Zumindest solange es geradeaus ging. Wurde es etwas verwinkelter hat einen der lange Radstand zu beherztem Einlenken gezwungen.

Seichte Steigungen laden zum Sprinten ein.

Eine leichte Eigenart, an die man sich gewöhnen muss, ist auch die Tatsache das der Motor nicht sofort seine volle Leistung beim Pedallieren entwickelt sondern sich im Laufe einer achtel Umdrehung aufbaut. Dabei ist es unerheblich in welchem Modus man sich befindet. Das führte dazu dass man durch technische oder verblockte Passagen eine gute Linienwahl benötigt und konstant treten muss. Stoppt man die Kurbelbewegung und fängt sofort wieder an zu treten ist der Wiederstand häufig so hoch dass man einen Fuß absetzten muss und danach die nächsten Meter schiebt.

Immer schön weiter treten, dann klappt es auch mit der Spitzkehre.

Solange der Fahrer das Terrain beherrscht, haben Trail- und Turbo-Modus immer genug Bums, um alle möglichen oder auch unmöglichen Steigungen zu bezwingen.

Steil gibt es nicht. Turbo-Modus und ab dafür!

Downhill

Kaum am Gipfel angekommen schreien uns die 180 mm Federweg förmlich an: „Vollgas!“ Dem Ruf der Schwerkraft folgend, waren wir froh, dass die Abfahrten in Molini di Triora sehr lang waren, damit wir das Fahrwerk auch richtig auf Touren bringen konnten. Obwohl uns die natürlichen und teilweise sehr rauen und steilen Trails einiges abverlangten, haben der tiefe Schwerpunkt, Stahlfederdämpfer und 2,8“ dicke Schlappen uns extrem viel Selbstvertrauen geschenkt, sodass wir teilweise gefährlich schnell wurden.

Kleine Absätze werden einfach überrollt ohne dass man sie großartig bemerkt.

Das heißt aber nicht, dass das Kenevo nicht um Kurven geht. Natürlich benötigt es auf Grund des hohen Gewichts ein wenig Nachdruck. Dank der gutmütigen Bereifung und der steifen Laufräder kann man dem Rad aber durchaus etwas Schräglage gönnen, ohne  dass es überraschend ausbricht.

Einmal Ankanten bitte. Die Specialized Butcher 2,8″ halten willig die Spur.

Um den starken Abwährtstrieb des Kenevo zu bändigen wurden an Front und Heck auf mächtige 203 mm Bremsscheiben vertraut, die von der starken SRAM Code Bremse in die Zange genommen worden. Auch lange Abfahrten auf teilweise rutschigen Untergrund, der zu einer schleifenden Hinterradbremse animiert, hat diese Kombination nicht aus der Ruhe gebracht.

Abseits von technischem Anspruch macht vor allem das Erforschen der Region einen riesen Spaß.

Schwimmen können die Reifen nicht, aber dafür viel Grip im Nassen generieren.

Fazit

Für die beliebtesten Ferienziele in Italien (und auch überall sonst) können wir uns keinen besseren Begleiter vorstellen. Die Motorunterstützung erhöht immens den Bewegungsradius und die Abenteuerlust des Fahrers und egal wie rau und steil es wird, das Kenevo ist mit seinem satten Fahrwerk immer die richtige Wahl. Die Grenzen setzt hier in jedem Fall der Fahrer und nicht das Rad.

Leider hatten wir nur zwei Tage, um dem Kenevo auf den Zahn zu fühlen. In dieser Zeit haben wir es aber sehr ins Herz geschlossen.


Text: Thomas Kappel
Bilder: Matt Wragg
weitere Informationen: Specialized
Guiding: A Tipico – Outdoor Escape
Riviera-Bike

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