Taniwha stellt in der Kultur der Maori einen Schutzgeist dar, der höchsten Respekt durch das Volk erhält. In manch anderen Kulturen steht Taniwha für einen überragenden Jäger. Eine Bezeichnung die sich während des Testverlaufs auf jeden Fall als passender darstellte. Bei Zerode Bikes steht das Taniwha für eine Kombination aus einem steifen Carbon-Rahmen und dem Pinion P1.12 Getriebe. Klingt alles andere als Standard? Ist es auch und ganz sicher kein Bike für Jedermann! 

Schwarz, Edel, schnell, sauteuer. So lässt sich das Taniwha kurz und knapp beschreiben.
Schwarz, edel, schnell, sauteuer. So lässt sich das Taniwha kurz und knapp beschreiben.
Das Taniwha im Überblick

Der deutsche Distributor für Zerode Bikes ist MRC Trading. So verwundert es nicht, dass man beim Fahrwerk bei genauerem hinsehen feine Unterschiede zur Serie findet. So ist die von MRC verbaute Pike Gabel mit der Fast Kartusche versehen. Überhaupt ist das komplette Bike individuell aufgebaut, denn Kompletträder gibt es von Zerode nicht. Ordern kann man nur die Framekits, welche je nach Dämpfer bei über 5.000,00 € starten. Alleine der Preis sorgt also schon dafür, dass man ein Taniwha ganz sicher nicht an jeder Ecke sehen wird. Für den aufgerufenen Preis erhält man einen Carbon Rahmen (Hauptrahmen + Hinterbau), einen Dämpfer (FOX Float X) und ein Pinion P 1.12 Getriebe. Die Rahmen werden in geringer Stückzahl und nur in den Größen M-XL produziert. In Kombination mit dem Pinion Getriebe kann man dann durchaus erahnen, warum das Taniwha eben kein Schnäppchen sein kann und will. Der Vorteil eines Pinion Getriebes? Nahezu sorglose Performance durch hohe Haltbarkeit bei sehr geringem Serviceanteil (Ölwechsel jährlich) und satte 600% Bandbreite der Gänge. Harmonisch integriert in einen Rahmen mit abgestütztem Eingelenker und einer Geometrie die ebenfalls alles andere als von der Stange ist. Bei den restlichen Komponenten des Aufbaus greift man auf Maxxis, Rock Shox, SRAM, DTSwiss, Gamut und Galfer zurück. Jetzt kommt es darauf an, ob Schutzgeist oder Jäger? Das entscheidet sich wie immer auf dem Trail.

Kleine Nachhilfe in Maori auf dem Rahmen. Einer der Punkte wo man die Liebe zum Detail erkennt.
Kleine Nachhilfe in Maori auf dem Rahmen. Einer der Punkte wo man die Liebe zum Detail erkennt.
Die Geometrie des Taniwha im Überblick. Quelle: Zerodebikes
Die Geometrie des Taniwha im Überblick. Quelle: Zerodebikes

Die von uns getestete L Variante ist auch mit einem Reach von 445 mm noch recht kompakt. Unser Testfahrer ist für gewöhnlich auf Größe M unterwegs, fühlte sich aber trotz anfänglicher Skepsis pudelwohl auf der Größe des Testbikes. Der Lenkwinkel von 65° macht bereits auf dem Papier klar, wo die Reise bergab später hinführen könnte.

