Schon lange mischt Formula auf dem Bremsenmarkt mit, aber der Durchbruch in die höchste Liga ist ihnen bis dahin nicht unbedingt gelungen. Jetzt soll jedoch alles anders sein. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich Formula gefühlt komplett neu aufgestellt. Nicht nur das neue Logo ist ein Indiz dafür, sondern auch die komplett neu entwickelte Bremse – die Cura. Diese wurde von Grund auf neu designed und soll nun den Ansprüchen vom Weekend Warrior über Enduro Fahrern bis hin zu World Cup Downhill Racern genügen. Das gilt es herauszufinden: Wir haben die Cura für euch auf Herz und Nieren getestet.

Dezent und Edel kommt die neue Cura von Formula daher.
Dezent und edel kommt die neue Cura von Formula daher.

Optisch macht die italienische Bremse schon mal einiges her. Der Bremshebel sowie der Bremssattel sind aus geschmiedetem Aluminium, wirken sehr präzise verarbeitet und machen somit einen sehr hochwertigen Eindruck. Die schlichte abgerundete Form kombiniert mit der edlen schwarzen Farbgebung (alternativ in poliertem Aluminium) machen sie in unseren Augen zu einer der schönsten Bremse, die es momentan auf dem Markt gibt. Zudem ist sie mit 490 g (ohne Bremsscheibe und Adapter) schön leicht.

Unsere Testplattform für die Cura - das Antidote Carbonjack.
Unsere Testplattform für die Cura – das Antidote Carbonjack.

Der Bremshebel wirkt mit dem integrierten Reservoir sehr schlicht. Die schmale, filigrane Form des Bremshebels sorgt für ein aufgeräumtes Cockpit. Probleme mit dem Brems-/ Schalthebel Setup hatten wir keine. Für diejenigen, die es noch schlichter mögen, gibt es die sogenannten MixMaster Klemmen mit denen man SRAM oder Shimano Schalthebel direkt an den Bremshebeln befestigen kann. Das sorgt zusätzlich für ein aufgeräumtes Cockpit.

Die Bremsgriffe sind schnell montiert, ohne die Griffe abnehmen zu müssen.
Die Bremsgriffe sind schnell montiert, ohne die Griffe abnehmen zu müssen.

Beim Bremshebel haben die Entwickler von Formula viel Wert auf die Ergonomie gelegt. Und das ist ihnen unserer Meinung nach auch sehr gelungen. Der schwarz-matte Hebel an sich ist zwar etwas länger als bei dem ein oder anderen Mitbewerber, dennoch fühlt er sich sehr gut an. Kleiner Makel, der Hebel ist etwas glatt, was bei nassen Bedingungen und ohne Handschuhe etwas rutschig werden kann. Diejenigen die also ohne Handschuhe fahren, sollten sich eventuell mit einem Stück Grip-Tape behelfen.

Die Hebelweitenverstellung ist etwas fummelig.
Die Hebelweitenverstellung ist etwas fummelig.

Die Cura ist selbstverständlich auch mit einer Hebelweitenverstellung ausgestattet. Allerdings haben wir hier einen der wenigen Punkte an der Bremse ausgemacht, welche man noch optimieren könnte. Die Einstellschraube ist eine dünne, sehr leicht angefräste Walze und befindet sich am Hebelkörper zwischen dem Hebel und dem Lenker. Sie ist also nicht leicht zugänglich, und nicht für die werkzeuglose Verstellung vorgesehen. Mit einem 2 mm Innensechskantschlüssel kann man die Hebelweite anpassen. Der erwähnte Platzmangel führt leider zu dem Problem, dass man nicht mit jedem Multitool an die Verstellung gelangt, da der Innensechskantschlüssel über eine gewisse Länge verfügen muss. Diese Art der Verstellung erwies sich als etwas unpraktisch, hat aber auf die Performance der Bremse keinen Einfluss. Die Hebelweite „mal eben schnell“ auf dem Trail anpassen ist also nur mit dem passenden Tool möglich. Die Cura bietet keine Leerwegverstellung, allerdings hatten wir das nicht vermisst. Der Leerweg bis zum Druckpunkt blieb die ganze Zeit konstant bei etwa 20 mm und das auch, wenn die Bremsbeläge schon deutlich abgenutzt waren. Hier haben wir absolut nichts zu bemängeln.

Das stimmige Design der Hebel setzt sich am Bremssattel fort.
Das stimmige Design der Hebel setzt sich am Bremssattel fort.

