Muss es immer Highend sein? Mit dieser Frage im Kopf sind wir auf der Suche nach einem Antrieb und Bremse für unsere Downhill Testplattform gegangen. Da trifft es sich sehr gut, dass Shimano neben der über allen Zweifel erhabenen Saint Gruppe auch die Brieftaschen freundliche Zee Gruppe im Programm hat. Etwas weniger „Bling Bling“ aber ähnliche Performance? Klingt nach einem No Brainer.

Dezent im Auftritt, doch stark in der Performance

Produktvorstellung

Die Shimano Saint Gruppe bildet schon seit langem die Speerspitze des Downhillsports im Programm der Japaner. Wie für Highend Produkte üblich kosten sie jedoch ihren Preis und genau da kommt die Zee Gruppe ins Spiel. Entwickelt für den Einsteiger in den Gravity Sport, soll sie mit einem fairem Preis und dennoch hoher Performance Punkten. Damit das funktioniert wurden einige Highlights der Saint übernommen und so könnte man die Zee die kleine Schwester der Saint nennen. Mit vier Kolben und dem Servowave Hebel wird der Schwerkraft den Kampf angesagt. Lediglich auf eine werkzeuglose Hebelweiten Verstellung und der Druckpunktverstellung muss an der Bremse verzichtet werden. Die Platten der Bremsbeläge bestehen bei der kleinen Schwester außerdem aus Stahl und besitzen keine Kühlrippen. Das sollte uns aber nicht wirklich stören. Das obligatorische kürzen der Bremsleitungen hat sich dank Shimano´s One-Way Entlüftung als äußerst einfach erwiesen. Wie für Shimano üblich wird auch bei der Zee Bremse auf Mineralöl gesetzt.

4 Kolben für ein Haleluja! Genau wie die große Schwester.

Mit einer stabilen Stahlachse und Stahl-Pedaleinsätzen an der Kurbel sollen wir einen bombensicheren Partner haben, der auch härteste Einschläge wegsteckt. Dank der Auswahl aus drei Kurbelarmlängen (165 mm, 170 mm, 175 mm) hat jeder die Möglichkeit sein Optimum aus Bodenfreiheit und Vortriebsstärke zu finden. So haben wir uns dank hohem Tretlagers des Testrades und langen Beinen des Testers für die 175 mm lange Kurbel entschieden. Die Schaltung hat wie von anderen Shimano Produkten bekannt die Rapid-Fire Technologie mit der bis zu 3 Gangsprünge auf einmal möglich sind und das 2-Way-Release mit der es auch möglich ist den Gangwechsel mit dem Zeigefinger einzulegen geerbt. Inwiefern der Gangwechsel per Zeigefinger beim bergabfahren sinnvoll ist wird sich zeigen.

Die technischen Unterschiede scheinen auf den ersten Blick nicht sonderlich gravierend, doch wie schaut´s mit dem Gewicht und Preis aus? Vom Gewicht her schenken sich die beiden Gruppen wenig. Mit 1879 Gramm ist die Zee Gruppe lediglich 29 Gramm schwerer als die Saint. Beim Preis wird es allerdings schon etwas deutlicher. Bei den üblichen Internethändlern findet man die Saint Gruppe (Kurbel, Schaltgriff, Schaltwerk, Bremse) für ca. 620 €, die Zee Gruppe dagegen schon für ca. 380 €. Eine deutliche Differenz, doch ob die Zee Gruppe auch abliefert wird sich zeigen.

Auf dem Trail

Der Zee sieht man auf dem ersten Blick an, dass sie für den Gravity Sport entwickelt wurde. Mit einer robust wirkenden 175 mm langen Kurbel, einem 36er Kettenblatt und eng abgestufter 10 Gang Kassette ist sie perfekt für die Streckenabschnitte die nicht in Falllinie den Berg hinab führen. Für schnelle Gangwechsel lässt die Shimano Zee Schaltung bis zu drei Gangsprünge in einen leichteren Gang und einen Gangsprung in einen härteren Gang zu. Die Montage samt Einstellung hat uns gerade einmal 10 Minuten gekostet und da sie eine völlig sorglose Schaltung ist, mussten wir bisher kein zweites Mal Hand anlegen. Die Schaltperformance kann dabei nicht ganz mit der Saint oder XTR mithalten, mit einem knackigen Druckpunkt hat man die Gänge aber immernoch schnell genug nach rechts geschubst, um von der Startrampe zu Sprinten. Auch wenn wir die Möglichkeit hatten die Gänge mit dem Zeigefinger einzulegen, haben wir von dieser Funktion keinen Gebrauch gemacht und stattdessen den Finger lieber am Bremshebel ruhen lassen.

Mit 175 mm langer Kurbel lässt es sich kräftig Beschleunigen.