Bergauf

Wenn einem eine Bandbreite von 600% zur Verfügung steht, möchte man natürlich nicht ausschließlich bergab unterwegs sein. Man möchte auch nicht einfach nur simpel Anstiege in Angriff nehmen, man möchte wissen wo das Limit ist. Soviel vorweg, es ist recht hoch gesteckt. Das Zerode erklimmt nicht nur mühelos steilere Anstiege, es bringt die Traktion auch sehr gut auf die Straße. Das Gewicht des Fahrers wird sehr gut auf das Bike verteilt, auch wenn das Taniwha ein Untersatz ist, welcher dem Fahrer eher das Gefühl von „aufgesessen“ als von „integriert“ vermittelt. Der Sitzwinkel von 74.5° sorgt dafür, dass die Kraft gut auf die Pedale gebracht werden kann. Ein Gangwechsel ist jederzeit, auch in größeren Sprüngen, möglich, was einer der Vorteile des Getriebes ist. So kann man problemlos vom 1. in den 8. Gang wechseln, wenn man es denn möchte. Eine Besonderheit des Pinion ist, dass man während des Schaltvorganges für einen Wimpernschlag lang die Kraft von den Pedalen nehmen sollte. Tut man dies nicht, quittiert das Getriebe dies direkt mit einem akustisch unschönen Gangwechsel. Funktioniert zwar, dürfte aber auf Dauer nicht gut für die Haltbarkeit sein. Hat man sich an die Art des schaltens gewöhnt, was in unserem Fall sehr schnell ging, möchte man das Pinion Getriebe nicht mehr missen und stellt sich ernsthaft die Frage, warum nicht mehrere Hersteller dieses Konzept verwenden. Ob auf Waldwegen bergauf oder auf verblockteren Passagen, das Taniwha klettert willig gen Gipfel. Der limitierende Faktor bei wirklich steilen Rampen ist dann, wie so oft, die Geometrie. Bei zu starker Verlagerung des Körpergewichts nach vorne, um die steigende Front in den Griff zu bekommen, ist das Heck nicht mehr wirklich in der Lage die Traktion auf den Boden zu bringen. Wohlgemerkt haben wir wie gesagt, versucht das Limit an Steigungen zu erfahren, was uns auch gelungen ist. Der limitierende Faktor ist nicht das Getriebe, sondern einfach die Physik. Die Sau!

Mittelsteile Anstiege stellen für das Taniwha absolut kein Herausforderung dar.
Mittelsteile Anstiege stellen für das Taniwha absolut keine Herausforderung dar.
Bergab

Direkt nach den ersten Metern mit dem Taniwha wird uns eines bewusst. Das Bike will mit Macht bergab und dabei von einer erfahrenen Hand gelenkt werden. Ein waschechter Racer mit Downhill Genen und tiefem, zentralisiertem Schwerpunkt dank Pinion Getriebe. Neben dem tiefen Schwerpunkt spielt das Getriebe indirekt einen weiteren Trumpf aus. Dadurch dass das Schaltwerk und die Kassette am Hinterbau wegfallen wird dort die ungefederte Masse geringer. Dies hat zum Vorteil, dass der Hinterbau schneller agieren kann, was wiederum in einer besseren Traktion resultiert. So liegt das Zerode Taniwha sehr satt auf dem Trail und giert förmlich nach Kurven. Das Taniwha ist ein Bike, welches mit Druck auf dem Vorderrad derart schnell in die angepeilten Kurven sticht, bei dem man genau wissen sollte wo man hin möchte. Unsichere Fahrer könnten von dem schon fast nervösen Einlenkverhalten eventuell überrascht oder sogar überfordert sein.Nervös in dem Sinne, dass Lenkimpulse, seien sie auch noch so klein, vom Taniwha direkt umgesetzt werden. Allerdings sind wir ziemlich sicher das Einsteiger in diesen Sport ein anderes Bike wählen würden. Für alle anderen gilt, dieses Bike ist eine Waffe mit der man auch bekannte Trails auf einem neuen Level erleben kann. Die Kombination aus Pike und Fast Kartusche an der Front und dem Float X am Heck sorgen für eine atemberaubende Performance bergab. Dabei steht die Front stehts gut im Federweg ohne diesen unnötig freizugeben.

Auch kleinste Wurzeln laden direkt zum abziehen ein.
Auch kleinste Wurzeln laden direkt zum abziehen ein.