Der Bremssattel ist ebenfalls aus geschmiedetem Aluminium und sehr schick und präzise verarbeitet. Die Bremskraft wird über zwei Kolben mit jeweils 24 mm Durchmesser übertragen, was im Vergleich zu anderen Kolben zu einer erhöhten Fläche und daraus resultierend, zu erhöhter Bremskraft führt. Die werksseitig montierten organischen Bremsbeläge werden mit einer Schraube gesichert. Müssen sie gewechselt werden, lassen sich die Beläge einfach nach oben herausnehmen.

Eine Besonderheit an dem Sattel ist die SpeedLock Leitungsverbindung. Formula beschreibt es wie folgt: “Die Speed Lock Technologie ermöglicht die Trennung und Verbindung des Schlauches, ohne Flüssigkeit zu verlieren oder Eindringen von Luft in das Bremssystem. Der Speed Lock Schlauch ist die beste Option für intern geroutete Rahmen oder für Fahrer, die ständig ihr Fahrrad zerlegen müssen.”  Auch wenn wir die Funktion nicht regelmäßig nutzen,  ist es wirklich sehr simpel den Bremsschlauch vom Bremssattel zu entkoppeln und wieder zu befestigen, ohne dass die Bremse dabei Luft zieht. Hier sehen wir vor allem im Renneinsatz gewisse Vorteile bei Service und Wartung.

Die clevere SpeedLock Leitungsverbindung.
Die clevere SpeedLock Leitungsverbindung.

Wir haben uns für die 2-teiligen 6-Loch Bremsscheiben in der Größe von 203 mm für das Vorder- und 180 mm für das Hinterrad entschieden. Die aus Edelstahl konstruierte Bremsscheibe mit klassischem Aussehen und runden Löchern wird auf einem eloxierten Aluminium-Spider befestigt. Laut Formula wirkt der Spider wie ein Kühlkörper und leitet die Wärme von der Bremsscheibe ab.

Ein weiteres, markantes Merkmal für die neue Cura ist die Bremsflüssigkeit. Die Cura ist die erste Formula Bremse, welche mit Mineralöl befüllt ist. Jetzt ist es eher unüblich, dass Bremsenhersteller die Bremsflüssigkeit ändern. Formula begründet dies aber damit, dass die Kunden sich dies gewünscht hätten, da Mineralöl weniger aggressiv zu Lack und Haut, sowie etwas wartungsärmer als DOT ist. Da Formula allerdings sehr hohe Ansprüche an ihr Mineralöl stellt, wurde lange geforscht und gesucht, bis das passende Öl gefunden wurde. Aus diesem Grund rät Formula von der Nutzung von Mineralölen anderer Hersteller ab, da es die Performance beeinflussen könnte.

Scheibe mit Spyder zur besseren Wärmeableitung.
Scheibe mit Spyder zur besseren Wärmeableitung.

Die Montage der Cura war kein Hexenwerk, funktioniert aber ein wenig anders, als bei Bremsen von anderen Herstellern. Der Hebel wird mit einer Klemme und zwei Schrauben am Lenker befestigt, d.h. es ist bei der Montage und Demontage nicht nötig den Griff bzw. Schalthebel vorher zu demontieren. Der Bremssattel wird dagegen standardmäßig mit zwei Schrauben aus rostfreiem Edelstahl montiert. Der Montagestandard für den Bremssattel beträgt PM 6. Nachdem man den Bremssattel zur Bremsscheibe ausgerichtet hat, muss ein, zwei Mal am Bremshebel gepumpt werden bis die Beläge in dem richtigen Abstand zur Scheibe sind und schon kann es losgehen. Aber Achtung, das Einbremsen nicht vergessen.

Laut den Herstellerangaben ist die Cura für jeden Biker und jeden Einsatz entwickelt worden. Sie soll bei Allmountain Touren und auch beim Downhill kräftig genug aber auch einfach beherrschbar sein.

Auf dem Trail

Am Anfang waren wir noch etwas zurückhaltend und skeptisch, da wir noch die älteren Bremsen von Formula in Erinnerung hatten, die nach unseren Erfahrungen eigentlich nie richtig funktionieren wollten. Bei der Cura hatten wir aber schon vor der ersten Ausfahrt ein gutes Gefühl. Der Druckpunkt hat sich deutlich und hart angefühlt, der Leerweg war genau richtig: nicht zu lang und nicht zu kurz. Und auch der Hebel fühlte sich sofort vertraut an. Und auf dem Trail? Was sollen wir sagen: die erste Abfahrt, die erste Bremsung, ein erstes WOW! Die Cura hat echt Kraft. Aber dank einer eher progressiven Bremskraftentwicklung lässt sie sich sehr angenehm dosieren. Auf ihre Leistung hatten sicher auch die organischen Bremsbeläge einen Einfluss. Wenn es nötig ist, beißt sie ordentlich zu, allerdings nicht so digital, wie man es von einigen anderen Bremsen kennt. Sie lässt sich wirklich wunderbar, präzise dosieren. Dieses berechenbare Verhalten konnte uns besonders bei verspielter Fahrweise mit Manuals, Nose-Wheelies usw. überzeugen.