Damit die Kette auch dort bleibt ist das Schaltwerk mit Shimanos Shadow Plus Technologie versehen, einem Reibungsdämpfer der äußerst gute Arbeit abliefert. Selbst auf den rauesten Strecken hört man kaum ein klappern vom Hinterrad und auch wenn wir eine Kettenführung verwenden, sorgt das Schaltwerk für genug Zug an der Kette, damit sie auch ohne Kettenführung nicht herunter fällt. Für den leichteren Ein- und Ausbau des Hinterrades kann man den Reibungsdämpfer aber auch abstellen. Damit das Schaltwerk nicht Opfer von Steinen und Wurzeln wird, fällt es sehr kurz aus.

Am Lenker sollte eigentlich dank Shimanos I-Spec B Standard zusammenkommen, was zusammen gehört. Leider wurde die direktmontage der Schaltung an den Bremshebel für die Zee Schaltung nicht übernommen. Wer nicht darauf verzichten mag muss hier auf den Shimano Saint Schalthebel zurückgreifen.

Dank I-Spec B ist es ein leichtes die Bremse und den Schalthebel miteinander zu verbinden, was für eine perfekte Erreichbarkeit und eine aufgeräumte Optik sorgt. Dabei haben wir noch die Möglichkeit den Schalthebel seitlich zu verstellen, so dass Fahrer mit großen oder kleinen Händen immer alles im Griff haben. Natürlich kann man auch mit 2 Schellen am Lenker fahren, einmal getestet möchte man die direktmontage aber nicht mehr missen.

Kurzer Hebel, große Wirkung

Wie bei jeder Bremse, ist es wichtig das System vor der ersten richtigen Ausfahrt einzubremsen. Hier macht auch die Shimano Zee Bremse keine Ausnahme. Hat man diesen Prozess abgeschlossen, wird man mit einer überragenden Bremskraft belohnt. Ein sehr knackiger Druckpunkt kündigt dabei den Kontakt der Beläge an der Scheibe an. Zieht man die Hebel weiter Richtung Lenker baut sich die Bremskraft gut kontrollierbar weiter auf. Doch aufgepasst! Wenn man den Bremshebel der Vorderradbremse in einer „Oh Shit“ Situation mit Vehemenz zieht, kann man sich schnell vor seinem Fahrrad wiederfinden. Hierbei ist es egal ob man die mitgelieferten Sinterbeläge oder organische Beläge nutzt, die Bremskraft ist nahezu identisch. Als leichte Fahrer haben wir die organischen Beläge bevorzugt, weil sie direkt mit sehr hoher Bremskraft aufwarten, wo hingegen die Sinterbeläge resistenter gegen Hitze waren und daher für schwerere Fahrer besser geeignet sind.

Eine Bremse wird allerdings nicht nur an ihrer reinen Stopwirkung gemessen, sondern auch an ihrer Zuverlässigkeit. Dabei hat sie in langen alpinen Abfahrten am Ende immer noch so gut zugepackt wie am Anfang, auch wenn die Arme schon längst am Glühen waren. Dafür sorgen unter anderem die Shimano RT 76 Bremsscheiben die aus einem Stahl Reibring auf einem Alumiunspider bestehen. Der Gedanke dahinter ist, die Hitze möglichst schnell vom Bremssattel abzuleiten, um ein Überhitzen des Öls zu verhindern, was in der Praxis hervorragend funktioniert. Wer seiner Bremse noch etwas gutes tun möchte, kann zusätzlich die mit Kühlrippen versehenen Bremsbeläge der Saint verwenden. Da wir ein Bremssystem für einen schmalen Taler gesucht haben, haben wir zusätzlich die RT 66 Bremsscheiben getestet, die ohne Aluspider auskommen müssen. Auch hier war die Performance auf sehr hohem Niveau, doch bevorzugen wir für alpine Abfahrten die RT 76 Scheiben.

Auch die RT66 Bremsscheiben wissen zu überzeugen.

Die Shimano Zee Gruppe ist wahrscheinlich eines der unterschätztesten Produkte auf dem Markt. Auch wenn die Verarbeitung deutlich unter Saint Level ist, stimmt der Preis und die Performance ist auf höchstem Niveau. Wer auf eine Werkzeuglose Hebelweitenverstellung an der Bremse verzichten kann und gleichzeitig ein minimales mehr Gewicht im Gegensatz zur Saint in Kauf nimmt, sollte hier zuschlagen. Damit hat sie sich unseren CH Tipp mehr als verdient.

Äusserst schick an unserer Testplattform

Fazit

Die Shimano Zee Gruppe überzeugt auf ganzer Linie. Mit gewohnt knackiger Schaltperformance und einer Bremse die einem Wurfanker gleicht, steht sie der großen Schwester in nichts nach und wird nicht nur Einsteiger begeistern. Unser Preis- / Leistungstipp, mehr Performance wird man für den Preis nirgends finden.


Text: Thomas Kappel
Bilder: Jakub Reichhart
Weitere Informationen: Shimano

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