Der eher progressiv abgestimmte Hinterbau agiert sehr feinfühlig und sorgt auch bei sehr schnelle Anliegern für ausreichend Gegenhalt. Sehr zügig lässt sich das Taniwha aus Kurven heraus beschleunigen um direkt den nächsten Kurswechsel in Angriff zu nehmen. Stumpf mit Vollgas den Berg runter geht wunderbar, aber die wahre Stärke liegt in der Agilität des Bikes. Lässt man sich darauf ein, hat man einen willigen und treuen Begleiter zur Seite. Zollt man dem Schutzgeist nicht den nötigen Respekt, kann es durchaus passieren, dass er bockig reagiert und den Fahrer abwirft. Das Taniwha hat durchaus das Potential um Rennen zu gewinnen. Muss man einmal den Anker werfen, so liefert die Kombination aus Guide RS und den Galfer Komponenten (Scheiben und Beläge) eine derart souveräne Bremsleistung, dass wir die Guide Bremsen danach in einem neuen Licht gesehen haben. Eine Kombination die wir durchaus empfehlen können. Aber Vorsicht, bissig!

Mit Vollgas in den Trail rein. Bei konsequenter Linienwahl wird man mit sattem Fahrverhalten belohnt.
Mit Vollgas in den Trail rein. Bei konsequenter Linienwahl wird man mit sattem Fahrverhalten belohnt.

Kann es auch langsam? Natürlich kann man das Zerode auch auf entspannteren Trails bewegen. Auch hier kommt die angenehme Laufruhe zum Tragen, aber dennoch muss der Fahrer nie wirklich nach Feedback vom Untergrund suchen. Die Rückmeldung des Fahrwerks nach oben funktioniert wunderbar, stets hat man Gewissheit was unter einem vorgeht. Aber immer wieder erwischt man sich selbst dabei, wie man an noch so kleinen Wurzeln abzieht und mit dem Bike spielt. Sie funktioniert einfach sehr gut, die Kombination aus Potentem Fahrwerk, Carbon und Pinion Getriebe.

Kann auch langsam, möchte es aber eher selten!
Kann auch langsam, möchte es aber eher selten!
Die Sache mit den Framekits

Wie bereits erwähnt ist das Taniwha ausschließlich als Framekit erhältlich. Der Rahmen inkl. Fox Float X schlägt mit 5.699,00 € zu Buche und lässt sich dank Holy Grail von Fast oder dem DH 2XRC3 von ND Tuned noch weiter nach oben treiben. Greift man dann noch in die oberen Regale bei den restlichen Komponenten und rollt lieber auf Carbon statt Aluminium ab, dann hat man am Ende schnell den 5-stelligen Preisbereich erreicht. Individualität und vor allem Exklusivität sind nur zwei der Dinge die der genannte Käufer dann erhält. Die mehr als souveränen Fahreigenschaften kommen on Top. Bei Auswahl der Komponenten und deren Abstimmung steht Importeur MRC Trading gerne jedem Kunden nach Wunsch zur Seite.

Macht zusätzlich leise und hält - der Kettenstrebenschutz.
Macht zusätzlich leise und hält – der Kettenstrebenschutz.
Fazit

Zwei Geister in einem Körper. Das Taniwha ist Schutzgeist und Jäger zugleich, abhängig vom Vertrauen des Fahrers. Zerode hat ein sehr kompromissloses Bike geschaffen, welches ziemlich sicher auch größeren Kalibern vor allem bergab die Show stehlen kann. Die Performance ist enorm und der Grenzbereich spät, dafür aber deutlich abgesteckt. Das Pinion P1.12 Getriebe verrichtet seine Aufgabe unauffällig und präzise, hier gibt es absolut nichts zu meckern.  Liebhaber und Individualisten werden den Preis sicher in Kauf nehmen, alle anderen möchte das Taniwha vielleicht erst gar nicht ansprechen. Die berühmte Kirsche auf der Torte wäre jetzt noch die Integration eines Gates Riemen, um das Taniwha endgültig zum lautlosen Jäger zu machen.


Text und Redaktion: Patrick Frech, Philipp Kargel
Bilder: Patrick Frech
Weitere Informationen: MRC Trading, Zerode Bikes

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