Satte Bremsleistung in jeder Lage.
Satte Bremsleistung in jeder Lage.

Aber auch das Umsetzen in engen Spitzkehren gehört eindeutig zu den Stärken der Cura. Seit Anfang des Jahres ist die schicke Italienerin nun fast täglich im Einsatz und wurde bei vielen Bedingungen und in diversem Terrain auf die Probe gestellt. Von typischen Allmountain Touren im Pfälzer Wald über Enduro One und Trail Trophy Rennen in den Alpen, bis hin zur Megavalanche. Die Mega war mit ihren langen und extremen Abfahrten quasi der Endgegner für die Cura. Sollten bis dahin noch jegliche Zweifel an der Performance der Bremse vorhanden gewesen sein, waren diese völlig unbegründet. Während der kompletten Mega überzeugte uns die Cura auf ganzer Linie. Sie war vom ersten Meter an gewohnt kräftig und präzise. Selbst bei den längsten Abfahrten, wenn man selbst schon total müde war, hat die Cura nicht aufgegeben. Sie legte eine beachtliche Leistung an den Tag und hat uns stets die volle Kontrolle über unser Bike und die Geschwindigkeit gegeben. Sie wurde weder schwammig, noch hat sich Fading bemerkbar gemacht.

Gute Dosierbarkeit ist immer gut um faxen zu machen!
Gute Dosierbarkeit ist immer gut um faxen zu machen!

Nach über einem halben Jahr im Einsatz sehen wir noch keinen Bedarf sie entlüften zu müssen. Auch der Verschleiß der Bremsbeläge hat uns im positivem Sinne überrascht, denn sie haben noch deutlich über die Hälfte an Belag! Das bei einem organischem Belag, alle Achtung!

Die Cura lässt sich chirurgisch präzise dosieren.
Die Cura lässt sich chirurgisch präzise dosieren.

Die Bremsscheiben sehen auch immer noch gut aus, haben aber eine Besonderheit. Wenn sie aufgewärmt sind und man mit geringer Kraft bremst, machen sie sich akustisch bemerkbar und vibrieren. Die Leistung wurde dadurch jedoch zu keiner Zeit gemindert, es ist lediglich etwas irritierend.

Fazit

Der schon oftmals zitierte Werbeslogan bestehend aus Power und Kontrolle zwängt sich auch hier wieder förmlich auf. Die Formula Cura hat massenhaft Kraft, und lässt sich dennoch super kontrollieren. In unseren Augen ist es einer mehr als gelungene Bremse. Und wenn selbst ein so renommiertes DH World Cup Team, wie das von Specialized mit Loic Bruni, auf die Formula Bremse setzt, kann man dies durchaus als ein Beweis für die Ingeniuerleistung heranziehen. Der einzige, verbesserungswürdige Aspekt, ist die nicht vorhandene werkzeuglose Verstellung der Hebelweite. Ansonsten ist Formula mit der Cura in der obersten Liga angelangt und sollte das Dogma vergangener Tage abgelegt haben. Eine Bremse mit einem sehr breiten Einsatzbereich!


Text und Redaktion: Jakub Reichhart und Philipp Kargel
Bilder: Jakub Reichhart, Josefine Holitzka und Patrick Frech
Weitere Informationen: rideformula.com

2 Kommentare

  1. Weshalb ist denn eine nicht werkzeuglose Verstellung der Hebelweite immer ein Kritikpunkt? Die Hebelweite stellt man vor der ersten Tour ein und dann nie wieder. Also wozu aufwendig ein Rädchen anfertigen, das auch noch 3 g mehr wiegt und teurer ist?
    VG

    • Es gibt immer wieder Fahrer, die vielleicht etwas mit der Hebelweite experimentieren möchten. Da macht es eine Werkzeuglose Verstellung eben einfach einfacher. Aber du hast natürlich nicht unrecht Ingo, oft wird die Hebelweite einmal angepasst und dann war es das. Dennoch wollten wir darauf hinweisen und wie du sicher ebenfalls gelesen hast, hat es keinerlei Einfluss auf die mehr als gute Performance der Cura.

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